Letztes Update am So, 31.05.2015 05:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Frankreich startet Offensive in Sachen Klimaschutz

Im Vorfeld der wegweisenden Weltklimakonferenz in Paris will Frankreich verstärkt auf das Thema aufmerksam machen. Die TT sprach mit Botschafter Pascal Teixeira da Silva.

Botschafter Pascal Teixeira da Silva nimmt Europa in Sachen Klimapolitik in die Pflicht und setzt auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern.

© Andreas Rottensteiner / TTBotschafter Pascal Teixeira da Silva nimmt Europa in Sachen Klimapolitik in die Pflicht und setzt auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern.



Innsbruck – Frankreichs Botschafter in Österreich, Pascal Teixeira da Silva, war vergangene Woche auf Kurzbesuch in Tirol. Rund sechs Monate vor der UNO-Klimakonferenz in Paris, auf der nach zahlreichen Anläufen und Rückschlägen nun endlich ein verbindliches, weltweites Klimaschutzabkommen geschlossen werden soll, will Frankreich auch in Österreich Akzente zum Thema Klima­schutz setzen. Es gilt, die Herausforderungen des Engagements gegen den Klimawandel darzustellen – nicht nur global, sondern vor allem auch auf regionaler Ebene. So werden in Innsbruck in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck, alpS und der Alpenkonvention drei Foren zum Thema Klimawandel organisiert – bezüglich der Auswirkungen auf Naturrisken, Energie und Tourismus. Die Tiroler Tageszeitung sprach mit dem französischen Botschafter über die Chancen eines weltweit verbindlichen Klimaabkommens, die Anstrengungen Europas bei der Bekämpfung des Klimawandels, aber auch über Europas Umgang mit dem Flüchtlingsansturm.

In Paris soll Ende des Jahres ein verbindliches globales Klima­abkommen geschlossen werden. Europa hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt, bei der Umsetzung gibt es freilich erhebliche Defizite. Jüngst warnte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius­, dass das anvisierte Zwei-Grad-Ziel (die Erderwärmung soll gegenüber der vorindustriellen Zeit zwei Grad nicht überschreiten, Anm.) mit den aktuell vorgelegten nationalen Beiträgen zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes nicht erreicht werden könne.

Pascal Teixeira da Silva: Europa hat sich in Bezug auf die Reduzierung des Ausstoßes des Treib­hausgases Kohlendioxid, des Anteils der erneuerbaren Energie und der Energieeinsparung ehrgeizige Ziele gesetzt. Und wir müssen alles tun, um diese Ziele auch zu erreichen – die nationalen Beiträge der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten müssen daraufhin fokussiert sein. Bei der Bekämpfung des weltweiten Klimawandels geht es aber auch vor allem darum, die aufstrebenden Großmächte China und Indien mit ins Boot zu holen.

Während Österreich der Atomenergie eine klare Absage erteilt, setzt Frankreich weiterhin auf Kernenergie. Sind die verschiedenen Strategien auf europäischer Ebene miteinander vereinbar?

Teixeira da Silva: Eine gemeinsame Energiepolitik ist für Europa etwas Neues. Es geht darum, partnerschaftliche Strategien zu entwickeln. Eine Änderung in Sachen Energiepolitik muss mit den Partnern koordiniert werden. Die EU-Kommission hat ja bereits einen Plan zu einer Energie-Union vorgelegt. Frankreich selbst will beim Energiemix flexibler werden. So haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis 2025 den Anteil der Nuklearenergie bei der Elektrizitätserzeugung von 75 auf 50 Prozent zu reduzieren. Und bis zum Jahr 2050 soll der Energiekonsum um 50 Prozent gesenkt werden.

Nicht nur in der Energiepolitik sucht Europa eine gemeinsame Strategie. Vor allem in der Flüchtlingspolitik fehlen Visionen und Ziele. So stößt der Vorschlag der EU-Kommission, die Flüchtlinge mit einem Verteilungsschlüssel auf alle EU-Länder zu verteilen, teils auf heftigen Widerstand. Was muss von Seiten Europas getan werden?

Teixeira da Silva: Neben der gerechten Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten müssen im Sinne einer langfristigen Lösung auch die Ursachen für die Flucht in den Herkunftsländern der Menschen bekämpft werden – dort gibt es Krieg, Verfolgung und Hunger. Konkret geht es jetzt aber auch darum, den kriminellen Schlepperorganisationen den Kampf anzusagen – etwa auch vor Ort in Libyen. Einfache Lösungen wird es hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik keine geben. Und langfristig wird Europa, dessen Bevölkerung immer älter wird, auf Immigranten nicht verzichten können.

Das Interview führte Christian Jentsch


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