Letztes Update am Di, 06.06.2017 10:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schutz der Ozeane

UN-Meereskonferenz beginnt: „Globale Katastrophe verhindern“

Von Dienstag bis Freitag beraten in New York Meeresschützer und Staatenvertreter aus aller Welt darüber, wie die gigantische Verschmutzung der Weltmeere verringert werden kann. Thema ist auch die Überfischung.

Ein toter Albatros mit Plastik im Magen.

© Wikipedia/Chris JordanEin toter Albatros mit Plastik im Magen.



New York - Mit einem eindringlichen Appell hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, die erste UN-Konferenz eröffnet, die sich mit dem Schutz der Ozeane befasst. Guterres rief die Staatengemeinschaft am Montag (Ortszeit) in New York dazu auf, „kurzfristige nationale Gewinne“ zurückzustellen, um eine „langfristige globale Katastrophe zu verhindern“.

„Unsere Ozeane zu schützen und nachhaltig zu nutzen, bedeutet den Schutz des Lebens selbst“, sagte der UN-Generalsekretär. Die fünftägige Konferenz stand unter dem Eindruck der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, das Pariser Klimaschutzabkommen zu kündigen. Der bolivianische Staatschef Evo Morales sagte in New York, der geplante Ausstieg der USA bedeute, „die Wissenschaft zu leugnen, dem Multilateralismus den Rücken zuzukehren und zu versuchen, kommenden Generationen eine Zukunft zu verwehren“. Ein solches Verhalten sei „die Hauptbedrohung für Mutter Erde und dem Leben an sich“.

Guterres mit deutlicher Anspielung an Trump

Trump hatte am Donnerstag verkündet, ab sofort die Pariser Vereinbarung von 195 Staaten nicht mehr umsetzen zu wollen, da diese einseitig zulasten seines Landes gehe und dort Jobs koste. Während des Wahlkampfs hatte er zudem immer wieder zu verstehen gegeben, dass er nicht an die Erderwärmung glaube.

In deutlicher Anspielung auf Trumps Entscheidung sagte Guterres, es sei an der Zeit, „den künstlichen Gegensatz zwischen ökonomischen Erfordernissen und dem gesunden Zustand unserer Meere“ aufzuheben. „Schutz und nachhaltige Nutzung der Ressourcen unserer Meere sind zwei Seiten derselben Medaille.“

Plastikmüll, Überfischung, Korallenbleiche

Bis Freitag werden Regierungsvertreter aus aller Welt, Meeresschützer und einige Staatschefs über Wege aus der gigantischen Verschmutzung der Ozeane beraten. Zu den gigantischen Problemen zählen der Plastikmüll, die Korallenbleiche, die Übersäuerung der Meere sowie ihre Überfischung - aber auch der aufgrund des Klimawandels steigende Meeresspiegel. Er bedroht vor allem kleine Inselstaaten.

Schwedens Vize-Regierungschefin Isabella Lövin, die der Konferenz gemeinsam mit den Fidschi-Inseln vorsitzt, erklärte, sie hoffe auf eine für die „Ozeane so dringend benötigte Wende“. Sie warnte, in einigen Gebieten gebe es inzwischen „mehr Mikroplastikteilchen als Plankton“.

Ziel der Konferenz ist ein „Aufruf zum Handeln“ an Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um dem 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziel Nummer 14 zum Schutz der Ozeane mit konkreten Schritten näherzukommen. Diskutiert wird unter anderem, bis 2020 mindestens zehn Prozent der Küsten- und Meeresgebiete unter Schutz zu stellen. Außerdem sollen die Verschmutzung der Meere verringert und illegaler Fischfang stärker bekämpft werden.

Gabun richtet Afrikas größtes Meeresschutzgebiet ein

Gabuns Präsident Ali Bongo Ondimba kündigte am Montag die Schaffung von Afrikas größtem Meeresschutzgebiet, einem Netzwerk aus neun Meeresparks und -reservaten, an. Laut einer am Montag veröffentlichten internationalen Studie könnten Meeresschutzgebiete tatsächlich den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen.

In der Studie kommen die Forscher unter Leitung von Callum Roberts von der Universität von York zu dem Ergebnis, dass ausgewiesene Schutzgebiete die Übersäuerung der Ozeane - und damit ein wichtiger Grund für das Korallensterben - abmildern und bedrohten Arten Schutz bieten könnten. Zudem könnten sie - vor allem in den Küsten-Feuchtgebieten - klimaschädliches CO2 binden und damit helfen, „das Tempo des Klimawandels zu reduzieren“. Nur 3,5 Prozent der Ozeane sind derzeit als Schutzgebiete ausgewiesen, und nur in 1,6 Prozent sind Fischfang und andere Formen der Ausbeutung komplett verboten. (APA/AFP)


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