Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.12.2015


USA

Donald Trump: Der Held der Verlierer

Das Phänomen Donald Trump – woher es kommt und welche Folgen es hat.

Donald Trump: Die Negativ-Schlagzeilen fliegen ihm derzeit nur so um die Ohren.

© Reuters/Randall HillDonald Trump: Die Negativ-Schlagzeilen fliegen ihm derzeit nur so um die Ohren.



Von Floo Weißmann

Washington — Die US-Republikaner gehen wohl mit Donald Trump als Spitzenreiter im Jänner in die internen Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur. Keine seiner umstrittenen Aussagen — gegen Mexikaner, Frauen, Muslime usw. — hat dem New Yorker Milliardär nachhaltig geschadet. Im Gegenteil: Für viele seiner Anhänger am rechten Parteiflügel ist er längst zu einem Helden geworden.

1 Wo steht Trump derzeit? — Im Mittel der Umfragen unter Republikanern führt er landesweit mit 30 Prozent, Tendenz steigend. Auch in den ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire liegt er vorne. Trump profitiert von einem zersplitterten Bewerberfeld — neben ihm sind noch zwölf weitere Republikaner im Rennen.

2 Wer sind seine Anhänger? — Trump-Fans sind nahezu alle weiß, mehrheitlich weniger gebildet und eher ärmer. Viele von ihnen hegen ein tiefes Misstrauen gegen das politische und medial­e Establishment. Sie sind tendenziell gegen Einwanderer, Minderheiten und Muslime eingestellt und hassen Präsident Barack Obama. Ihr Bild von der Gegenwart und Zukunft Amerikas ist überwiegend negativ.

3 Welche Rolle spielen soziale Ängste? — Experten verweisen darauf, dass Trumps Kernwählerschicht — weiße Arbeiter — wirtschaftlich und demographisch unter Druck geraten ist. Ihre Einkommen sind in den vergangenen vier Jahrzehnten um ein Fünftel gesunken, ihr Wähleranteil hat sich fast halbiert. Das neue Amerika — jetzt sogar mit einem schwarzen Präsidenten — ist immer weniger wie sie. Das begünstigt Ängste und Aggressionen.

4 Wie geht Trump vor? — Mit seinen Ausfällen und Tabubrüchen bedient Trump die Ressentiments seiner Fans und dominiert seit Monaten die öffentliche Debatte. Er bietet einfache Lösungen für komplexe Probleme (Mexikaner deportieren, Muslime registrieren, China boykottieren ...) und bleibt bei nachweislich falschen Behauptungen stur. Gegner und Kritiker putzt er mit derben Sprüchen herunter. Dank seiner Milliarden bleibt er von Geld­gebern unabhängig.

5 Wie reagieren die Republikaner? — Sie stecken im Dilemma. „Die Republikaner können mit Trump als Präsidentschaftskandidat nicht gewinnen. Aber sie können auch nicht ohne Trumps Anhänger gewinnen", sagte der Politologe Larr­y Sabato. Trump droht, als Parteiloser anzutreten, sollten die Republikaner ihn ausbremsen. Mehr als zwei Drittel seiner Anhänger wollen ihm in diesem Fall folgen. Auch deshalb blieb die Kritik an Trump bisher verhalten. Man hofft, dass er den Vorwahlkampf letztlich doch verliert, wenn sich das Feld erst einmal lichtet, und sich dann zurückzieht. Er könnte allerdings ein (Stör-)Faktor bleiben.

6 Geht es nur um das Weiße Haus? — Nein, ganz im Gegenteil. Der Präsidentschaftskandidat strahlt immer auf den Kongresswahlkampf aus. „Es gibt Leute in umstrittenen Rennen, die nicht gewinnen können, sollt­e Trump unser Kandidat sein", sagte der einflussreiche Abgeordnete Greg Walden. In diesem Fall droht zumindest der Verlust der Senatsmehrheit.

7 Wer, wenn nicht Trump? — Das ist völlig offen. Der Langzeit-Zweite in den Umfragen, der Chirurg Ben Carson, ist zurückgefallen. Trumps Anhänger mögen laut Umfragen am ehesten noch den Senator Ted Cruz, der im selben Wählersegment fischt. Als möglicher Kompromisskandidat zwischen dem rechten und dem moderaten Parteiflügel, zwischen Basis und Establishment, positioniert sich indessen der Senator Marco Rubio.