Letztes Update am Sa, 24.11.2018 21:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iran

„Krebsgeschwür“ Israel: Rouhani fordert islamische Einheit gegen USA

Rouhani hatte am Samstag bei einer Konferenz zur Islamischen Einheit in Teheran gesagt: „Eine der schlimmsten Folgen des Zweiten Weltkrieges war die Gründung eines illegitimen Regime namens Israel.“

Der iranische Präsident Hassan Rouhani.

© AFP/HO/IRANIAN PRESIDENCYDer iranische Präsident Hassan Rouhani.



Teheran – Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat die islamischen Staaten aufgerufen, sich vereint den USA entgegenzustemmen. Dabei bezeichnete er Israel als „Krebsgeschwür“. „Eine der schlimmsten Folgen des Zweiten Weltkrieges war die Gründung eines illegitimen Regime namens Israel und damit die Entstehung eines Krebsgeschwürs im Nahen Osten“, sagte er am Samstag in Teheran.

Schlimmer noch sei es, dass für die USA einzig die Sicherheit Israels zähle und alles andere egal sei. Israel werde daher alles erlaubt, vor allem schreckliche Verbrechen gegen das palästinensische Volk, sagte Rouhani bei einer Konferenz zur Islamischen Einheit. Ihr Motto lautet „Quds (Jerusalem), Achse der Einheit der islamischen Gemeinschaft“.

Israel ist für den Iran der Erzfeind Nummer eins und die Befreiung Palästinas sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin der Teheraner Führung. Offiziell ist diese Feindseligkeit nur politisch und gegen die israelische Regierung gerichtet, doch viele Aussagen iranischer Politiker und Kleriker werden auch als antisemitisch wahrgenommen. Militärisch ist der Iran zunehmend in der Lage, die überlegene Atommacht Israel mit Mittelstreckenraketen zu bedrohen.

Kurz weist Rouhani scharf zurecht

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu teilte daraufhin mit: „Israel kann sich sehr gut vor dem mörderischen iranischen Regime verteidigen.“ Netanyahu sagte: „Die Hetzreden Rouhanis, der zur Zerstörung Israels aufruft, beweisen einmal mehr, warum die internationale Gemeinschaft sich Sanktionen gegen das iranische Terrorregime anschließen muss, das auch sie bedroht.“

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat Rouhani nach dessen Aussage scharf zurechtgewiesen. „Ich verurteile die jüngsten inakzeptablen Äußerungen von Präsident Rohani in Bezug auf Israel auf das Schärfste“, schrieb Kurz am Samstag auf Twitter.

„Es ist absolut inakzeptabel, wenn das Existenzrecht Israels in Frage gestellt oder zur Vernichtung Israels aufgerufen wird“, betonte der Bundeskanzler, der in einem weiteren Tweet bekräftigte, wie wichtig für Österreich der entschiedene Kampf gegen alle Formen des Antisemitismus und die Unterstützung für Israel sei. „Die Sicherheit Israels ist für Österreich nicht verhandelbar“, so Kurz.

„Sagen, dass die Rüpel der Welt unseren Weg nicht bestimmen“

„Sich dem von Amerika angeführten Westen unterzuordnen, wäre Verrat an unserer Religion (...) und an den zukünftigen Generationen dieser Region“, betonte Rouhani. „Unser Streit mit den USA besteht darin, dass sie wollen, dass die Welt amerikanisch denkt, amerikanische Werte achtet, aber wir sagen, dass alle Menschen frei sind. Sie sagen, ihren Interessen solle immer entsprochen werden, und wir sagen, dass die Rüpel der Welt unseren Weg nicht bestimmen.“

Man habe die Wahl, „entweder rote Teppiche für Kriminelle auszurollen“ oder sich entschieden gegen Ungerechtigkeit zu stellen und dem Islam treu zu bleiben, sagte Rouhani offenbar mit Blick auf den Erzrivalen Saudi-Arabien und dessen Verbundenheit mit den USA. Der Iran sei bereit, die Interessen des saudi-arabischen Volkes gegen Terrorismus, Aggression und die Supermächte zu verteidigen. „Und wir verlangen nicht 450 Milliarden Dollar dafür“, ergänzte Rouhani in Anspielung auf US-Wirtschaftsverträge mit Saudi-Arabien.

Die USA hatten Anfang des Monats neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Die US-Regierung will die Führung in Teheran damit zu Neuverhandlungen über ein wesentlich strengeres Abkommen über ihr Atom- und Raketenprogramm zwingen. Außerdem wirft sie dem Iran vor, Gewalt und Terror in der Region zu schüren und verlangt einen Kurswechsel in der Außenpolitik. (APA/dpa/Reuters)