Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Weltpolitik

Kritik an Deutschlands US-Botschafter Grenell reißt nicht ab

Diplomat hält Verhalten des Amerikaners für unklug. Grenell selbst versucht mit viel Lob zu beruhigen.

© REUTERSGrenell wurde am Mittwoch im Außenamt begrüßt.



Berlin – Während dem neuen US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, gestern im Außenministerium kein allzu herzlicher Empfang bereitet worden sein dürfte, riss die öffentliche Kritik an dessen undiplomatischem Handeln nicht ab. Der CDU-Abgeordnete Jürgen Hardt etwa empfahl dem Botschafter zuzuhören, statt Politik zu machen. Grenell habe als „Mittler zwischen der Regierung seines Gastlandes und seiner eigenen Regierung“ zu agieren, wies Hardt den US-Amerikaner zurecht.

Der Botschafter hatte zuvor zur Stärkung konservativer Kräfte in Europa aufgerufen, die US-Präsident Donald Trump freundlich gesonnen sind. Zudem sorgt er mit der ungewöhnlichen Einladung des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz in die US-Botschaft in Berlin für Irritationen. Ist Kurz doch ein erklärter Kritiker der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Der ehemalige deutsche Botschafter in den USA, Klaus Scharioth, nannte Grenells Verhalten „völlig ungewöhnlich“. Seine Meinung zu inneren Angelegenheiten des Gastlandes kundzutun, sei sehr unklug, sagte er den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. „Denn Sie haben nur so viel Einfluss im Gastland, wie Sie Zugang haben.“

Grenell ist seit einem Monat US-Botschafter in Berlin und gilt als enger Vertrauter Trumps. Gemäß dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen gibt es zwar keinen „Knigge“, wie man sich als Diplomat im Gastland zu verhalten hat, aber eine so offene Einmischung und Einladung ausländischer Regierungschefs ist ungewöhnlich. Zuvor hatte Grenell schon deutsche Unternehmen gewarnt, weiter im Iran zu investieren.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, verteidigte Grenell. Botschafter hätten das Recht, ihre eigene Meinung auszudrücken, ob man diese nun teile oder nicht. Grenell habe eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollen, dass es Parteien in Europa gebe, denen es gut gehe, behauptete die Sprecherin.

Der umstrittene Botschafter selbst versucht derweil, über weitere Interviews die Wogen wieder zu glätten. Der