Letztes Update am Sa, 08.12.2018 18:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurz in Afrika

Österreich gibt 1,5 Mio. für Binnenvertriebene in Äthiopien

Angesichts der jüngsten positiven Entwicklungen seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten stehe Österreich bereit, die Zusammenarbeit zu intensivieren, versicherte Kanzler Kurz bei seinem Besuch in Äthiopien.

© BUNDESKANZLERAMTBundeskanzler Sebastian Kurz bei einem Besuch des Flüchtlingslagers Qologji in Äthiopien.



Addis Abeba – Österreich wird das World Food Programme (WFP) in Äthiopien mit 1,5 Millionen Euro unterstützen. Das teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) anlässlich eines Besuches in der östlich gelegenen Somali Region am Samstag mit. Finanziert werden soll damit hauptsächlich die Versorgung von Binnenvertriebenen (Internally Displaced People/IDP) in der größten, aber ärmsten Region Äthiopiens.

Regionalpräsident Mustafe Muhumad Omer zeigte sich über die Zusage erfreut und betonte zugleich, dass vor allem auch im Gesundheitssektor und bei dem Aufbau eines funktionierenden Justizsystems internationale Hilfe notwendig sei. Äthiopien ist seit 1999 Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA), vor einigen Jahren wurde aber ein Projekt im Bereich Gesundheit in der Somali Region wegen Friktionen mit der Regionalregierung ausgesetzt. Infolgedessen sei der Gesundheitssektor „kollabiert“, erzählte Omer vor österreichischen und äthiopischen Journalisten in seinem Regierungssitz in der Hauptstadt Jijiga.

2,7 Millionen Binnenvertriebene

Omer ist erst seit August im Amt. Die Probleme in seinem Land kennt er als früherer Mitarbeiter des UNO-Nothilfebüros OCHA aber sehr gut. Von rund 2,7 Millionen Binnenvertriebenen in ganz Äthiopien lebt derzeit rund eine Million in der Somali-Region, Anfang des Jahres eskalierten ethnische Konflikte und Konflikte um Landressourcen infolge des Klimawandels, was die Situation in den chronisch unterfinanzierten Zentren für Binnenvertriebene weiter verschärfte.

In Omer werden nun große Hoffnungen gesetzt. Ähnlich wie im gesamten Land herrscht nach dem Regierungswechsel - auch in Addis Abeba sitzt mit dem neuen Premier Abiy Ahmed ein neuer Hoffnungsträger - Aufbruchsstimmung und Optimismus in Somaliland. Omers Vorgänger und Namensvetter Abdi Mohamud Omer, von den Äthiopiern auch „Abdi Iliy“ genannt, regierte die Region despotisch. „In den letzten elf Jahren gab es massive Menschenrechtsverletzungen“, erklärte der aktuelle Präsident. Abdi Iliy habe die Somalis in der Region „brutal attackiert“. Ethnische Spannungen habe er künstlich am köcheln gehalten, um seine eigene Macht zu zementieren, werfen ihm Beobachter vor.

7,5 Millionen Euro Budget für 2019

Angesichts der jüngsten positiven Entwicklungen seit Omers Amtsantritt stehe Österreich jedenfalls bereit, die Zusammenarbeit zu intensivieren, versicherte Kurz bei seinem Besuch. Für 2019 beträgt das Budget der Austrian Development Agency (ADA) für Äthiopien in etwa 7,5 Millionen Euro. Die nun angekündigten 1,5 Millionen Euro kommen aus dem Landwirtschaftsministerium. (APA)