Letztes Update am Mo, 22.10.2018 06:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tötung

Fall Khashoggi: Trump und Erdogan fordern umfassende Aufklärung

Trump und Erdogan haben sich telefonisch ausgetauscht und seien sich einig gewesen, dass sämtliche Aspekte aufgeklärt werden müssten. Die deutsche Regierung schließt unterdessen weitere deutsche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien aktuell aus.

Demonstranten, verkleidet als Mohammed bin Salman und Donald Trump, forderten vor dem Weißen Haus einen harten Kurs gegenüber Saudi-Arabien.

© imago stock&peopleDemonstranten, verkleidet als Mohammed bin Salman und Donald Trump, forderten vor dem Weißen Haus einen harten Kurs gegenüber Saudi-Arabien.



Kairo, Istanbul, Washington – US-Präsident Donald Trump und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan haben sich einem Medienbericht zufolge telefonisch über den Fall des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi ausgetauscht. Sie seien sich einig gewesen, dass sämtliche Aspekte aufgeklärt werden müssten, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht auf Montag.

In dem Gespräch sei es darüber hinaus über die Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung, die Lage in Syrien und den kürzlich aus türkischer Haft entlassenen US-Pastor Andrew Brunson gegangen.

Merkel gegen Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien

Die deutsche Regierung schließt unterdessen wegen der Ungereimtheiten um den gewaltsamen Tod des Journalisten Jamal Khashoggi weitere deutsche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien aktuell aus. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sagte am Sonntagabend mit Blick auf die Tötung des Regimekritikers im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul, Rüstungsexporte könnten nicht stattfinden, „in dem Zustand, in dem wir im Augenblick sind“. Zu der Gewalttat, die sie in aller Schärfe verurteile, gebe es dringenden weiteren Klärungsbedarf. Längst liege nicht alles dazu auf dem Tisch, längst seien nicht die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, betonte Merkel.

Ähnlich kritisch hatte sich der deutsche Außenminister Heiko Maas über neue Rüstungsexporte geäußert. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus Frankreich und Großbritannien erklärte Maas zudem: „Die Bedrohung von Journalisten, der Angriff auf sie oder gar ihre Tötung sind ungeachtet der Umstände inakzeptabel und geben unseren drei Staaten Anlass zu größter Besorgnis.“

Khashoggi bei Schlägerei umgekommen

Trotz seiner Kriegsbeteiligung und der schlechten Menschenrechtslage dort war das ölreiche Saudi-Arabien in diesem Jahr bisher nach Algerien der zweitbeste Kunde der deutschen Rüstungsindustrie. Bis zum 30. September erteilte die Regierung Exportgenehmigungen im Wert von 416,4 Millionen Euro für das Königreich.

Auf massiven Druck hin hatte die autoritäre Staatsführung Saudi-Arabiens die Tötung Khashoggis eingeräumt - demnach sei der 59-Jährige bei einer Schlägerei umgekommen. Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten dagegen davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Einsatzkommando im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde. (APA/Reuters/dpa)