Letztes Update am Mo, 22.04.2019 15:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine-Wahl

Haushoher Sieg von Selenskyj gegen Poroschenko bestätigt

Der Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskyi konnte den amtierenden Präsidenten vom Thron stoßen. Bislang stellte Selenskyi den Präsidenten in einer Serie dar. Nun will der pro-westliche Politiker die Ukraine in die EU führen.

Wolodymyr Selenskyj beerbt Petro Poroschenko als Präsident der Ukraine.

© AFPWolodymyr Selenskyj beerbt Petro Poroschenko als Präsident der Ukraine.



Kiew – Der haushohe Sieg von Herausforderer Wolodymyr Selenskyj bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine wird nun auch durch die vorläufigen Ergebnisse gestützt.

Der bisherige Präsident Petro Poroschenko räumte bereits seine Niederlage ein.
Der bisherige Präsident Petro Poroschenko räumte bereits seine Niederlage ein.
- AFP

Nach der am frühen Montagmorgen von der Wahlkommission veröffentlichten Auszählung von gut der Hälfte der abgegebenen Stimmen kam der designierte neue Präsident auf rund 73 Prozent, Amtsinhaber Petro Poroschenko dagegen nur auf knapp 25 Prozent. Damit wurde die Prognose vom Sonntagabend unmittelbar nach Schließung der Wahllokale bestätigt.

Poroschenko hatte seine Niederlage bereits eingeräumt. Der 41-jährige Polit-Neuling Selenskyj, der als Schauspieler und Komiker Prominenz erlangt hatte, versprach den Bürgern, die korrupten Machtstrukturen in der Ukraine zerstören zu wollen.

Staatsoberhaupt ohne Regierungserfahrung

Mit Selenskyj kommt in dem Land zwischen der EU und Russland erstmals ein Staatsoberhaupt ohne jedwede Regierungserfahrung ins Amt. Zudem hat noch nie ein Präsident der unabhängigen Ukraine ein solch starkes Ergebnis erzielt. Selenskyj, der jüngste Präsident der ukrainischen Geschichte, strebt einen EU-Beitritt an. Über einen umstrittenen NATO-Beitritt der Ukraine soll eine Volksabstimmung entscheiden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Selenskyj kündigte zudem an, den Friedensplan für den umkämpften Osten wiederzubeleben. Seit 2014 kämpfen in den Gebieten Donezk und Luhansk Regierungssoldaten gegen prorussische Separatisten. Rund 13 000 Menschen sind dabei nach UN-Angaben getötet worden.

Trump gratulierte neuem Präsidenten

Nach seinem Sieg bei der Stichwahl um das ukrainische Präsidentenamt haben mehrere Staats- und Regierungschefs dem Schauspieler Wolodymyr Selenskyj gratuliert. US-Präsident Donald Trump habe den 41-Jährigen angerufen und auch das ukrainische Volk zur friedlichen und demokratischen Wahl beglückwünscht, teilte sein Sonderbeauftragter Kurt Volker auf Twitter mit.

„Wir werden die Ukraine weiter unterstützen bei ihren Anstrengungen, die territoriale Unversehrtheit herzustellen und Russlands Aggression abzuwehren“, schrieb der US-Vertreter nach der Wahl am Sonntag.

Der Kreml äußerte sich ausgesprochen zurückhaltend zu einer künftigen Kooperation. Es sei „zu früh“, über einen Glückwunsch von Präsident Wladimir Putin an Selenskyj oder „die Möglichkeit einer Zusammenarbeit“ zu sprechen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau.

Nur anhand von „Taten“ könne dies beurteilt werden, hieß es weiter. Peskow sagte zwar, dass Moskau die Wahl der ukrainischen Bevölkerung „respektiere“. Zugleich zog er aber die Legitimität der gesamten Präsidentschaftswahl in Zweifel, da ukrainische Bürger in Russland von der Wahl ausgeschlossen worden seien.

Selenskyj stellte Präsidenten in Comedy-Serie dar

Der prowestliche Fernsehstar Selenskyj, der bisher den Präsidenten in einer Comedy-Serie spielte, kam nach Auszählung von mehr 90 Prozent der Wahlzettel auf 73 Prozent der Stimmen. Das teilte die Wahlkommission am Montag in Kiew mit. Amtsinhaber Petro Poroschenko war weit abgeschlagen bei 24,5 Prozent der Stimmen. Viele Wahlzettel waren ungültig.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte Selenskyj am Telefon, wie der Wahlsieger auf seiner Facebook-Seite mitteilte. Macron hatte den Komiker wie auch Poroschenko kurz vor der Abstimmung in Paris empfangen. Dagegen hatte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin nur Poroschenko getroffen. Auf Twitter gab es zudem Glückwünsche von der EU und der NATO.

