Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.11.2014


Tirol

Iselkraftwerk: Land warnt Osttiroler Bürgermeister

Das Kraftwerk Obere Isel ist auch ohne Natura 2000 kaum realisierbar. Das Land warnt Virgen und Prägraten vor finanziellen Engagements.

Die Ortschefs Steiner (l.) und Ruggenthaler (r.) – hier mit Infra-Chef Wolfgang Widmann – sollen kein Geld mehr in das Kraftwerk stecken.

© OblasserDie Ortschefs Steiner (l.) und Ruggenthaler (r.) – hier mit Infra-Chef Wolfgang Widmann – sollen kein Geld mehr in das Kraftwerk stecken.



Innsbruck, Virgen – Wenige Tage vor der geplanten Ausweisung von Natura-2000-Schutzgebieten an den Osttiroler Gletscherflüssen birgt ein Schreiben des Landes kommunalpolitischen Sprengstoff: Der stellvertretende Landesamtsdirektor Dietmar Schennach und die Leiterin der Gemeindeabteilung, Christine Salcher, fordern die Bürgermeister von Virgen und Prägraten, Dietmar Ruggenthaler und Anton Steiner, auf, keine weiteren finanziellen Investitionen in das geplante Kraftwerk an der Oberen Isel zu tätigen. Virgen und Prägraten haben sich bisher mit jeweils 50.000 Euro an der Wasserkraft Obere Isel GmbH (WKOI) beteiligt, die das Kraftwerk errichten soll. 147 Mio. Euro würden die Baukosten betragen.

Die Bezirkshauptmannschaft Lienz hat die Beteiligungen im November 2013 genehmigt – aber nur unter der Voraussetzung einer guten Realisierungschance. Zwischenzeitlich steht jedoch fest, dass das Kraftwerk Obere Isel auch ohne Natura-2000-Ausweisung beim Kriterienkatalog Wasserkraft durchgefallen ist. Und mit allem Nachdruck weist das Land darauf hin, „dass das gegenständliche Projekt nicht zur Weiterverfolgung zu empfehlen“ ist. Die Konsequenz da­raus: „Um jegliches finanzielles Wagnis für die Gemeinden auszuschließen, wird ersucht, die Rahmenvereinbarung und den Rahmen der aufsichtsbehördlichen Genehmigung zu beachten“, warnen Dietmar Schennach und Christine Salcher.

Schließlich müssen beide Gemeinden damit rechnen, dass die Beteiligungen von 100.000 Euro bereits verloren sind. Weitere Engagements will das Land angesichts der negativen Beurteilung nicht akzeptieren. Die Bürgermeister halten hingegen an ihrem Wasserkraft-Vorhaben fest und wollen deshalb auch eine Natura-2000-Ausweisung der Oberen Isel verhindern; im Wissen, dass die Kraftwerkspläne auch ohne Tamarisken-Schutz negativ eingestuft wurden. (pn)