Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.11.2014


TT-Forum in Imst

Kompromisse ja, Dilemma bleibt

Über 100 interessierte Haiminger diskutierten beim TT-Forum über das Spannungsfeld Siedlungsdruck versus Naturschutz im Forchet. Die Ausdehnung in den Föhrenwald sei die einzige Möglichkeit.

Mitreden hieß es für die Bevölkerung beim TT-Forum unter der Leitung von Manfred Mitterwachauer (M.), das die Schaffung neuen Wohnraumes im „Forchet“ zum Thema hatte.

© PaschingerMitreden hieß es für die Bevölkerung beim TT-Forum unter der Leitung von Manfred Mitterwachauer (M.), das die Schaffung neuen Wohnraumes im „Forchet“ zum Thema hatte.



Von Hubert Daum

Haiming – Es scheint ein klassisches Dilemma zu sein: Die Gemeinde Haiming wächst und benötigt dazu neuen Siedlungsraum. Allerdings ist man umgeben vom so genannten „Forchet“, dem letzten Talwald dieser Dimension im Inntal. Die Fortschreibung des örtlichen Raumordnungskonzeptes sieht nun vor, dem 150 Hektar großen Föhrenwald sechs Hektar Bau- und Gewerbegrund abzugewinnen. Genau das möchten Naturschützer, die sich in der Bürgerinitiative „Schützt das Forchet“ formiert haben, verhindern. Sie fordern eine Ausweisung als Naturschutzgebiet und einen Widmungsstopp. Beim TT-Forum am Mittwoch trafen sich über 100 interessierte Bürger im Oberlandsaal, um über diese Thematik mit den Podiumsgästen LHStv. Ingrid Felipe, BM Josef Leitner, Roppens BM Ingo Mayr und Anne Götsch von der Bürgerbewegung unter der Leitung von TT-Lokalchef Manfred Mitterwachauer zu diskutieren und die Argumente des jeweils anderen Lagers zu hören.

BM Leitner brachte die Problematik gleich in der Einleitungsrunde auf den Punkt: „Wir haben über 180 Bauansuchen evident. Wenn es nur die Hälfte wirklich ernst meint, ist der Grundbedarf rund vier Hektar. Mit verfügbaren Gründen ist dies nicht abzudecken, Privatgründe sind nicht zugänglich. Daher haben wir nur die Möglichkeit, in den Forchet zu bauen.“ Für die BOKU-Studentin Anne Götsch ist der Forchet ein einzigartiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und ein Naherholungsgebiet. Man solle primär alternative Lösungen ausloten. Landesrätin Ingrid Felipe sieht den Forchet (BM Leitner korrigierte auf „der“ Forchet) ebenfalls als wertvolle Naturfläche, räumte allerdings ein: „Wenn keine Unterschutzstellung gegeben ist, ist die Macht des Naturschutzes endlich.“ Man arbeite gerade an der Meldung von Natura-2000-Gebieten mit Vollgas, der Forchet sei nicht berücksichtigt.

Bereits Naturschutzgebiet ist ein Großteil des zweiten, östlich gelegenen Forchets in den Gemeindegebieten Sautens und Roppen. Dies wurde im Zuge des Bewilligungsverfahrens der „Area 47“ ausgewiesen. Roppens BM Mayr: „Die Situation in Roppen ist dieselbe wie hier. In beiden Gemeinden wohnen 6500 Menschen, deren Wünsche wir berücksichtigen müssen.“ Damals habe man der Schutzgebietsausweisung relativ nahe am Siedlungsraum zähneknirschend zugestimmt.

„Meine Töchter möchten auch bauen“, wirft Andreas Hell ein, „Baugründe werden eben benötigt.“ Mountainbiker Marco Mattlschweiger mahnt ein, dass der Bedarf exponentiell steigen werde. Zwei Hektar im Forchet wurden von der Gemeinde bereits im Sommer gewidmet. Dies liegt zurzeit bei der aufsichtsbehördlichen Genehmigung. „Wir haben ein gutes Beispiel der Revitalisierung von alten Häusern in Silz“, argumentiert Götsch, „dort hat man 60 Wohneinheiten wiederbelebt.“ VBM Martin Haslwanter kontert: „Du kennst Haiming nicht, wir haben keine alten Häuser zum Herrichten.“

Auf die Frage, ob das Land eingreifen solle, meinte Ingrid Felipe: „Es macht durchaus Sinn, das Dilemma im Ganzen anzusehen.“ Die überörtliche Raumordnung werde bei Gewerbegebieten angewandt, allerdings auch in Kooperation mit den Gemeinden. „Sollen wir Äcker und Wiesen zupflastern?“, stellte BM Mayr die rhetorische Frage. Anne Götsch betonte, dass sie nie gesagt habe, man solle in die Felder bauen. „Wohin dann?“, möchte das Publikum wissen. BM Leitner beteuerte, dass sich der Gemeinderat viele Gedanken mache: „Eine Parzellengröße von 300 Quadratmetern wäre mir sympathisch.“

Die Entscheidung liege nicht in ihrem Ressort, stellt Felipe klar, man müsse miteinander reden. Kompromissbereitschaft war übrigens der Tenor dieser Veranstaltung, die keine Lösung gebracht hat, aber offenbar Ver­ständnis.