Letztes Update am So, 21.04.2019 20:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltpolitik

Militärrat im Sudan erklärte Bereitschaft zur Machtübergabe

Eine Reaktion auf die Forderungen der Demonstranten wurde bis Ende kommender Woche angekündigt. Die Anführer der Massenproteste fordern die Einsetzung einer Zivilregierung. Im Haus des abgesetzten Langzeitpräsidenten Omar al-Bashir wurden indes Millionen gefunden.

Die Demonstranten fordern eine Zivilregierung.

© AFPDie Demonstranten fordern eine Zivilregierung.



Khartum – Der Militärrat im Sudan hat sich bereit erklärt, die Macht an eine Zivilregierung abzugeben. „Bis Ende der Woche“ werde der Militärrat auf die Forderungen der Demonstranten reagieren, sagte General Abdel Fattah al-Burhan, Chef des regierenden Militärrats, in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen am Sonntag.

Die Anführer der Massenproteste im Sudan fordern die Einsetzung einer Zivilregierung. Am Freitag hatten sie angekündigt, einen sogenannten Zivilrat zu bilden, der den Militärrat ersetzen soll. Daraufhin einigten sich beide Seiten am Samstagabend auf eine Fortführung der Gespräche über die Machtübergabe.

Am 11. April war der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Staatschef Omar al-Bashir nach monatelangen Massenprotesten vom Militär gestürzt worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurde ein Militärrat eingesetzt. An dessen Spitze steht inzwischen General Burhan.

Ermittler finden in Bashirs Haus Millionen

Ermittler haben unterdessen in Bashirs Haus rund sieben Millionen Euro Bargeld gefunden. Es sei daher ein Verfahren wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäsche eröffnet worden, erklärte ein ranghoher Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft in Khartum. Nun würden weitere Durchsuchungen bei anderen Mitgliedern von Al-Bashirs früherem Führungszirkel durchgeführt, sagte er weiter. Der Mitarbeiter wollte nicht namentlich genannt werden.

Ermittler fanden demnach bei der Durchsuchung von Bashirs Residenz rund 6,7 Millionen Euro, 350.000 US-Dollar und etwa 5 Millionen sudanesische Pfund (etwa 90.000 Euro). Der Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft erklärte am Samstagabend, die Ermittlungen seien Teil der Bemühungen der Militärführung, Bashirs korruptes System trocken zu legen. In den vergangenen Tagen wurden bereits mehrere prominente Politiker der Regierungspartei NCP verhaftet.

Saudi-Arabien und Emirate sagen Milliardenhilfe zu

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben dem Land indes Hilfe in der Höhe von drei Milliarden Dollar (2,67 Mrd. Euro) zugesagt. Beide Länder seien sich ihrer Pflicht gegenüber dem sudanesischen Volk bewusst, meldete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA am Sonntag.

500 Millionen Dollar sollten als Einlage für die Zentralbank zur Verfügung gestellt werden, um den Druck auf das sudanesische Pfund zu mindern, hieß es weiter. Der Rest umfasse Nahrung, Medizin und Ölprodukte. Ein Zeitrahmen für die Hilfe wurde nicht genannt.

Saudi-Arabien und die VAE pflegten gute Beziehungen zu Langzeitherrscher Bashir. Beide Länder bemühen sich seit längerem darum, ihren Einfluss in Afrika weiter auszudehnen. Die beiden Golfstaaten unterhalten Beziehungen zum Chef des militärischen Übergangsrats im Sudan, Abdel Fattah al-Burhan. (APA/AFP/dpa/Reuters, TT.com)