Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.04.2019


Weltpolitik

Sie rüsten zum Angriff auf Donald Trump

Eine Rekordzahl von US-De­mo­kraten will zur Präsiden­tenwahl antreten. In der Früh­phase stechen vier Namen heraus.

Parteischwergewicht und Veteran: Joe Biden.

© AFPParteischwergewicht und Veteran: Joe Biden.



Von Floo Weißmann

Washington — Im Schatten der Grabenkämpfe in Washington wächst die Zahl der Demokraten, die US-Präsident Donald Trump herausfordern wollen. Die parteiinternen Vorwahlen beginnen zwar erst im Februar 2020. Aber schon jetzt gibt es 18 Bewerbungen um die Präsidentschaftskandidatur, und weitere werden folgen. Damit zeichnet sich die bisher größte und unberechenbarste Vorwahl ab.

Frauen und Männer, Alte und Junge, Linke und Zentristen, Veteranen und Newcomer, Bundes- und Regionalpolitiker, Weiße und Angehörige von Minderheiten purzeln durcheinander. Sie werben mit unterschiedlichen Themen und Strategien um Aufmerksamkeit und Geld.

Bisher führt einer die Umfragen an, der sein Antreten noch gar nicht offiziell gemacht hat: Ex-Vizepräsident Joe Biden. Der 76-Jährige geriet allerdings in den vergangenen Tagen ins Kreuzfeuer, weil er Frauen ungefragt angefasst oder ihnen Bussis aufgedrückt haben soll. Was früher einmal als volksnah durchgegangen sein mag, führt in Zeiten von #MeToo zu Zweifeln, ob Biden die richtige Antwort auf Trump darstellt.

Auf dem zweiten Platz in den Umfragen rangiert der 77-jährige Senator Bernie Sanders. Er verfügt aus dem Vorwahlkampf 2016, in dem er knapp an Hillary Clinton scheiterte, noch über eine eingeschworene Fangemeinde und eine gut geölte Kampagnenmaschine. Sanders sammelte allein im ersten Quartal 18,2 Mio. Dollar an Spenden — mehr als alle anderen Bewerber.

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Führt den linken Parteiflügel: Bernie Sanders.
Führt den linken Parteiflügel: Bernie Sanders.
- AFP

Auf dem dritten Platz in Umfragen und auf dem zweiten beim Spendenaufkommen liegt Senatorin Kamala Harris. Die 54-Jährige hat sich binnen Wochen ins Rampenlicht katapultiert. Sie ist die derzeit aussichtsreichste Frau im Rennen und führt die Verfolgergruppe von Biden und Sanders an, in der die nächste Generation der Demokraten von einem Durchbruch auf nationaler Ebene träumt.

Spricht Frauen und Minderheiten an: K. Harris.
Spricht Frauen und Minderheiten an: K. Harris.
- AFP

Die Rolle des interessantesten Außenseiters spielt aber ein 37-Jähriger namens Pete Buttigieg (sprich: But-etsch-etsch), Bürgermeister der Kleinstadt South Bend im Mittelwesten. Der Harvard-Absolvent spricht sieben Sprachen, diente in Afghanistan, ist mit einem Mann verheiratet und wurde von der New York Times für die Wiedererweckung einer siechenden Stadt gewürdigt. Vor allem aber plaudert sich „Mayor Pete" mit erfrischender Selbstironie und bestechender Analyse durch die TV-Sender.

Hat einen Medienhype ausgelöst: Pete Buttigieg.
Hat einen Medienhype ausgelöst: Pete Buttigieg.
- AFP

Noch ist nicht absehbar, wer die ersten Abstimmungen übersteht und in die engere Wahl kommt. Es kann sein, dass Biden, Sanders, Harris und Buttigieg bis dahin keine Rolle mehr spielen. Formal gekürt wird der Kandidat erst auf dem Parteitag Mitte Juli 2020 in Milwaukee.

Republikaner:

Präsident Donald Trump gilt als so gut wie sicherer Kandidat. Rein formal gibt es aber einen parteiinternen Herausforderer, nämlich William Weld, den libertär orientierten früheren Gouverneur von Massachusetts. Auch Larry Hogan (Gouverneur von Maryland) und John Kasich (Ex-Gouverneur von Ohio) sollen eine Bewerbung prüfen.

Senatoren

Cory Booker (New Jersey), Kirsten Gillibrand (New York), Kamala Harris (Kalifornien), Amy Klobuchar (Minnesota), Bernie Sanders (Vermont), Elizabeth Warren (Massachusetts).

Aktive und ehemalige Abgeordnete:

John Delaney (Maryland), Tulsi Gabbard (Hawaii), Tim Ryan (Ohio), Eric Swalwell (Kalifornien).

Aktive und Ex-Gourverneure:

John Hickenlooper (Colorado), Jay Inslee (Washington State).

Bürgermeister

Pete Buttigieg (South Bend, Indiana), Wayne Messam (Miramar, Florida).

Sonstige:

Julian Castro (Ex-Wohnbauminister), Beto O'Rourke (gescheiterter Senatskandidat; Texas), Marianne Williamson (Autorin), Andrew Young (Manager im IT- und Sozialbereich).

Prüfen Bewerbung:

Joe Biden (Ex-Vizepräsident), Bill de Blasio (Bürgermeister von New York), Steve Bullock (Gouverneur; Montana), Stacey Abrams (gescheiterte Gouverneurskandidatin; Georgia), Michael Bennet (Senator; Colorado), Terry McAuliffe (Ex-Gouverneur; Virginia), Seth Moulton (Abgeordneter; Massachusetts), Howard Schultz (Ex-Chef von Starbucks), ...

Abgesagt:

Michael Bloomberg (Ex-Bürgermeister von New York), Hillary Clinton (Ex-Präsidentschaftskandidatin) und Oprah Winfrey (Medienmogul) gehören zu den Prominenten, die Bewerbungsabsichten offiziell dementiert haben.


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