Letztes Update am Do, 06.06.2019 18:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Afghanistan

Friedensaktivisten nach „Gesprächen“ mit Taliban wieder aufgetaucht

Ein Gruppe von Aktivisten war vor einigen Tagen bei einem Friedensmarsch verschwunden.

Taliban in Afghanistan. (Archivbild)

© ReutersTaliban in Afghanistan. (Archivbild)



Kabul – Mehrere Tage nach ihrem Verschwinden bei einem Friedensmarsch im Süden Afghanistans sind gut zwei dutzend Aktivisten wieder aufgetaucht. Die Gruppe sei nicht von Taliban-Kämpfern entführt worden, sondern habe lediglich „Gespräche“ mit den Aufständischen geführt, sagten Mitglieder der afghanischen Volksbewegung für den Frieden am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Allen Verschwundenen geht es demnach gut. Anhänger der Volksbewegung für den Frieden hatten im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht, als sie aus Protest gegen die anhaltende Gewalt im Land quer durch Afghanistan gewandert waren. In der vergangenen Woche war eine rund 30-köpfige Gruppe zu einem neuen Marsch in Lashkar Gah in der südwestlichen Provinz Helmand aufgebrochen. Ziel des Marsches sollte die Taliban-Hochburg Mosa Kala sein.

„Es geht ihnen allen gut“

Als die Gruppe am Sonntag in ein Gebiet unter Kontrolle der Taliban kam, wurden vier Männer von Taliban-Kämpfern in Autos gesetzt und mitgenommen. Die meisten anderen Teilnehmer des Friedensmarsches wurden am Montag ebenfalls weggebracht.

Die Aktivisten seien nicht entführt worden, sagte ihr Sprecher Bismillah Watandost, der bei der mutmaßlichen Entführung dabei war, AFP. Sie hätten nur nicht mehr kommunizieren können, weil ihre Handys in dem Taliban-Gebiet nicht funktioniert hätten. Der Aktivist Abdul Malik Hamdard sagte, die Friedensbewegung habe die Aktivisten nach „Gesprächen“ mit den Taliban wieder abholen können. „Es geht ihnen allen gut.“

„Gute Nachrichten“ mitgebracht

Die Gruppe habe „einige gute Nachrichten“ von dem Treffen mit den Taliban mitgebracht, sagte Watandost. Einzelheiten wollen die Aktivisten demnach am Freitag bekanntgeben, unter anderem „wen wir getroffen und worüber wie gesprochen haben“. Ein Sprecher der Taliban war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Gruppe ist nach eigenen Angaben inzwischen auf dem Rückweg nach Lashkar Gah.

Watandost hatte AFP in der vergangenen Woche gesagt, die Gruppe wolle den Taliban mit dem Marsch deutlich machen, wie sehr die afghanische Bevölkerung unter der Situation im Land leide. Nach UN-Angaben wurden im vergangenen Jahr in Afghanistan 4000 Zivilisten getötet, mehr als 7000 wurden verletzt. (APA, AFP)