Letztes Update am Do, 08.06.2017 11:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katar-Krise

Donald Trumps gefährliches Spiel im Nahen Osten

Der US-Präsident ließ den Verbündeten Katar per Tweet fallen. Obwohl eine wichtige US-Luftwaffenbasis in Katar ist.

US-Präsident Donald Trump.

© REUTERSUS-Präsident Donald Trump.



Von Maren Hennemuth, dpa

Washington – Der Konflikt zwischen Katar und seinen Nachbarn ist alt. Dass er nun wieder aufbricht, hat auch etwas mit dem neuen Mann im Weißen Haus zu tun. Und mit seinem Umgang mit seiner eigenen Regierung.

Es ist dieser Tage in Washington nicht ganz einfach zu erkennen, welches Wort in der Außenpolitik Gewicht und Bestand hat. Als Saudi-Arabien und andere arabische Staaten am Montag alle Verbindungen zu Katar kappen, ist US-Außenminister Rex Tillerson der erste, der sich zu der Krise äußert. Er ruft die Konfliktparteien dazu auf, sich an einen Tisch zu setzen und die Differenzen auszuräumen.

Trump konterkariert mit Tweet eigene Administration

US-Verteidigungsminister James Mattis gibt sich zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden können. Am selben Tag sagt eine Sprecherin von Donald Trump, der Präsident werde mit allen Beteiligten reden, um die Lage zu beruhigen. Und ein Vertreter des Pentagons erklärt, man sei Katar dankbar für die Unterstützung des US-Militärs.

Dann kommt Dienstagfrüh und der Präsident twittert.

Donald Trump stellt sich auf die Seite Saudi-Arabiens. Er lässt den Verbündeten Katar fallen, der den wichtigsten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten beherbergt. Er schreibt das mit einer Leichtigkeit mal eben in 140 Zeichen dahin.

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Während seiner jüngsten Reise in den Nahen Osten hatte er gesagt, dass radikale Ideologien nicht länger unterstützt werden dürften – die Isolation des kleinen Golf-Emirats führt Trump deshalb maßgeblich auf seinen Besuch zurück. Der Gipfel mit arabischen Staats- und Regierungschefs zahle sich aus. „Vielleicht wird das der Anfang vom Ende des Terrorhorrors sein.“

Republikanischen Senatoren fehlen die Worte

Trump agiert völlig losgelöst von seinem außen- und sicherheitspolitischen Apparat. Konterkariert Aussagen seiner Minister. Selbst dem republikanischen Senator Bob Corker verschlägt es kurz die Sprache, als ein Journalist ihn mit Trumps Äußerungen konfrontiert.

Einen Tag später bietet der Präsident sich dann in einem Telefonat mit dem katarischen Emir Tamim bin Hamad Al Thani als Vermittler in dem Konflikt an. Was soll man davon halten?

Es gibt eine Lesart der Eskalation am Golf, die Trump einen wesentlichen Anteil daran beimisst: Saudi-Arabien und die anderen Staaten nutzen die Gunst der Stunde, die sich ihnen mit dem Machtwechsel in Washington geboten hat, um einen unbequemen, aufstrebenden Nachbarn zurechtzustutzen, dem an einer Veränderung des traditionellen Machtgefüges in der Region gelegen ist.

Saudi-Arabien tritt gegen Katar auf

Der Konflikt zwischen Katar und den anderen Golfstaaten ist nicht neu, aber Trumps Besuch in Riad vor knapp drei Wochen markiert einen Wendepunkt. Saudi-Arabien habe eine Gelegenheit ergriffen, „Katar eine Lektion zu erteilen“, weil es sich durch Trumps Unterstützung gestärkt fühle, meint Bruce Riedel vom der Denkfabrik Brookings.

Riad war die erste Station auf Trumps Auftaktreise als Präsident. Schon damit unterstrich er die Bedeutung, die er den Beziehungen zu dem Königreich beimisst. Unter seinem Vorgänger Barack Obama hatte sich das Verhältnis abgekühlt. Das lag maßgeblich an dem Atomabkommen mit dem schiitischen Iran, dem Erzrivalen Saudi-Arabiens.

Trump aber brandmarkte Teheran in seiner weltweit beachteten Rede in Riad als dunkle Macht am Golf, die es einzudämmen gilt. Anders als Obama sah er von Kritik an der desaströsen Menschenrechtslage in Saudi-Arabien ab. Er verlangte von den arabischen Staats- und Regierungschefs nur eines: dass sie sich ihm anschließen im Kampf gegen den Terrorismus.

Trumps Interesse bleibt oberflächlich

Echtes Interesse an den Ursachen von Extremismus oder den Folgen zerfallender Staaten scheint ihm abzugehen, ein tieferes Verständnis für die Komplexität der Verhältnisse in der Region ebenfalls.

Trump hat klargemacht, dass er den Kurs der Saudis und der anderen Golfländer gegen den Iran stützt, weil auch er die Islamische Republik nicht als Regionalmacht akzeptieren will.

Die Terroranschläge in Teheran vom Mittwoch verurteilt der Präsident zwar, er legt dann aber sogleich nahe, dass die iranische Regierung eine Mitschuld daran trage. Staaten, die Terrorismus unterstützen, liefen eben Gefahr, „dem Bösen zum Opfer fallen, das sie fördern“.

Fachleute warnen vor fatalen Konsequenzen der Krise. Der Nahost-Experte Simon Henderson vergleicht die Lage in Katar sogar mit der in Europa vor dem Ersten Weltkrieg. Washington könne eine wichtige Rolle dabei spielen, diese „explosive Situation“ zu entschärfen, schreibt er in einer Analyse für das Magazin „Foreign Policy“. „Vertreter der US-Regierung mögen glauben, dass Katar in seinem Balanceakt zwischen den USA und dem Iran nicht unparteiisch war, aber niemand würde von einem langwierigen Konflikt zwischen Riad und Doha profitieren oder von einer Auseinandersetzung, die Katar in Teherans Arme treibt.“

Eskalation hilft auch USA nicht

Trump kann auch aus strategischen Gründen eigentlich nicht wollen, dass die Krise weiter eskaliert. Das würde die Sicherheitsinteressen Washingtons in der Region völlig untergraben. Die USA brauchen die konservativen, aber vergleichsweise stabilen Golfländer als Anker, um den Kampf gegen Terrorismus im Nahen Osten gewinnen zu können. Eine tiefe Kluft zwischen den Ländern oder gar ein Auseinanderfallen des Golf-Kooperationsrates (GCC) könnte fatale Folgen haben.

Nicht zuletzt ist Katar ein wichtiger Militärpartner Washingtons. Das Emirat beherbergt die strategisch wichtige US-Luftwaffenbasis Al-Udeid, auf der mehr als 10.000 US-Soldaten stationiert sind. Es ist ein Herzstück des US-Zentralkommandos, das die Einsätze in Syrien, im Irak und in Afghanistan überwacht. Von dort aus werden die Lufteinsätze über dem Irak, Syrien, Afghanistan und anderen Ländern kommandiert. Ein Umzug erscheint unwahrscheinlich. Ein solcher Schritt würde Zeit kosten und Milliarden US-Dollar verschlingen.