Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.03.2015


Kalkkögel

Projektwerber klammern sich an Strohhalm

Die ARGE „Brückenschlag“ will eine Bahn über das Ruhegebiet Kalkkögel nicht aufgeben. Wie wirtschaftlich das Projekt ist, entzweit die Geister.

© MühlangerDie ÖVP-Spitze hat die Bahn über die Kalkkögel ad acta gelegt. Die Wirtschaftskammer und die Projektwerber wollen weitermachen.



Von A. Heubacher und P. Nindler

Innsbruck – Auf der Suche nach dem Gutachten, das die Wirtschaftlichkeit des Projekts „Brückenschlag“ beurteilt, wird man nicht leicht fündig. Ursprünglich hätte es an pikanten Stellen geschwärzt und auf der Homepage des Landes online gestellt werden sollen. Bis gestern war weder eine zensurierte noch eine unzensurierte Fassung des Gutachtens online zu finden. Das regt die Bürgerinitiative „Pro Kalkkögel“ auf. „Solange das vom Steuerzahler finanzierte Gutachten, welches mit einigen ,Wenn und Aber‘ angeblich positiv sein sollte, nicht ebenso wie alle anderen Gutachten auf der Homepage des Landes steht, ist davon auszugehen, dass diese ,Wenn und Aber‘ im Verborgenen bleiben sollen“, kritisiert Fritz Gurgiser.

Tatsächlich muss man schon mit Block und Bleistift behaftet zum Treffpunkt pilgern, um Zahlen aus dem Gutachten abschreiben zu können. Auch die ARGE Brückenschlag gibt das Gutachten noch nicht heraus, weil „sensible Firmendaten“ nicht einfach preisgegeben werden könnten. Nur so viel, die Hausaufgaben, die man von der Landespolitik bekommen hätte, seien eingearbeitet worden.

Die Gutachter der Austria Wirtschaftsservice GmbH kommen zum Schluss, dass ein nachhaltiger Wettbewerbserfolg für den Brückenschlag nur zu erzielen sei, wenn alle drei Skigebiete mitmachen und der Stubaier Gletscher eingebunden werde. Notwendig seien auch mittelfristige Erneuerungs-Investitionen in die bestehenden Skigebiete bzw. in die bestehenden Anlagen: Die Bandbreite reicht von Investitionen/Qualitätsverbesserung der bestehenden Skigebiete Axamer Lizum, Schlick und Mutterer Alm von Minimum 12,3 Mio. Euro bis 38 Millionen Euro. Bei der Umsetzung aller Maßnahmen könne mit einem Überschusspotenzial von 2,5 Mio. Euro gerechnet werden. Ganz bitter, so das Gutachten, werde es für die bestehenden Skigebiete ohne den „Brückenschlag“.

Das sieht auch der Direktor des Tourismusverbandes Innsbruck und seine Feriendörfer so. Fritz Kraft will „auf jeden Fall das Projekt noch nicht begraben“. Kraft sitzt mit dem TVB zu 66 Prozent auf einem Schuldenberg, den die Mutterer Alm angehäuft hat. „Zwölf Millionen Schulden, in den letzten drei bis vier Jahren Defizite und heuer ein kleines Plus“, rechnet Kraft vor. Man sei froh, die Schuldenraten bedienen zu können. Ebendies stehe auf wackeligen Beinen, wenn die Mutterer Alm mit der Axamer Lizum zusammengeschlossen würde. Das Investment würde sich nicht rechnen, zitiert Kraft die grischconsulta-Studie.

Wirtschaftlich positiv ist die Schlick 2000 im Stubai, wo im Winter 45 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Wir profitieren von den noch vollen Hotelbetten. Die Frage ist, wie lange noch“, erklärt Geschäftsführer Martin Pittl. Auch wenn der „Brückenschlag“ nicht kommt, hält er einen Verbindungslift von Neustift in die Schlick für sinnvoll. Daran mag Pittl aber jetzt nicht denken. „Es ist noch nichts in Stein gemeißelt.“

Wie berichtet, hat die ÖVP-Spitze das Projekt abgehakt, weil es rechtlich nicht umsetzbar sei. Die Wirtschaftskammer will weiterkämpfen.

Wirtschaftsstudie

Investition in Brückenschlag. Für die drei Verbindungsbahnen müssten 64 Mio. Euro aufgewendet werden. Die drei Skigebiete würden selbst 16,7 Mio. an Eigenmitteln berappen. 5,1 Mio. Euro wären Zuschüsse, 27,2 Mio. Euro Gesellschafterdarlehen u. a. der Tourismusverbände und 15 Mio. Kredite.

Erneuerungsbedarf Lizum, Schlick und Mutters. Mittelfristig muss auch in Qualitätsverbesserungen in die Skigebiete investiert werden. Die wirtschaftliche Bewertung unterscheidet zwischen einer Offensiv- und Defensivstrategie. Für die Lizum wurden 4,4 bis 26 Mio. Euro, die Mutterer Alm drei bis vier Mio. Euro und für die Schlick 4,7 bis 7,7 Mio. errechnet.

Finanzsituation 2013/2014. Die Lizum wies ein EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) von -200.000 Euro auf und die Mutterer Alm wegen der hohen Abschreibungen -797.000 Euro. Die Schlick profitiert auch vom Sommer, das EGT betrug 690.000 Euro.