Letztes Update am So, 31.08.2014 08:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Das Zillertal startet Modellregion für Bildung

Die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen startet im Zillertal. Nach vier Jahren wird Bilanz gezogen.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Dieser Schulbeginn soll für die Neuen Mittelschulen Fügen, Hippach, Mayrhofen, Stumm, Tux und Zell am Ziller ein besonderer werden. Die Schulen sind Teil der Modellregion Zillertal, wo eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen installiert wird. 350 Schüler sind beteiligt. „Der Ausgangspunkt ist nicht die Schulform, sie ist im Prinzip unerheblich, sondern die individuelle Förderung der Schüler“, erklärt Bildungslandesrätin Beate Palfrader. Dennoch hat der Vorstoß der Tiroler ÖVP zu einer gemeinsamen Schule österreichweit für Schlagzeilen gesorgt. Für manche in der Partei und auch außerhalb kam es einem Tabubruch gleich. Ähnelt doch die gemeinsame Schule im ÖVP-Sprech der Gesamtschule im SPÖ-Sprech.

Kritiker hingegen meinten, die Modellregion Zillertal sei gar keine, weil ohnehin fast alle Schüler in die Neuen Mittelschulen gehen würden. Das nächste Gymnasium ist weit, nämlich in Schwaz oder Wörgl. Das Argument lässt Palfrader nicht gelten. Die Schüler seien deshalb im Zillertal geblieben, weil die Qualität in den Neuen Mittelschulen hoch sei. In der Modellregion würden die Schüler – wie an den anderen Neuen Mittelschulen auch – von Landes- und Bundeslehrern unterrichtet. Diese würden in speziellen Fortbildungsprogrammen unterstützt, sagt Palfrader. „Entscheidend ist, dass die LehrerInnen auf dem neuesten Stand der Didaktik und Methodik sind, damit personenbezogener, individualisierter Unterricht durchgeführt wird.“

Wie stark war nun die Nachfrage nach einer gemeinsamen Schule? Das Bild ähnle dem in anderen Schuljahren, sagt Palfrader. Dass der Plan, eine Modellregion zu errichten, die Schüler nach Schwaz vertrieben hätte, verneint sie. Die Gymnasien dort hätten keinen verstärkten Zulauf. „Die Schülerströme haben sich nicht wesentlich verändert.“

Auf die 350 Schüler der Modellregion kommt Folgendes zu: Nach der vierten Klasse Volksschule gehen sie wohnortnah in die Sekundarstufe I und damit in eine der teilnehmenden Neuen Mittelschulen. Dort sollen ihre Begabungen erkannt und individualisiertes Lernen gewährleistet werden. Sowohl der Weg in eine höhere Schule als auch in eine berufliche Bildung sollen optimal vorbereitet werden. „Jedes Kind macht die weitere Ausbildung, für die es am besten geeignet ist.“

Durch die Modellregion bekommen Schüler neben der touristischen Schiene eine zweite Möglichkeit, Matura zu machen, ohne das Tal zu verlassen. An der Neuen Mittelschule Zell am Ziller soll an der Ganztagsschule zusätzlich eine Oberstufengymnasiumklasse eingerichtet werden.

Palfrader hat sich für das Zillertal viel vorgenommen. Die gesamte Region werde als lernende Region gesehen, in der Bildung eine überdurchschnittlich große Rolle spiele. Klar, dass auch die Eltern nicht daran vorbeikommen. Eine Elternakademie wird eingerichtet. Wissenschaftlich begleitet wird die Modellregion von der School of Education der Universität Innsbruck. Auch die Pädagogische Hochschule wird laut Palfrader am Projekt mitarbeiten.

Am Ende der vier Jahre soll das Projekt evaluiert werden. Palfrader ist überzeugt, dass „die besten Lernerfolge“ erzielt werden. Tirol kann ohne den Bund keine gemeinsame oder Gesamtschule, wie immer man sie nennen will, einführen. Alle Maßnahmen seien mit dem Bund gut abgestimmt. „Wie gesagt, auf die Schulform kommt es nicht an“, sagt Palfrader.