Letztes Update am Mo, 11.06.2018 15:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Korea-Gipfel in Singapur

Kim Jong-un trifft Trump: Alle Augen auf Singapur gerichtet

In den vergangenen Monaten beschimpften sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump erst (Stichwort „kleiner Raketenmann“, „Greis“), dann kam es zu einer schrittweisen Annäherung – mit Rückschlägen. Nun findet ein zeitweise abgesagter Gipfel doch statt. Am Ende soll eine historische Vereinbarung stehen.

Donald Trump auf der einen, Kim Jong-un auf der anderen Seite. Der vergleichsweise kurzfristig anberaumte Gipfel soll Großes erreichen.

© REUTERSDonald Trump auf der einen, Kim Jong-un auf der anderen Seite. Der vergleichsweise kurzfristig anberaumte Gipfel soll Großes erreichen.



Singapur/Pjöngjang – Mit Gesprächen hinter den Kulissen haben die USA und Nordkorea am Montag in Singapur die letzten Vorbereitungen für ihren historischen Gipfel getroffen. Nach wochenlangem Hin und Her treffen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Dienstag erstmals aufeinander.

Mit großem Interesse wird weltweit verfolgt, ob es Trump gelingt, die stalinistische Führung aus Pjöngjang zur Aufgabe ihres Atomprogramms zu bewegen. Der Gipfel ist auf einen Tag angelegt, wird aber möglicherweise verlängert.

Trump und Kim sind bereits seit Sonntag in Singapur. Beide hielten sich mit Stellungnahmen zunächst zurück. Der US-Präsident twitterte aus seinem Hotel nur: „Es ist großartig in Singapur zu sein. Vorfreude liegt in der Luft.“ Anschließend traf er sich mit Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong, dem Gastgeber. „Ich denke, es wird sehr gut laufen“, twitterte Trump danach. Kim, dessen Hotel ganz in der Nähe von Trumps Unterkunft liegt, trat in der Öffentlichkeit zunächst gar nicht in Erscheinung. Allerdings berieten Unterhändler beider Seiten.

Noch vor kurzem flogen verbal die Fetzen

Der Gipfel, den Trump zwischenzeitlich schon wieder abgesagt hatte, soll am Dienstag um 9 Uhr Ortszeit (3 Uhr MESZ) auf der Insel Sentosa beginnen. Es ist das erste solche Treffen in der Geschichte beider Nationen. Bis vor einigen Monaten beschimpften sich Kim und Trump gegenseitig noch heftig. Für den Nordkoreaner, dessen Land international weitgehend isoliert ist, bedeutet das Treffen auf jeden Fall eine Aufwertung.

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Die Erfolgsaussichten werden sehr unterschiedlich beurteilt. Einige Experten waren zuletzt darum bemüht, die Erwartungen zu dämpfen. Beide Seiten sind sich offenbar nicht einig, was „Denuklearisierung“ eigentlich bedeutet – also was atomare Abrüstung konkret umfasst und wie schnell sie gehen soll. Die USA sind seit vielen Jahrzehnten Atommacht. Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben ebenfalls über Langstreckenraketen, die einen Atomsprengstoff bis aufs amerikanische Festland befördern könnten.

Bei dem Treffen dürfte auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Seiten eine Rolle spielen. Bisher haben die USA und Nordkorea weder Botschafter noch Botschaften im jeweils anderen Land. Darüber hinaus dürfte es auch darum gehen, einen endgültigen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea vorzubereiten. Völkerrechtlich ist der Kriegszustand zwischen beiden Seiten auch mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Korea-Krieg noch nicht beendet. Kim hofft insbesondere auf ein Ende der Wirtschaftssanktionen, die sein Land massiv belasten. Dazu gehören US- aber auch UNO-Sanktionen, die wegen Atom- und Raketentests in mehreren Runden verhängt wurden.

USA bestehen auf vollständiger Denuklearisierung

US-Außenminister Mike Pompeo, der zusammen mit Trump in Singapur ist, machte nochmals deutlich, dass die USA eine „völlige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel“ durchsetzen wollen. Nach seinen Angaben gingen die vorbereitenden Gespräche am Montag „ins Detail“. Trump sei gut vorbereitet. Nordkorea sieht in der atomaren Abrüstung dagegen eher einen schrittweisen Prozess. Neben Pompeo begleiten der Nationale Sicherheitsberater John Bolton und Stabschef John Kelly Trump in Singapur. Aus US-Regierungskreisen verlautete, die Stimmung auf amerikanischer Seite sei zu gleichen Teilen von Optimismus und Skepsis geprägt. „Es gibt kein Szenario, das uns überraschen würde“, hieß es.

Der renommierte US-Politologe und Nordkorea-Experte Bruce Cumings hält eine komplette atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel für kaum machbar. Aus seiner Sicht wäre es schon ein Erfolg, wenn es beim Gipfel zu einem Moratorium für Tests von Raketen und Atomwaffen käme - oder Nordkorea gar dem internationalen Teststoppvertrag beitreten würde. „Aber wir werden nie wissen, ob wir jede einzelne Atombombe erfassen können“, sagte Cumings der Deutschen Presse-Agentur. Er halte den Begriff Denuklearisierung für falsch.

Staatsmedien in Nordkorea stimmen auf Gipfel ein

Die stalinistische Führung des 23-Millionen-Einwohner-Landes stimmte die Bevölkerung am Montag über die Staatsmedien auf das Treffen ein. Bei dem Gipfel gehe es darum, wie „neue Beziehungen“ entwickelt, ein dauerhafter Friedensmechanismus für die Koreanische Halbinsel geschaffen und die „Denuklearisierung“ verwirklicht werden könnten. Kim werde bei dem Gipfeltreffen von Außenminister Ri Yong-ho, Verteidigungsminister No Kwang-chol sowie seiner Schwester Kim Yo-jong begleitet, hieß es. Zuvor waren die Nordkoreaner über das Treffen weitgehend im Dunkeln gelassen worden.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in äußerte zwar die Erwartung auf einen erfolgreichen Gipfel, erinnerte aber auch an die „tief verwurzelte Feindschaft“ mit Nordkorea. Diese und der Streit um das Atomprogramm könnten nicht auf einen Schlag vollständig überwunden werden. „Selbst nachdem beide einen Dialog in Gang gesetzt haben, benötigen wir wahrscheinlich einen langen Prozess, der ein, zwei Jahr oder sogar länger in Anspruch nehmen wird“, erklärte Moon.

Der Gipfel findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen im Luxushotel „Capella“ auf Sentosa statt, einer Singapur vorgelagerten Insel. Gleich nach dem ersten Handschlag soll es ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Trump und Kim geben. Dann wollen sich beide Delegationen zurückziehen. Offen ist noch, wie die Öffentlichkeit unterrichtet werden soll. Das Treffen wird von mehr als 2.500 Journalisten aus aller Welt verfolgt. (APA/dpa/Reuters/AFP)