Letztes Update am Do, 01.11.2018 13:44

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Korruptionsvorwürfe

Perus Oppositionsführerin Fujimori soll für drei Jahre in U-Haft

Die Ermittler werfen der einflussreichen Oppositionspolitikerin vor, in die weitverzweigte Korruptionsaffäre um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verwickelt zu sein.

Rechtspopulistin Keiko Fujimori.

© APA/AFP/GONZALEZRechtspopulistin Keiko Fujimori.



Lima – Die unter Korruptionsverdacht stehende peruanische Oppositionsführerin Keiko Fujimori ist erneut festgenommen worden. Ein Richter verhängte am Mittwoch drei Jahre Untersuchungshaft gegen die Tochter des früheren Staatschefs Alberto Fujimori, die Schmiergeld vom brasilianischen Baukonzern Odebrecht erhalten haben soll.

Die Entscheidung könnte eine erneute Kandidatur der 43-Jährigen bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2021 vereiteln. Es bestehe „hohe Fluchtgefahr“, weshalb Keiko Fujimori für die Dauer der Ermittlungen in Haft bleiben solle, begründete Richter Richard Concepcion Carhuancho seine Entscheidung. Fujimori habe innerhalb ihrer Partei eine „faktisch kriminelle Organisation“ geführt, die Gelder aus illegalen Quellen gewaschen habe.

Die 43-Jährige wurde nach einer Umarmung ihres in Tränen ausgebrochen Mannes noch im Gerichtssaal festgenommen. Sie war erst Mitte Oktober nach einwöchiger Untersuchungshaft freigekommen.

Präsidentschaftskandidatur vor dem Aus

Mit seiner Entscheidung folgte der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Fujimoris Verteidigerin Giuliana Loza hat drei Tag Zeit, um gegen die Entscheidung in Revision zu gehen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Perus Verfassung erlaubt bei besonders komplizierten Ermittlungen eine Festsetzung der Verdächtigen für eine Dauer von bis zu 36 Monaten. Überdies dürfen die Verdächtigen in diesen Fällen nicht mit eigenen Beweismitteln oder Zeugen in das Verfahren eingreifen.

Bleibt es bei dem Urteil vom Mittwoch, steht Fujimoris erneute Präsidentschaftskandidatur vor dem Aus. Die 43-Jährige hatte den Richter und die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld beschuldigt, sich gegen sie verschworen zu haben. „Sie versuchen, mich aus der Politik zu werfen, mich zu beerdigen.“ Fujimori war bereits 2011 und 2016 bei den Präsidentschaftswahlen angetreten, hatte aber bei beiden Abstimmungen verloren.

Die Ermittler werfen der einflussreichen Oppositionspolitikerin vor, in die weitverzweigte Korruptionsaffäre um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verwickelt zu sein. Die Politikerin soll für den Wahlkampf 2011 etwa 1,2 Millionen Dollar erhalten haben. Odebrecht soll in zahlreichen Ländern Südamerikas Millionen Dollar an Bestechungsgeldern gezahlt haben, um sich öffentliche Aufträge zu sichern. Die Ermittlungen gegen den brasilianischen Bauriesen begannen 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbedienstete und Manager zutage.

Keiko Fujimoris Vater Alberto hatte Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand regiert. 2007 wurde er der Bestechung, des mehrfachen Mordes, des Einsatzes von Todesschwadronen und anderer schwerer Menschenrechtsverbrechen für schuldig befunden und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. (APA/AFP)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

US-Justizausschuss segnet Anklagepunkte gegen Trump ab

Die Abgeordneten stimmten am Freitag dafür, Trump in der Ukraine-Affäre wegen Amtsmissbrauchs und Behinderung des Kongresses anzuklagen.

Donald Trump und Greta Thunberg bekriegen sich auf Twitter.Klimakrise
Klimakrise

Trump mit Wuttirade auf Twitter: Greta Thunberg soll mal „chillen“

Nach ihrer Kür zur Person des Jahres teilte Donald Trump auf Twitter gegen die 16-jährige Schwedin aus. In seinem Tweet bezeichnet er sie als „lächerlich“ un ...

Das AKW Mühleberg wird abgeschaltet.Nach Volksentscheid
Nach Volksentscheid

Erstes Schweizer AKW wird am Freitag abgeschaltet

2017 haben sich die Schweizer per Volksabstimmung für den Atomausstieg entschieden. An diesem Freitag stellt das erste Atomkraftwerk seinen Betrieb ein.

Die Menschen in Israel müssen erneut zu den Wahlurnen schreiten.Israel
Israel

Regierungsbildung in Israel gescheitert: Neuwahl am 2. März

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres sind die israelischen Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Der Wahlkampf wird sich vermutlich vor allem ...

Greta Thunberg dieser Tage bei der Klimakonferenz in Madrid.Umweltpolitik
Umweltpolitik

Brasiliens Präsident Bolsonaro nannte Greta Thunberg „Göre“

Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg wird vom brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro scharf attackiert: Der ultra-rechte Politiker bezeichnet ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »