Letztes Update am Mi, 09.05.2018 09:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei

#tamam: Erdogans politisches Eigentor trendet bei Twitter

Mit einer Äußerung hat der türkische Präsident der Opposition ungewollt einen immensen Twitter-Erfolg beschert. Der Hashtag #tamam (#genug), war am Dienstag zeitweise am Spitzenplatz der weltweiten Trendliste von Twitter.

© AFPErdogan löste mit seiner Äußerung einen Twitter-Sturm aus.



Ankara – Wenn das Volk sage, es sei „genug“, dann werde er abtreten – mit diesen Worten in einer Rede vor seiner Parlamentsfraktion hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der Opposition einen enormen Twitter-Erfolg beschert. Seit Dienstag verbreiten Hunderttausende den Hashtag #tamam (dt. genug) über den Kurznachrichtendienst. Am Dienstagnachmittag war #tamam sogar vorübergehend weltweit der Toptrend bei Twitter.

Herausforderer griffen Hashtag auf

Auch Erdogans Herausforderer bei der Präsidentenwahl am 24. Juni griffen Erdogans Äußerungen rasch auf. „TAMAM“, schrieb Meral Aksener, die für die rechtsnationalistische IYI-Partei antritt. „Vakit TAMAM!“ (Die Zeit ist vorbei), schrieb auch der Kandidat Muharrem Ince der linksnationalistischen CHP, während der Vorsitzende der proislamischen Saadet-Partei, Temel Karamollaoglu, twitterte: „TAMAM Insallah“ (Genug, so Gott will).

„Wenn eines Tages die Nation sagt ‚genug‘, dann werden wir beiseite treten“, hatte Erdogan gesagt, wobei er von sich selbst in der ersten Person Plural sprach. Seinen Gegnern warf er vor, als einziges Ziel zu haben, „Recep Tayyip Erdogan zu zerstören“. Er vertraue aber auf Gott, dass „unsere Nation am 24. Juni diesem Team der Zerstörung erneut eine verdiente Lektion erteilen wird“.

Vorgezogene Wahlen am 24. Juni

Erdogan hatte Mitte April überraschend vorgezogene Parlaments-und Präsidentschaftswahlen für den 24. Juni ausgerufen. Der islamisch-konservative Politiker hat die türkische Gesellschaft zutiefst gespalten, doch hat er weiter auch großen Rückhalt und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er wiedergewählt wird. (APA/AFP/dpa, TT.com)