Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.04.2015


Reutte

Jägerschaft fordert strikte Ruheflächen für das Wild

Abschussquoten liegen teils weit unter dem Plansoll. Bezirksjäger-meister kritisiert Nachtabschuss und gedankenlose Freizeitsportler.

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© Nikolussi



Von Hans Nikolussi

Reutte – Zögerlich kamen die Jagdausübenden im Außerfern zur traditionellen „Ernteschau“ der Waidmänner des Bezirks in die Sporthalle. Sollte sich der schwelende Konflikt zwischen Land Tirol und Tiroler Jägerverband gar auf die Trophäenschau auswirken? Am Beginn der Veranstaltung zeigte sich die Halle dann aber doch vollbesetzt, das Interesse an der Veranstaltung überwog also alle Berührungsängste. Die wären erst gar nicht notwendig gewesen, glänzte doch das offizielle Tirol, mit Ausnahme von NR Liesi Pfurtscheller, durch Abwesenheit.

Im mit 2246 Trophäen von Reh-, Gams-, Rot- und Steinwild bestückten Saal begrüßte Hausherr Bürgermeister Luis Oberer die Gäste und verwies auf die Bedeutung der Jagd, forderte aber auch Verständnis von allen Seiten ein. Etwas schwerer gegenüber seinen Jagdkollegen hatte es da aufgrund der internen Diskussionen schon Landesjägermeister Anton Larcher. Er stellte klar, dass die Novelle zum Tiroler Jagdgesetz nicht Wunsch des Tiroler Jägerverbandes, sondern Ergebnis politischer Prozesse sei. Der Tiroler Jägerverband sei zwar bisweilen von den zuständigen Beamten und Regierungsmitgliedern eingeladen worden, Wünsche und Bedenken zu deponieren. „Dies haben wir getan und zuletzt hat der Vorstand des Tiroler Jägerverbandes den Begutachtungsentwurf Punkt für Punkt behandelt und zahlreiche Änderungsvorschläge formuliert. Dabei ist klar herausgekommen, dass eine vollinhaltliche Zustimmung zu diesem Gesetzesentwurf nicht möglich ist“, erklärt Larcher. Er gab sich allerdings mehr als skeptisch, dass dies etwas ändern könnte.

Bezirkshauptfrau Katharin­a Rumpf präsentierte „nicht berauschende“ Abschussquoten. Beim Gamswild wurden 84 Prozent der Vorschrift eingehalten, beim Rehwild waren es mit 75 Prozent schon erheblich weniger, beim „Sorgenkind Rotwild“ konnten gar nur 68 Prozent erreicht werden. Man liegt aber trotzdem im Tiroler Durchschnitt. Die kommende Abschussplanung sollte im Bezirksjagdbeirat unter Berücksichtigung eines Fachgutachtens aber konstruktiv verlaufen, meinte die Behördenvertreterin und appellierte an den guten Willen aller Beteiligten.

Durchaus selbstkritisch gab sich Bezirksjägermeister Arnold Klotz. Er sprach von einem keineswegs befriedigenden Ergebnis. Die Suche nach den Ursachen dafür sei aber mehr als schwierig. „Vielleicht hat sich das Wild gegen das drohende neue Gesetz mit der Jägerschaft solidarisch erklärt und sich dem Abschuss verweigert“, unkte er lakonisch. Das Wild werde allgemein sensibler und sei kaum noch zu sehen, ortete er einen Grund für die bescheidenen Abschusszahlen. Der Nachtabschuss sei ein großer Fehler, das Wild komme aus Angst nicht mehr aus dem Wald und die Folge sei ein erheblich größerer Verbissdruck, meinte Klotz, der „seinem Wild“ große Lernfähigkeit zubilligt. Aber auch die Freizeitaktivitäten der heutigen Gesellschaft, wie unter anderem Geocaching und Mountainbiken setzen dem Wild erheblich zu. Scharenweise durchstreifen Freizeitsportler gedankenlos die Wälder, ohne groß nachzudenken, welchen Stress sie dem Wild zumuten, stellte Klotz fest. „Der Respekt für das Wild fehlt den Akteuren zum Großteil“, monierte ein verbitterter Bezirksjägermeister. Die Erlassung von Besucherregelungen und die Errichtung strikt einzuhaltender Wildruheflächen sei eine unabdingbare Forderung der Jägerschaft, gab er sich kämpferisch. Zum Schluss der Veranstaltung erhielten noch drei neue Berufsjäger ihre „Akkreditierung“ und Hubert Mayr aus dem Revier Schwarzwasser wurde zum Wildmeister befördert.

Fachmänner beim Vieraugengespräch: Landesjägermeister Anton Larcher (l.) und Bezirksjägermeister Arnold Klotz.
Fachmänner beim Vieraugengespräch: Landesjägermeister Anton Larcher (l.) und Bezirksjägermeister Arnold Klotz.
- Nikolussi