Letztes Update am Di, 25.12.2018 16:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei

Österreicher Zirngast in Türkei unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt

Der österreichische Journalist Max Zirngast war im September in der Türkei festgenommen worden. Bis zu seinem Prozess muss er in der Türkei bleiben.

Erleichtert gab sich der Journalist Max Zirngast nach seiner Freilassung an Heiligabend.

© AFPErleichtert gab sich der Journalist Max Zirngast nach seiner Freilassung an Heiligabend.



Ankara, Wien – Der im September in der Türkei festgenommene österreichische Journalist und Student Max Zirngast ist am Dienstag unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Dies teilte das Außenministerium in Wien der APA mit. „Wir freuen uns mega“, hieß es in einer Meldung der Solidaritätsplattform #FreeMaxZirngast auf Twitter.

Der 29-Jährige war nach seiner Entlassung aus dem Hochsicherheitsgefängnis Sincan 2 nahe der Hauptstadt Ankara am Montag zunächst auf eine türkische Polizeistation gebracht und dort festgehalten worden, um auf die Ausstellung eines Ausreiseverbotes aus der Türkei zu warten. Das Verbot gehört zu den Entlassungsauflagen für Zirngast.

Max Zirngast nach seiner Befreiung mit Freunden und Unterstützern.
Max Zirngast nach seiner Befreiung mit Freunden und Unterstützern.
- AFP

Zuletzt hatten die türkischen Behörden mit seiner Freisetzung auf eine telefonische Bestätigung des am Dienstagvormittag bereits schriftlich vorliegenden Dokuments der türkischen Migrationsbehörde gewartet. Alle Formalitäten seien nun erledigt, berichtete Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer.

Zu den weiteren Auflagen für seine Enthaftung gebe es bisher noch keine offizielle Verständigung. Dass sich Zirngast wöchentlich bei der Polizei melden müsse, wie einer von Zirngasts Anwälten mitgeteilt hatte, könne offiziell noch nicht bestätigt werden, so Guschelbauer. Der am Vortag diskutierte Hausarrest für den Österreicher sei am Dienstag nicht mehr im Gespräch gewesen.

Genaue Inhalt der Auflagen noch nicht bekannt

„Der genaue Inhalt der Auflagen wird wohl in den nächsten Tagen noch offiziell mitgeteilt“, sagte Guschelbauer. Die österreichische Botschaft müsse mit den türkischen Behörden und mit Zirngasts Rechtsvertretung weitere Gespräche führen.

Auch der Inhalt der am Montag von einem türkischen Gericht akzeptierten Anklageschrift ist laut Außenministerium nach wie vor unbekannt. Seinem Anwalt zufolge muss sich Zirngast wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verantworten. Der Prozess soll am 11. April 2019 beginnen. Bei einer Verurteilung drohen Zirngast bis zu zehn Jahre Haft.

Der 1989 geborene Steirer studiert seit 2015 Politikwissenschaft an der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara und schreibt für verschiedene Medien in der Türkei und im Ausland, darunter das deutschsprachige linksradikale Magazin „re:volt“. Dabei setzte er sich kritisch mit dem Verhältnis der Türkei zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK auseinander und verfasste regierungskritische Texte.

Zirngast zeigte sich nach seiner Entlassung auf Twitter auf einem gemeinsamen Grußbild mit Freunden und Familie sowie den zeitgleich enthafteten türkischen Aktivisten Hatice Göz und Mithatcan Türetken. Göz und Türetken waren im Zusammenhang mit dem Fall Zirngast festgenommen wurden, ihnen wird ebenfalls Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen.

Der Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), Fred Turnheim, begrüßte die Freilassung Zirngasts in einer Aussendung. Gleichzeitig forderte der ÖJC „die sofortige Einstellung des Verfahrens gegen den Österreicher, der pünktlich zu Beginn der Ratspräsidentschaft von Erdogan als Geisel genommen wurde und am Ende der Präsidentschaft wieder freigelassen wurde“ sowie „aller politisch motivierten Verfahren in der Türkei gegen rund 170 eingesperrte Journalistinnen und Journalisten“. (APA)

Max Zirngast wurde in der Türkei aus der Haft entlassen.
Max Zirngast wurde in der Türkei aus der Haft entlassen.
- AFP

Mehr Artikel aus dieser Kategorie

US-Präsident Donald Trump setzt auf Falschaussagen und Beleidigungen.Präsident unter Druck
Präsident unter Druck

Halbzeit für Trump: Chaos-Jahre in Washington

Fast 8000 Falschaussagen hat der amtierende US-Präsident Donald Trump in den vergangenen zwei Jahren bereits gemacht. Rund 550 Ziele hat er sich für Beleidig ...

In einer Ansprache im Weißen Haus am Samstag bot Trump an, rund eine Million Migranten in den USA drei Jahre lang vor einer Abschiebung zu schützen.USA
USA

“Shutdown“: Demokraten lehnen Trumps Kompromissvorschläge ab

Seit Wochen sind 800.000 US-Bundesangestellte ohne Lohn. Die Lage ist für viele dramatisch, weil der US-Haushalt blockiert ist. Präsident Trump verspricht ei ...

Brexit-Blog
Brexit-Blog

Abgeordnete wollen Brexit-Entscheidung hinauszögern

Die britische Premierministeirn Theresa May überstand ein Misstrauensvotum, nachdem ihr Brexit-Deal im Parlament abgeschmettert wurde. Wie es nun weiter geht ...

US-Präsident Donald Trump setzt auf Falschaussagen und Beleidigungen.News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

Trump macht neues Angebot für “Shutdown“-Ende, Demokraten lehnen ab

Die US-Regierung steht wegen des “Shutdowns“ weiter still. Der US-Präsident beharrt auf seiner Mauer, die Demokraten halten das für undenkbar. Jetzt könnte B ...

Diese Demonstranten verkleideten sich als verwundete Marianne - die Nationalfigur Frankreichs. Frankreich
Frankreich

Erneut zehntausende „Gelbwesten“ in Frankreich auf der Straße

Die Demonstranten erteilten dem Angebot von Staatschef Emmanuel Macron zu einem „Bürgerdialog“ eine Absage und forderten seinen Rücktritt.

Weitere Artikel aus der Kategorie »