Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.03.2015


Landespolitik

Ja zu Sannakraftwerk trotz Nein in Region

Die Infra verabschiedet sich von Option zu günstiger Gemeindebeteiligung beim Sannakraftwerk. Auslöser war eine heftige Debatte kürzlich in Pians. Bürgerinitiative sieht Vertrauensbruch und vermisst Handschlagqualität.

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© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams, Pians – Der heftige Widerstand in der Dorfbevölkerung von Pians gegen das geplante Sanna-kraftwerk ist nicht ohne Folgen geblieben: Nach dem kontroversiellen, fünfstündigen Infomarathon im Gemeindesaal – die TT berichtete – habe sich die Infra zu einer Kurskorrektur entschlossen, wie Geschäftsführer Wolfgang Widmann am Mittwoch erklärte. „Beim Kraftwerk Stanzertal hat das Gemeindebeteiligungsmodell bestens funktioniert, in der Sanna­region leider nicht. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und Konsequenzen ziehen.“

Von der Option einer finanziell attraktiven Gemeindebeteiligung müsse sich die Infra verabschieden, sagte Widmann. Diese Entscheidung habe man unabhängig vom Ergebnis der Pianner Gemeinderatssitzung getroffen. Wie berichtet, haben die Mandatare eine Kraftwerksbeteiligung der Gemeinde mit zwei Jastimmen, zwei Enthaltungen und sieben Gegenstimmen abgelehnt.

Kurzer Rückblick: 2013 haben sieben Gemeinden eine Vereinbarung bezüglich einer Kooperation mit der Infra unterschrieben. Damit sollte das Kraftwerk gemeinsam entwickelt werden, die Gemeinden sollten sich an der Betriebsgesellschaft beteiligen. Die Gemeindekassen wären bis zum Baubeginn geschont geblieben, nur der Anteil von je 7500 Euro zur Stammeinlage wäre sofort fällig gewesen. Die Entwicklungskosten hätten vorerst Investoren übernommen.

Jetzt müssten die potenziellen Partnergemeinden Tobadill, Strengen, Grins und Stanz zusätzlich zur Stammeinlage je 170.000 Euro selbst berappen, sollten sie weiter Lust auf einen Einstieg haben. „Wir wollen einen Nachdenkprozess zur Beteiligung ermöglichen“, so Widmann. „Ist eine Beteiligung gewollt, werden wir neue Beteiligungsverhandlungen führen.“

Grund für diese Entscheidung seien die jüngsten Entwicklungen. Man habe sämtliche Argumente der Gegner geprüft und entsprechende Maßnahmen entwickelt – von der Gewässerökologie bis zum Lattenbach, schilderte der Geschäftsführer. Trotzdem sei die Diskussion nicht rational geführt worden. „Wir mussten befürchten, dass sich im Dorf unüberwindbare Gräben auftun.“

In ihrer Nachdenkpause habe die Infra ihr Ziel neu definiert. Man möchte das Projekt zwar nicht baureif, aber genehmigungsreif machen. „Wir sind überzeugt, es ist genehmigungsfähig. Frühestens in fünf bis sechs Jahren wird das Sannakraftwerk am Netz hängen“, zeigt sich Widmann optimistisch. An der Wirtschaftlichkeit würden die Planer dank Stollenspeicher keine Sekunde zweifeln.

Die Umweltverträglichkeitserklärung soll heuer im Juni oder Juli eingereicht werden. Die Entscheidung der vier verbliebenen Gemeindepartner sei dazu nicht mehr relevant. Allerdings müsse eine Flugblatt-Erklärung aus dem Jahr 2013, die an alle Haushalte flatterte, korrigiert werden. Darin hieß es: Ohne Gemeindebeteiligung werde die Infra das Projekt nicht mehr weiter verfolgen.

Dieser Punkt stößt bei den Kraftwerksgegnern sauer auf. „Das ist glatter Wortbruch, die Bevölkerung ist belogen worden“, stellte Walter Mathoy von der Lattenbach-Bürgerinitiative am Mittwoch fest. „Wir im Oberland sind es gewohnt, dass die Handschlagqualität passt.“ Mit dieser „unerhörten Wende um 180 Grad“ habe der Kraftwerksplaner den letzten Rest an Glaubwürdigkeit und Vertrauen in der Bevölkerung verspielt, sagte Rafting-Sprecher Günter Kramarcsik.

Im zwei- bis dreijährigen Genehmigungsverfahren – angesiedelt bei der Umweltabteilung des Landes – hätten die Gemeinden „selbstverständlich Parteistellung“. Auch Bürgerinitiativen kommt dieser Status zu, wenn diese 200 Unterschriften vorlegen. Eine Entschädigung für unmessbare Schäden in Höhe von 1000 bis 1500 Euro pro GWh stünden laut Widmann allen Anrainergemeinden zu.