Letztes Update am Mo, 05.06.2017 13:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Emirat in Isolation

Schwere Vorwürfe: Nachbarstaaten kappen Beziehungen zu Katar

Saudi-Arabien, Ägypten und weitere arabische Staaten haben ihre Beziehungen zu Katar überraschend abgebrochen. Dem Emirat wird vorgeworfen, Terrorismus zu unterstützen. Das Land weist die Anschuldigungen scharf zurück.

Plötzlich in der Isolation: Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani.

© REUTERSPlötzlich in der Isolation: Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani.



Doha - Wegen des Vorwurfs der Terrorunterstützung haben mehrere Golfstaaten die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Katar abgebrochen. Damit ist das kleine Emirat am Persischen Golf, in dem 2022 die Fußball-WM ausgetragen werden soll, weitgehend isoliert. Katar bezeichnete die Schritte als „ungerechtfertigt“.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten warfen Katar am Montag vor, Terroristen zu unterstützen oder zu beherbergen. Es handelt sich um die schwerste diplomatische Krise in der Region seit Jahren.

„Schutz der nationalen Sicherheit“ als Begründung

Saudi-Arabien habe sämtliche diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, um seine „nationale Sicherheit vor den Gefahren von Terrorismus und Extremismus zu schützen“, zitierte die Nachrichtenagentur SPA einen Regierungsvertreter. Grund seien „grobe Verfehlungen der Behörden in Katar in den vergangenen Jahren“. So gewähre das Land terroristischen Gruppen wie der Jihadistenmiliz IS (Daesh), Al-Kaida und der Muslimbruderschaft Unterschlupf.

Die Nachrichtenagentur von Bahrain meldete, Manama breche die Beziehungen zu Doha wegen Katars anhaltender Bemühungen ab, „die Sicherheit und Stabilität Bahrains zu erschüttern und sich in innere Angelegenheiten einzumischen“. Das ägyptische Außenministerium warf Doha ebenfalls Unterstützung des Terrorismus vor und verkündete, alle Häfen und Flughäfen würden für katarische Schiffe und Flugzeuge gesperrt.

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- APA

Ende für Flugverbindungen und Einreiseverbot

Die emiratische Fluggesellschaft Etihad kündigte die Einstellung sämtlicher Flugverbindungen von und nach Doha ab Dienstag an. Auch die Fluglinie Flydubai mit Sitz im Emirat Dubai will von Dienstag an Katar nicht mehr anfliegen.

Saudi-Arabien wies seine Bürger an, Katar binnen 14 Tagen zu verlassen. Kataris dürfen zudem nicht mehr nach Saudi-Arabien einreisen. Katar wurde zudem aus der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz ausgeschlossen, die seit zwei Jahren im Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft.

Katar verurteilt „ungerechtfertigten“ Schritt

Katar verurteilte den Abbruch der diplomatischen Beziehungen als „ungerechtfertigt“. Der Schritt basiere auf „falschen und gegenstandslosen Behauptungen“, erklärte das Außenministerium in Doha. Ziel sei es offenbar, Katar politisch zu „bevormunden“. Das katarische Außenministerium erklärte, es sei vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen überrascht. Katar sei einer Hetzkampagne ausgesetzt, die auf Verleumdungen basiere.

In den vergangenen Wochen war der Führung in Doha unter anderem in mehreren US-Medien die Finanzierung von terroristischen Gruppen vorgeworfen geworden. Im vergangenen Monat hatte es zudem Aufregung über Meldungen der amtlichen katarischen Nachrichtenagentur gegeben, die Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani mit brisanten Äußerungen zitiert hatte. Er habe die Nachbarländer kritisiert und den schiitischen Iran als Staat gelobt, der zu Stabilität in der Region beitrage.

Die Regierung in Doha bezeichnete die angeblichen Äußerungen als gefälscht und sprach von einem Hackerangriff auf die Nachrichtenagentur. Trotzdem hielten die Spannungen an. Der schiitische Iran ist ein Erzrivale von Saudi-Arabien und der anderen von Sunniten regierten Golfstaaten.

US-Außenminister ruft zu Beilegung des Streits auf

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Golfstaaten am Montag auf, ihren Streit beizulegen. Er ermuntere die Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen „und die Differenzen anzusprechen“, sagte Tillerson in Sydney. Offensichtlich gebe es in der Region einige Konflikte, die nun hochkochten, sagte er. Er erwarte nicht, dass der Abbruch der Beziehungen zu Katar maßgeblich Auswirkung auf den Kampf gegen den Terrorismus haben werde. Es sei wichtig, dass der Golf-Kooperationsrat „geeint bleibt“. Der Organisation gehören neben Katar, Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch der Oman und Kuwait an.

Das Verhältnis mehrerer Golfstaaten zu Katar ist seit langem angespannt. Bereits vor rund drei Jahren hatten Saudi-Arabien, Bahrain und die Emirate ihre Botschafter für einige Monate aus Katar abgezogen. Sie stießen sich vor allem an der Unterstützung Katars für die ägyptischen Muslimbrüder. Ägypten, Saudi-Arabien und die VAE haben die Islamisten als Terrororganisation verboten. (APA/AFP/Reuters)

Katar: Vom Wüstenzwerg zum globalen Riesen

Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch zwar eine Spur kleiner als Oberösterreich, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Große Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Land ist 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft.

Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Großteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist. Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera hat seinen Sitz in Katar.

Katar ist Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit.


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