Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.08.2015


Schwaz

Tirolerin als Botschafterin: Alle vier Jahre ein neues Leben

Doris Danler ist zwar fest in Schwaz verwurzelt, dennoch zieht es sie stets in die Ferne. Gestern war ihr erster Arbeitstag als österreichische Botschafterin in Estland. Ihre Familie ist wie immer mit von der Partie.

© Eva-Maria FankhauserDoris Danler freut sich sehr auf ihre dreijährige Amtszeit als österreichische Botschafterin in Tallinn. Foto: Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz, Tallinn – Rund alle vier Jahre wechselt die gebürtige Schwazerin Doris Danler ihren Wohnort. Mit Sack und Pack, mit Mann und Sohn, mit dem ganzen Hausrat zieht sie nun nach Estland.

„Gestern hatte ich bereits meinen ersten Arbeitstag und mein zwölfjähriger Sohn besucht ab Montag die neue Schule in Tallinn“, erzählt Danler. Die 48-Jährige tritt in der estnischen Hauptstadt aber nicht irgendeinen Job an, sondern fungiert dort als österreichische Botschafterin. „Diese Stelle ist für mich ein Höhepunkt und war ein besonderes Ziel mit langem Werdegang. Aber noch bin ich nicht fertig. Ich möchte noch viele interessante und exotische Länder kennen lernen“, freut sich die Botschafterin, die auf eine klassische Karriere getrost verzichten kann.

Begonnen hat ihre Karriere mit einem Politikstudium. Erste berufliche Erfahrungen machte sie im Bereich Journalismus. Sogar bei der Tiroler Tageszeitung hat die Schwazerin ein Praktikum gemacht. Doch nach ihrem ersten Auslandsaufenthalt in Nigeria war für sie klar, dass ihre Berufung eine andere ist. „Da habe ich gemerkt, dass ich ins Ausland will, also zumindest zeitweise dort leben. Als Korrespondentin hätte ich da keine großen Chancen gehabt“, berichtet Danler. Ihr politisches Interesse war schon immer groß und daher wagte sie den Schritt ins Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten.

Seither ist die Schwazerin viel gereist. Sie war unter anderem in Syrien, Nairobi, Istanbul oder auch Wien. „Diese Arbeit bedeutet für mich, dass ich alle vier Jahre ein neues Leben beginne. Und das mit der ganzen Familie“, betont die 48-Jährige. Ohne ihre beiden Männer geht sie nämlich nirgends hin. Für ihren Mann sei das ständige Umziehen kein Problem und auch ihren Sohn habe es bisher nicht gestört. „Wir müssen dadurch natürlich alle sehr flexibel und offen für Neues sein. Jeder Umzug bedeutet viel Planung und ist eine Herausforderung“, resümiert Danler.

Viel Zeit zum Einleben in die neue Heimat hat die Botschafterin nicht. „Als Erstes muss ich das Team der Botschaft kennen lernen, zu Terminen im Außenministerium gehen, mit den dort ansässigen österreichischen Firmen sprechen und vieles mehr“, betont sie. Das erste halbe Jahr gilt es vor allem, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen und bestimmte Themen zu behandeln, wie etwa die Flüchtlingsproblematik.

Unvergesslich bleibt für Danler die Zeit während ihrer Forschungsarbeit in Nigeria. „Der erste Auslandsaufenthalt ist für die meisten Leute prägend und mit intensiven Eindrücken verbunden. Ich finde, man lernt sich selbst erst unter verschiedenen Umständen und neuen Gegebenheiten so richtig kennen. Wenn man zum Beispiel als weiße Frau durch die Straßen Südafrikas geht und dermaßen auffällt“, erzählt Danler schmunzelnd. Südafrika – dort schlägt ihr Herz. Auch während ihrer Arbeit in Kenia hat sie viel über verschiedene afrikanische Gebiete gelernt und ihre ersten Erfahrungen als Botschafter-Stellvertreterin gesammelt.

Doch in den 18 Jahren auf Achse gab es nicht nur schöne Seiten für die Schwazerin zu erleben. Hausüberfälle mit zehn bewaffneten Männern in der Nachbarschaft waren in Kenia nicht allzu ungewöhnlich. Auch in Syrien wurde ihr bang ums Herz. „Damals herrschte die Krise um die Mohammed-Karikaturen. Da sind drei europäische Botschaften abgebrannt. Da hatte ich das Gefühl, als westlicher Diplomat ein Ziel zu werden“, erinnert sie sich.

Dennoch ist ihr ihre abenteuerlustige Art geblieben. Die Freude auf den Job und das Leben in Tallinn ist groß. „Ich freue mich, interessante Leute kennen zu lernen. An den Wochenenden werden wir Fahrten durchs Land unternehmen. Wichtig ist mir auch, dass sich mein Sohn gut einlebt. Und nebenbei packe ich dann noch 360 Kartons aus“, scherzt Danler. Ihre Freizeit nützt sie gerne, um zu lesen, laufen, reisen, mit ihrem Sohn etwas zu unternehmen oder zur Gartenarbeit. Das ist für die Botschafterin nach einem hektischen Arbeitstag ein Stück Ruhe. Doch der wichtigste Kraftort ist für sie ihre Familie. „Ohne meinen Mann und eine stabile Familie wäre das alles nicht möglich“, betont Danler und fügt hinzu, dass der Spagat zwischen Mutter sein und Beruf nicht immer ein Kinderspiel ist. „Die Wahl des Mannes ist für eine Frau mit Job ausschlaggebend“, weiß Danler, die sich den Haushalt und die Erziehung mit ihrem Gatten liebend gerne teilt.