Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.03.2015


Exklusiv

In Osttirol soll es 327 Hektar Natura-2000-Gebiete geben

Regierung dürfte am Dienstag Verordnungsentwurf beschließen, die Osttiroler Bürgermeister wollen mit Gegenantrag im Landtag kontern.

Wegen der Deutschen Tamariske, die an der Isel und den Osttiroler Gletscherflüssen wächst, fordert die EU zusätzliche Schutzgebiete.

© Vorauer/WWFWegen der Deutschen Tamariske, die an der Isel und den Osttiroler Gletscherflüssen wächst, fordert die EU zusätzliche Schutzgebiete.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Studien benötigt es bei den zusätzlich auszuweisenden Natura-2000-Schutzgebieten in Tirol keine mehr. Sie liegen seit Monaten auf dem Tisch. Nur politisch wurde die Nominierung in den vergangenen Monaten immer wieder hinausgeschoben. Unter ständigen Querschüssen der betroffenen Osttiroler Bürgermeister konnte sich die schwarz-grüne Landesregierung bisher nicht einigen. Am Dienstag soll es jedoch so weit sein, der Verordnungsentwurf für die Unterschutzstellung der Isel und Teile ihrer Zubringerflüsse ist fertig. Auch die fünf Nominierungsvorschläge für Gebiete im Tiroler Oberland sind an sich paktiert.

Ziel, so bestätigten sowohl ÖVP als auch Grüne, ist die Regierungssitzung am Dienstag. Mitte März sollen die Vorschläge dann auf EU-Ebene im Europäischen Umweltinformations- und Umweltbeobachtungszentrum in Paris diskutiert werden. Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) betonte am Sonntag einmal mehr, dass die gesamte Isel und Teile des Kalserbachs und der Schwarzach nominiert werden. „Die Abteilungen haben sehr gute und vernünftige Vorschläge ausgearbeitet.“

327 Hektar Natura-2000-Schutzgebiete wird es dann in Osttirol geben. Beschlossen wurde bereits ein Entwicklungsprogramm für die betroffenen Regionen. Die ÖVP will die Verordnung jedoch ohne den Zusatz erlassen, dass oberirdische Kraftwerksbauten in Natura-2000-Gebieten nicht möglich sind. Natura-2000-verträgliche Kraftwerke sollen dadurch nicht verhindert werden, heißt es. Konkret geht es um ein bisher noch nicht breit diskutiertes Kleinkraftwerk zwischen Matrei und Huben. Das bereits beim Kriterienkatalog Wasserkraft durchgefallene Kraftwerk Obere Isel hätte ohnehin keine Realisierungschance, das Vorhaben am Kalserbach auch nicht. Am Tauernbach (Matrei) könnte hingegen eines errichtet werden, der Landesenergieversorger Tiwag hat das Verfahren bereits eingeleitet. Und an der Schwarzach wollen die drei Deferegger Gemeinden eines in Hopfgarten errichten.

In der Begutachtung können Stellungnahmen zu der von der Regierung beschlossenen Verordnung abgegeben werden.

Für den Matreier Bürgermeister und VP-Bürgermeister Andreas Köll wäre eine Unterschutzstellung der gesamten Isel nicht akzeptabel. „Es gibt einen Gegenvorschlag der Iseltaler Bürgermeister.“ 90 Prozent des Lebensraumtypus und 80 Prozent der Tamariske (Ufergewächs) wären damit geschützt. Alles andere bezeichnet er als überschießend. Sollte das Land nicht einlenken, wollen die Osttiroler Bürgermeister ihren Ausweisungsvorschlag in den Landtag bringen; entweder bringt ihn die FPÖ ein oder die SPÖ. Denn die Lienzer Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Elisabeth Blanik sowie FP-Nationalrat und Bürgermeister von St. Jakob Gerald Hauser ziehen mit den ÖVP-Bürgermeistern an einem Strang. Blanik dementierte zuletzt jedoch, dass sie einen entsprechenden Antrag im Landesparlament einbringen werde.

Im Oberland sind die Gespräche beinahe abgeschlossen und nur noch einige Details zu klären. Hier lobt Felipe die Zusammenarbeit vor allem in Ischgl, obwohl sie kein Verständnis für die seinerzeit genehmigte Erschließung des Piz Val Gronda habe.