Letztes Update am Di, 10.07.2018 15:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Philippinen

Duterte will Angriffe auf Kirche einstellen und 2019 abtreten

Der philippinische Präsident sprach gegenüber dem Erzbischof von „Müdigkeit“ und einem Rücktritt Anfang des nächsten Jahres.

© REUTERSDer philippinische Präsident Rodrigo Duterte.



Manila – Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte will künftig seine verbalen Angriffe auf die katholische Kirche unterlassen. Das sei ein Ergebnis des Spitzentreffens zwischen Duterte und dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Romulo Valles am Montag im Präsidentenpalast, erklärte Regierungssprecher Harry Roque laut Kathpress im Interview der Nachrichtenagentur PNA.

Zudem stelle Duterte für Anfang 2019 seinen Rückzug in Aussicht, um einem gewählten Übergangspräsidenten die Umwandlung zu einem föderalen Staat zu überlassen. Duterte habe dies bereits im Kabinett angekündigt, zuvor habe ihm die Verfassungskommission offiziell den Entwurf der neuen Verfassung übergeben. Duterte habe die Kommission auch gebeten, einen Übergangsführer zu wählen, so sein Sprecher Roque. Der Präsident fühle sich „müde“; es sei „Zeit für jemand Jüngeren“. Laut der Zeitung Philippine Star wird erwartet, dass Duterte den Entwurf Ende Juli dem Parlament zur Diskussion und Abstimmung vorlegt.

Einführung eines föderalen Systems

Die Umwandlung der Philippinen von einem Zentralstaat zu einem föderalen Gebilde war eines der wichtigsten Wahlversprechen Dutertes. Die Einführung eines föderalen Systems solle den politischen und wirtschaftlichen Monopolen der politischen Dynastien ein Ende setzen, sagte der Vorsitzende der Verfassungskommission und frühere oberste Richter des Landes, Reynato Puno, philippinischen Medien. Auf den Philippinen kursiert freilich seit langem das Gerücht, Duterte wolle die neue Verfassung für eine Verlängerung seiner Amtszeit nutzen. Der 73-Jährige war im Mai 2016 zum Präsidenten gewählt worden. Seine reguläre Amtszeit endet 2022.

Der Präsident habe „einem Moratorium über Erklärungen zur Kirche zugestimmt“, sagte Roque. Eine Erklärung der Bischofskonferenz zu dem Treffen lag vorerst nicht vor. Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte Duterte immer wieder in rüder Form Bischöfe und den Papst beschimpft. Durch Aussagen wie zuletzt „Gott ist dumm“ bracht er die Kirche der römisch-katholisch geprägten Philippinen gegen sich auf.

Vor dem Treffen zwischen Erzbischof Valles und Duterte hatte die Bischofskonferenz einen Hirtenbrief über das Verhältnis von Kirche und Staat veröffentlicht. Darin betonten die Bischöfe, dass sie „die politische Macht und insbesondere die demokratisch gewählter Regierungsvertreter so lange akzeptieren, wie sie nicht den grundlegenden spirituellen und moralischen Prinzipien widerspricht“. Eine klare Absage erteilten die Bischöfe erneut den Morden an angeblichen Drogenkriminellen, kritischen Priestern und Bürgerrechtlern. Ohne Duterte beim Namen zu nennen, verurteilten sie die „Gott ist dumm“-Äußerung als „blasphemisch“. Präsidentensprecher Roque bewertete den Hirtenbrief als „zahm“. Er habe „das Schlimmste erwartet“. Die Kirche habe wohl eine „direkte Konfrontation vermeiden wollen“. (APA)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Israel
Israel

Verteidigungsminister Lieberman tritt ab: Regierungskrise in Israel

Lieberman begründete seinen Rücktritt mit der Zustimmung Israels zu einer Waffenruhe am Gaza-Streifen. Neuwahlen sind nun nicht unwahrscheinlich.

Weltpolitik
Weltpolitik

Tschechien lehnt Migrationspakt ab, Belgiens Zustimmung wackelt

Österreich, die USA, Ungarn und Bulgarien hatten sich bereits zuvor aus dem Globalen Pakt zurückgezogen. In vielen anderen Ländern gibt es eine Diskussion üb ...

News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

Melania Trump fordert Entlassung hochrangiger Regierungsmitarbeiterin

Nach den Wahlen in den USA laufen die täglichen Agenden des US-Präsidenten weiter, wenn auch mit mehr Gegenwind durch die US-Demokraten. Wir berichten im New ...

USA
USA

Erste Migranten aus Mittelamerika erklimmen Grenzzaun zu USA

Gut einen Monat waren die Menschen aus Honduras auf dem Weg in die USA. Jetzt haben die Ersten ihr Ziel fast erreicht. Ein Grenzzaun trennt sie von ihrem „Am ...

US-Zwischenwahlen
US-Zwischenwahlen

Demokraten eroberten umkämpften Senatssitz in Arizona

Nach der Auszählung ist klar: Die Demokratin Kyrsten Sinema konnte einen historischen Erfolg für sich verbuchen. Seit Jahrzehnten konnte kein Demokrat mehr e ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »