Letztes Update am Fr, 25.07.2014 07:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Vom Stromprojekt elektrisiert

Der Verbund hat LHStv. Josef Geisler und den Zillertaler Planungsverbandschef Hansjörg Jäger beim Tuxbach-Projekt im Boot. Das Aus für Kajaksport in der Zemmschlucht ist fix.



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Sie demonstrieren Einigkeit: Verbund-Chef Michael Amerer, LHStv. und einstiger Zillertaler Planungsverbandsobmann Josef Geisler sowie der jetzige Planungsverbandsobmann Hansjörg Jäger. In einer Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch machten sie sich gemeinsam stark für die Ableitung des unteren Tuxbaches und den Ausbau der Wasserkraft – eine Signalwirkung für die Bürgermeister von Mayrhofen und Finkenberg sowie den TVB Mayrhofen-Hippach, die zu jenen gehören, die die Energiegewinnungspläne kritisieren.

Jäger erinnerte daran, was durch den Talvertrag alles möglich wurde: Bachverbauungen, Investitionen in Altenheime, Nahverkehr, Radwege und Kanalsysteme seien durch den Vertrag mit dem Verbund, der seit 1969 wertgesichert den Gemeinden Ausgleichszahlungen leitet, möglich. Derzeit sind es jährlich 1,2 Mio. Euro. Geld, auf das die Gemeinden ungern verzichten. LHStv. Geisler gab zudem die landesweite Marschrichtung vor: „Unser Ziel ist es, bis 2050 energieautonom zu werden, das geht nur, wenn mehr erneuerbare Energie produziert wird.“ Man müsse auch im Zillertal über den Tellerrand hinaus und das Ganze globaler sehen, so Geisler zu Aussagen, das Zillertal hätte bereits genug für die Stromerzeugung geleistet. „Wir können mit Pumpspeichern der Energiespeicher Europas sein“, meinte er und Verbund-Chef Amerer erklärte, dass Deutschland sich bei idealen Wetterbedingungen mit Wind und Solarstrom komplett selbst versorgen könne. Dieser Strom sei aber nicht speicherbar.

Was das Tuxbach-Projekt anbelangt, erinnerte Amerer erneut daran, dass die mit 2019 auslaufende Genehmigung für das Kraftwerk Bösdornau den Verbund zum Handeln zwinge. Eine Weiterführung dieses Kraftwerks unter den künftig geltenden strengeren EU-Wasserrahmenrichtlinien sei sowohl aus energiewirtschaftlicher Sicht als auch den Naturschutz betreffend die schlechtere Variante, als das Kraftwerk stillzulegen und den Tuxbach in den Stilluppspeicher abzuleiten. Die Zemmschlucht wäre so oder so für Wildwassersport nicht mehr geeignet, „selbst wenn wir alles zurückbauen und keinen der Bäche mehr zur Energiegewinnung nutzen“, erklärte Projektleiter Marco Fiegl. „Derzeit fließen dort im Sommer 6 bis 7 m³/sek Wasser aufgrund des Kraftwerks, davon stammen 70 Prozent aus dem Tuxbach.“ Auch bei der Revitalisierung von Bösdornau würde durch die neuen Richtlinien der Wildwassersport an erheblich weniger Tagen möglich sein als jetzt. Ab 2019 beziffert Fiegl die Wassermenge in der Zemmschlucht mit 2 bis 2,5 m³/sek.

Um eine Lösung für die Rafter und Kajakfahrer zu finden, prüfe der Verbund intensiv, wie man für sie die Ziller-Wehre Kohlstatt und Kreuzlau durchgängig machen könnte, ohne den Hochwasserschutz zu gefährden. „Uns steht künftig mehr Wasser im Stillupspeicher für die Abarbeitung zur Verfügung, wodurch wir länger und öfter im Schwallbetrieb fahren könnten“, erklärt Fiegl. Das aber gefalle den Fischern nicht, die dann nicht fischen können. „Das ganze Projekt ist ein Kompromiss. Egal in welche Richtung wir gehen, es gibt immer Betroffene. Wir werden es nicht so machen können, dass es für jeden die optimale Lösung ist“, betont Amerer.

Derzeit ist der Tuxbach ab dem Bereich Persal in Finkenberg acht Monate lang praktisch trocken durch die Ableitung nach Bösdornau – ebenso der obere Zemmbach. Künftig würde rund zwei bis drei Kilometer weiter taleinwärts im Bereich Elsbach die unterirdische Ableitung des Tuxbachs zum Stillupspeicher starten. Zurzeit fließen im Tuxbach rund 6 m³/sek Wasser, laut Verbund-Plänen verbliebe künftig rund 1 m³/sek nach der Ableitung ab Elsegg.

Die wasserrechtliche Verhandlung am Dienstag sei laut Amerer ein Meilenstein gewesen, der nächste sei die naturschutzrechtliche Verhandlung. Ziel des Verbunds ist es, bis 2016 alle Genehmigungen zu haben und dann mit der rund zweijährigen Umsetzung der Tuxbach-Ableitung zu starten. Bis dahin stehen noch zahlreiche Gespräche und Verhandlungen am Programm.




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