Letztes Update am Di, 10.10.2017 08:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bolivien

‚‚Ches Kampf geht weiter“: Linke feiert Che Guevara am 50. Todestag

Der Präsident schläft im Zelt, es gibt eine Torte mit dem Konterfei des wohl berühmtesten Guerilleros der Welt. In Bolivien erinnern tausende Menschen an den hier vor 50 Jahren erschossenen Che Guevara.

© REUTERS/David Mercado Am 50. Todestag von Ernesto "Che" Guevara hat die lateinamerikanische Linke des argentinischen Revolutionärs gedacht.



La Paz – Boliviens Präsident Evo Morales hat den in seinem Land vor 50 Jahren erschossenen Guerillakämpfer Che Guevara als leuchtendes Beispiel im Kampf gegen Unterdrückung gewürdigt. „Wir sind vereint im Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus und Kapitalismus“, sagte Morales bei einem Festakt zum 50. Todestag Guevaras in Vallegrande, an dem rund 25.000 Menschen teilnahmen.

„Che war nie so sehr notwendig wie heute“, meinte der Sozialist Morales. Seide Ideale seien sehr lebendig, der Kampf gegen Ausbeutung und Ausgrenzung müsse fortgesetzt werden. Guevara hatte vergeblich versucht, im Tiefland Boliviens mit rund 50 anderen Guerilleros eine Revolution wie in Kuba anzuzetteln, er wurde festgenommen und am 9. Oktober 1967 in der Schule des kleinen Dorfes La Higuera erschossen.

Sein Leichnam wurde anschließend nach Vallegrande gebracht, wo er im Waschhaus des Krankenhauses der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. „Sie kannten die Gegend nicht, hatten keine Karten und wandten sich orientierungslos an Bauern. Und die informierten Soldaten“, sagte der Militär Gary Prado, der Che Guevara damals festgenommen hatte. Auf Befehl des damaligen Präsidenten Rene Barrientos wurde Guevara exekutiert, auch weil man befürchtete, dass es bei einer Haftstrafe ständige Befreiungsversuche geben könnte.

Zu Ehren des vor 50 Jahren erschossenen Che Guevara hat Boliviens Präsident Evo Morales in der Nähe der hier lange verscharrten Leiche in einem Zelt übernachtet.
- REUTERS/David Mercado

Mit offenen Augen und nackten Oberkörper daliegend schuf das Bild im Waschhaus den Mythos eines Märtyrers. Seinen Ruhm hatten die Ereignisse auf Kuba begründet. Dort hatte Guevara mit Fidel Castro eine Revolution angezettelt, die 1959 den Diktator Fulgencio Batista zu Fall brachte.

Unter Morales gibt es heute in Bolivien einen „Che-Kult“. Anwesend bei der Erinnerungsfeier waren auch die vier Kinder des gebürtigen Argentiniers: Aleida, Celia, Camilo und Ernesto sowie Kubas Vizepräsident Ramiro Valdes und der kubanische Arzt Jorge Gonzalez, der 1997 die lange verschollenen Überreste Che Guevaras identifiziert hatte. Sie waren nach seinem Tod bei der Landepiste des Flugplatzes verscharrt worden und wurden erst 30 Jahre danach dort gefunden und in ein Mausoleum nach Kuba gebracht.

Zu Ehren Che Guevaras hatte Morales in der Nähe des Fundortes in einem Zelt die Nacht auf den Todestag verbracht. „Ich habe so gut geschlafen wie zu den Zeiten, als ich Lama-Hirte war“, sagte der frühere Hirte und Kokabauer nach dem Aufwachen. „Unsere Gäste haben Priorität, es gibt nur wenige Hotels“, führte er aber auch Übernachtungsengpässe als Grund für den besonderen Schlafplatz an. (APA/dpa)