Letztes Update am Mi, 12.06.2019 22:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland

Demonstranten festgenommen: Nawalny wieder auf freiem Fuß

Die Demonstranten forderten eine Bestrafung jener Polizisten, die für die umstrittene Inhaftierung des Journalisten Iwan Golunow verantwortlich gewesen seien.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny.

© AFPKreml-Kritiker Alexej Nawalny.



Moskau – Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach seiner Festnahme bei einer Solidaritätskundgebung für den russischen Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow in Moskau wieder auf freien Fuß. Das teilte er am Mittwochabend auf Twitter mit.

Hunderte Menschen waren am Mittwoch bei Protesten in der russischen Hauptstadt festgesetzt worden. Viele von ihnen konnten dem Bürgerrechtsportal „OWD-Info“ zufolge noch am Abend wieder nach Hause gehen. Die Polizei hatte von rund 1200 Demonstranten gesprochen, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete. Unter den Festgenommenen sind auch Journalisten.

Die Demonstranten forderten eine Bestrafung jener Polizisten, die für die umstrittene Inhaftierung Golunows verantwortlich gewesen seien. Die russischen Behörden hatten Golunow am Dienstag überraschend freigelassen und alle Anschuldigungen gegen ihn mangels Beweisen fallengelassen.

Fahnder hatten zuvor behauptet, Golunow habe in seinem Rucksack und in seiner Wohnung Drogen gehabt. Die Drogengeschichte galt als inszeniert, um den für seine Artikel über Korruption bekannten Reporter mundtot zu machen. Er hatte für sein Internetportal „Medusa“ etwa enthüllt, wie Polizei und Geheimdienstler sich im Beerdigungsgeschäft bereicherten.

„Stoppt Polizeiterror“

Die Bürgerrechtsorganisation OVD-Info meldete die Festnahme von mindestens 94 Menschen bei der Kundgebung. Ihr Protest habe sich gegen die Rolle der Polizei im Fall Golunow gerichtet. Die Demonstranten riefen demnach „Schande“ und „Stoppt Polizeiterror“.

Die Festnahme des Investigativ-Journalisten hatte eine Welle der Empörung in der russischen Bevölkerung ausgelöst. Zahlreiche russische Kollegen Golunows und internationale Organisationen verurteilten das Vorgehen der Behörden.

Golunow war am Donnerstag festgenommen worden. Am Samstag ordnete ein Haftrichter zwei Monate Hausarrest an. Golunow bestritt die Vorwürfe. Die Drogen seien ihm untergeschoben worden. Der 36-Jährige gab zudem an, im Polizeigewahrsam gefoltert worden zu sein. Am Dienstag teilte Innenminister Wladimir Kolokolzew mit, die Ermittlungen würden eingestellt und der Hausarrest aufgehoben. (APA/AFP/Reuters)