In Russland äußerten Politiker die Hoffnung auf einen eigenständigen politischen Kurs des neuen Präsidenten und auf einen Neustart in den Beziehungen mit der Ukraine. US-Vertreter Volker hatte schon vor der Abstimmung deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten ihr Engagement in der Ukraine auf lange Sicht angelegt hätten. Vor allem auch mit US-Hilfe hatte der scheidende Poroschenko das Militär in der Ex-Sowjetrepublik wieder gestärkt. Die USA dankten Poroschenko.

Österreichische Ukraine wählten mehrheitlich Poroschenko

In Österreich lebende Ukrainer stimmten indes am Sonntag auch beim zweiten Durchgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen mehrheitlich für den noch amtierenden Präsidenten. Petro Poroschenko kam in der ukrainischen Botschaft in Wien auf 66,36 Prozent der abgegeben, gültigen Stimmen, sein Herausforderer Wolodymyr Selenskyj lediglich auf 31,52 Prozent.

Zumindest in Österreich punktete Poroschenko mit seinem Schlusswahlkampf: Seit dem ersten Wahlgang am 31. März konnte er um 20,24 Prozent zulegen, der Anteil seines Konkurrenten Selenskyj wuchs hingegen nur um 12,13 Prozent an. Mit 1.100 abgegebenen Stimmen lag die Wahlbeteiligung im einzigen ukrainischen Wahllokal in Österreich am Sonntag höher als im ersten Wahlgang. Vor drei Wochen hatten lediglich 954 Ukrainer an den Wahlen teilgenommen.

Das Wahlergebnis in Österreich entspricht in etwa dem Ergebnis der Oblast von Lwiw (Lemberg), wo Petro Poroschenko auf 63,07 Prozent der Stimmen kam. Diese westukrainische Oblast mit historischen Verbindungen zu Österreich war am Sonntag die einzige Region innerhalb der Ukraine, in der der amtierende Präsident siegte. Abgesehen davon konnte Poroschenko lediglich außerhalb der Ukraine reüssieren, wo für ihn weltweit 54,73 Prozent von knapp 60.000 wählenden Auslandsukrainern votierten. (TT.com/APA)

-

Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Etwa 1000 US-Soldaten verlassen Syrien - nur 150 bleiben im Süden stationiert.News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

Trump schreibt sich “großen Erfolg“ in Syrien auf die Fahne

In der Whistleblower-Affäre steht US-Präsident Trump massiv unter Druck. Die Demokraten leiteten ein Amtsenthebungsverfahren ein. Kritik aus den Reihen der R ...

Justin Trudeau nach der Wahl.Parlamentswahl
Parlamentswahl

Kanada-Wahl: Schwieriger Balanceakt für Premier Justin Trudeau

Mit 157 Sitzen im Parlament halten Trudeaus Liberale die oppositionellen Konservativen (121 Sitze) auf Respektabstand. Von einer absoluten Mehrheit ab 170 Si ...

Mehr als sechs Stunden haben Putin und Erdogan über Syrien verhandelt.Waffenruhe
Waffenruhe

Neue Waffenruhe für Nordsyrien vereinbart, Erdogan droht weiter

In Nordsyrien sollen für weitere 150 Stunden die Waffen ruhen. Das haben Russlands Präsident Putin und der türkische Staatschef Erdogan so vereinbart. Dennoc ...

Trudeau hat Grund zu jubeln.Parlamentswahlen in Kanada
Parlamentswahlen in Kanada

Der kanadische Anti-Trump kann weitermachen

Anders als Trump steht Trudeau für Toleranz, Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge sowie Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Bei der Wahl ging er zwar ...

Japans neuer Kaiser Naruhito bestieg endgültig Chrysanthementhron.Japan
Japan

Japans neuer Kaiser bestieg den Thron – und der Himmel hatte ein Einsehen

Japans neuer Kaiser Naruhito wurde am Dienstag bei Regenwetter vor rund 2000 Gästen aus dem In- und Ausland ins Amt eingeführt. Bei der Proklamation lachte a ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »