Letztes Update am Fr, 31.05.2019 15:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltpolitik

Bericht: Nordkorea richtet Sondergesandten nach Gipfel von Hanoi hin

Eine südkoreanische Zeitung berichtet, Kim Hyok-chol sei nach dem Scheitern des Gipfels von Hanoi erschossen worden. Die Übersetzerin des nordkoreanischen Machthabers sei in ein Gefangenenlager gebracht worden, heißt es.

Der Sondergesandte wurde offenbar nach Scheitern des Gipfels in Hanoi hingerichtet.

© AFPDer Sondergesandte wurde offenbar nach Scheitern des Gipfels in Hanoi hingerichtet.



Seoul – Nordkorea hat seinen Sondergesandten für die USA nach dem gescheiterten Gipfeltreffen von Hanoi einem südkoreanischen Zeitungsbericht zufolge hingerichtet. Kim Hyok-chol sei nach seiner Rückkehr im März am Mirim-Flughafen bei Pjöngjang erschossen worden, berichtete die Tageszeitung Chosun Ilbo am Freitag unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.

Kim Hyok-chol hatte zusammen mit dem US-Gesandten Stephen Biegun das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un vorbereitet.

Übersetzerin in Gefangenenlager geschickt

Neben Kim Hyok-chol seien vier weitere hochrangige Mitarbeiter des nordkoreanischen Außenministeriums nach einer „Untersuchung“ hingerichtet worden. Nach Angaben der Zeitung wurde zudem die Übersetzerin des nordkoreanischen Machthabers, Shin Hye-yong, nach dem Gipfel in ein Gefangenenlager geschickt. Sie habe ein neues Angebot Kims kurz vor dem Abbruch der Gespräche mit Trump nicht übersetzt.

Auch der hochrangige Vertreter der kommunistischen Partei Nordkoreas, Kim Yong-chol, wurde der Zeitung zufolge in einem Arbeitslager eingesperrt. Er hatte als Gesandter in den Atomgesprächen mit US-Außenminister Mike Pompeo verhandelt. Kim Yong-chol galt als enger Vertrauter des nordkoreanischen Machthabers. Er reiste mit ihm im gepanzerten Zug zu dem Gipfel in Vietnam.

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USA wollen Fall prüfen

Pompeo sagte bei seinem Berlin-Besuch vor Journalisten, Washington werde dem Bericht nachgehen. „Wir tun unser Bestes, um das zu überprüfen“, sagte Pompeo. „Ich habe dem heute nichts mehr hinzuzufügen.“

Von offizieller Seite in Nordkorea lag zunächst keine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht über die Hinrichtungen vor. Das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung wollte sich nicht dazu äußern.

In der Vergangenheit hatten sich südkoreanische Berichte über Hinrichtungen in Nordkorea jedoch mitunter als falsch erwiesen. So hatte die „Chosun Ilbo“ im Jahr 2013 berichtet, der Leiter des nordkoreanischen Symphonieorchesters sei wegen der Verbreitung von Pornografie erschossen worden. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus.

Ende Februar war der Gipfel in Vietnam ergebnislos abgebrochen worden. Trump begründete dies mit unzureichenden Zugeständnissen Kims bei der atomaren Abrüstung. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, nach Angaben aus US-Regierungskreisen im Gegenzug aber nur angeboten, Teile der Atomanlage Yongbyon stillzulegen.

(APA/AFP/Reuters)