Letztes Update am Do, 11.04.2019 17:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


London

Assange in Haft: USA klagen Wikileaks-Gründer wegen Hacking an

Nach sieben Jahren in der Botschaft von Ecuador in London wurde Julian Assange nun von der britischen Polizei verhaftet. Ein Auslieferungsantrag der USA liegt bereits vor.

Wikileaks-Gründer Julian Assange.

© AFPWikileaks-Gründer Julian Assange.



London — WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist nach Angaben der britischen Polizei in London festgenommen worden. Die Polizei teilte mit, sie habe am Donnerstag die Erlaubnis bekommen, die ecuadorianische Botschaft zu betreten, nachdem die Regierung in Quito ihr Asyl für Assange zurückgezogen habe.

Für den festgenommenen WikiLeaks-Gründer Julian Assange liegt ein Auslieferungsersuchen aus den USA vor. Das bestätigte die britische Polizei am Donnerstag in London. Assange wurde in den USA wegen "Hackerangriffen" angeklagt. Wie das US-Justizministerium am Donnerstag mitteilte, wird Assange zur Last gelegt, 2010 Regierungscomputer attackiert und geheime Dokumente von US-Militärrechnern heruntergeladen zu haben. Nach Angaben des Justizministeriums drohen ihm damit bis zu fünf Jahre Haft.

Die britische Premierministerin Theresa May verteidigte die Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange. "In Großbritannien steht niemand über dem Gesetz", erklärte May am Donnerstag im Parlament in London und dankte Ecuador für die Zusammenarbeit sowie der Polizei für ihre "große Professionalität".

Ein britisches Gericht hat Assange postwendend am Donnerstag in London für schuldig befunden, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Dafür droht ihm in Großbritannien nun eine Haftstrafe von bis zu zwölf Monaten.

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Russland und Wikileaks kritisieren Festnahme

Russland sieht nach der Festnahme von Assange unterdessen dessen Aussichten auf ein faires Verfahren in Gefahr. "Wir hoffen natürlich, dass alle seine Rechte eingehalten werden", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau, ohne weitere Details zu nennen. Das russische Außenministerium kritisierte die Festnahme mit scharfen Worten.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks bezeichnete den Entzug des Asyls am Donnerstag in einer Stellungnahme als "illegal". In der Vorwoche hatte WikiLeaks bereits mitgeteilt, dem 47-Jährigen drohe ein Botschaftsverweis "binnen Stunden oder Tagen". In einem Statement des Assange-Anwalts, das von Wikileaks geteilt wurde, forderte dieser, Großbritannien müsste sich nun um die Gesundheit Assanges kümmern. Die Versorgung sei ihm zuvor für Jahre verweigert worden. Die USA würden nun versuchen, einen Journalisten für die "Veröffentlichungen von wahrheitsgetreuen Informationen" zu verfolgen, so Pollack zum Ausflieferungsantrag der USA.

Der Australier lebte seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London, nachdem das lateinamerikanische Land ihm Asyl gewährt hatte und damit vor einer Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen schützte. Inzwischen wurden die Ermittlungen in Schweden eingestellt.

Aufdecker Edward Snowden teilte ein Video, das zeigt, wie Assange aus der Botschaft getragen wird. Er schrieb von einem "dunklen Tag für die Pressefreiheit".

Die britische Polizei hatte in der Vergangenheit angekündigt, Assange wegen Verstößen gegen Kautionsauflagen festzunehmen, sollte er das Botschaftsgebäude verlassen. Der Gründer der Enthüllungsplattform befürchtet, an die USA ausgeliefert zu werden. Dort wird gegen ihn ermittelt, weil WikiLeaks zahlreiche geheime US-Dokumente veröffentlicht hat.

Erste Veröffentlichungen zeigten geheimes US-Material

WikiLeaks trat zunächst in Erscheinung mit der Veröffentlichung geheimer US-Dateien, die unter anderem Menschenrechtsverletzungen und die Tötung von Zivilisten durch amerikanische Truppen in Afghanistan dokumentierten. Zuletzt geriet er aber ins Visier von US-Ermittlern eher wegen der Veröffentlichung von E-Mails der Demokratischen Partei im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016, die mutmaßlich von russischen Hackern erbeutet worden waren. Das wurde von US-Behörden als möglicher Teil einer Moskauer Kampagne zur Destabilisierung der US-Wahl betrachtet.

Russland hatte 2013 ebenfalls international für Schlagzeilen mit der Aufnahme des US-Whistleblowers Edward Snowden gesorgt. Er hatte die Überwachungspraktiken des US-Geheimdienstes NSA öffentlich gemacht und bekam dabei auch Hilfe von WikiLeaks. Seitdem lebt Snowden an einem geheimen Ort in Russland. Snowdens russischer Anwalt betonte, dass die Festnahme von Assange keinerlei Auswirkungen auf den Fall seines Mandaten habe. "Sie sind nicht miteinander verbunden", sagte der Jurist Anatoli Kutscherena der Agentur Interfax. (APA/Reuters/AFP)


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