Letztes Update am Di, 19.02.2019 16:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Indien

Nach blutigem Anschlag in Kaschmir: Spannungen steigen

Nachdem ein junger Mann aus dem indischen Teil Kaschmirs am Donnerstag eine Autobombe gezündet und 40 Angehörige der indischen paramilitärischen Polizeitruppe CRPF getötet hatte, liefern sich Indien und Pakistan einen verbalen Schlagabtausch.

Nach dem tödlichen Angriff auf indische Sicherheitskräfte gedenken Menschen den Opfern.

© AFPNach dem tödlichen Angriff auf indische Sicherheitskräfte gedenken Menschen den Opfern.



Islamabad, Neu-Delhi – Nach dem blutigen Anschlag im indischen Teil Kaschmirs vergangene Woche steigen die Spannungen zwischen Pakistan und Indien. Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan forderte in einer Fernsehansprache am Dienstag Indien auf, Klarheit zu schaffen. „Wenn Sie Beweise für eine Beteiligung Pakistans haben, teilen Sie uns dies mit. Ich versichere Ihnen, dass wir Maßnahmen ergreifen werden.“

Die indische Regierung sprach von einer „lahmen Ausrede“. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kündigte Khan des weiteren an, dass Pakistan zurückschlagen werde, falls Indien infolge des Attentats Angriffe durchführen würde. Pakistans Botschafter Zahid Nasrullah in Afghanistan warnte zudem, dass sich Gewalt gegen Pakistan auf die Friedensbemühungen zu Afghanistan und die Stabilität in der gesamten Region auswirken würde.

Der ehemalige afghanische Vize-Verteidigungsminister Tamim Asey kommentierte, Nasrullahs Bemerkung werde Regierungsvertreter Afghanistans verärgern, da sie auf Befürchtungen anspiele, dass der langjährige afghanische Bürgerkrieg ein Stellvertreterkonflikt sei, auf dem die Regionalmächte ihre Rivalitäten austrügen. „Wir wollen nicht euer Schlachtfeld sein“, sagte Asey. Pakistans Verbündeter China drängte zu Gesprächen und rief zu Zurückhaltung auf, damit eine „weiche Landung“ sobald wie möglich erzielt werde, so ein Sprecher des Außenministeriums.

Terrorgruppe Jaish-e-Mohammad reklamierte Anschlag für sich

Die Spannungen zwischen beiden Ländern hatten in den vergangenen Tagen zugenommen, nachdem ein junger Mann aus dem indischen Teil Kaschmirs am Donnerstag eine Autobombe gezündet und 40 Angehörige der indischen paramilitärischen Polizeitruppe CRPF getötet hatte. Sie waren in einem Konvoi auf einer Autobahn unterwegs.

Die aus Pakistan stammende Terrorgruppe Jaish-e-Mohammad, die seit vielen Jahren in Indien aktiv ist, reklamierte den Anschlag für sich. Es war der tödlichste Angriff auf indische Sicherheitskräfte in Kaschmir seit Beginn des Aufstandes von Separatisten und Islamisten vor 30 Jahren. Indien machte Pakistan für den Anschlag verantwortlich. Premierminister Narendra Modi kündigte eine „gebührende Antwort“ an. Er gab seinen Sicherheitskräften freie Hand.

Islamabad bat die Vereinten Nationen zu intervenieren. Der pakistanische Außenminister, Shah Mahmood Qureshi, sandte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres Montagabend (Ortszeit) einen entsprechenden Brief. „Die Vereinten Nationen müssen eingreifen, um Spannungen abzubauen“, hieß es darin.

Der Befehlshaber der indischen Armeetruppen in Kaschmir, Generalleutnant Kanwal Jeet Singh Dillon, erklärte in einer Pressekonferenz am Dienstag, die in Kaschmir aktive Führung von Jaish-e-Mohammad, die von Pakistan kontrolliert worden sein soll, sei weniger als 100 Stunden nach dem Anschlag „eliminiert“ worden. Er warnte zudem, dass jeder, der in Kaschmir eine Waffe in die Hand nehme, getötet werde.

Mobs in Indien griffen Menschen in Kaschmir an

Auch in Indien sorgte der Anschlag für Spannungen und Unruhen. Medienberichten zufolge griffen Mobs in verschiedenen Teilen Indiens Menschen aus Kaschmir an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte in einer Mitteilung vor einem „gefährlichen Moment“.

Die Bevölkerung Kaschmirs ist überwiegend muslimisch, Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern mehrheitlich hinduistisch. Indische Medien berichteten, mehrere Menschen hätten ihre Arbeitsplätze oder Universitätsplätze verloren, weil sie sich in sozialen Medien pakistanfreundlich geäußert haben sollen.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Spaltung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen die beiden Länder Kaschmir für sich – sie kontrollieren jeweils einen Teil. Die heutigen Atommächte führten bereits zwei Kriege um das Himalaya-Tal.

Das ohnehin angespannte Verhältnis beider Staaten wird auch durch eine andere Affäre belastet. Im Rechtsstreit um einen zum Tode verurteilten mutmaßlichen indischen Spion beschuldigte Pakistan das Nachbarland vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag des Staatsterrorismus. (APA/dpa/Reuters)