Letztes Update am Di, 18.06.2019 08:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ägypten

Mursi erlitt Herzinfarkt, ägyptischer Ex-Präsident bereits beigesetzt

Am Montag brach der 67-Jährige vor Gericht zusammen, er starb später im Spital. Eine Autopsie habe keine Anzeichen für jüngere Verletzungen ergeben, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Mohammed Mursi stand seit seinem Sturz 2013 immer wieder vor Gericht, hier in einem Prozess 2015.

© AFPMohammed Mursi stand seit seinem Sturz 2013 immer wieder vor Gericht, hier in einem Prozess 2015.



Kairo – Der Tod des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi bei einem Gerichtsverfahren ist einem Medienbericht zufolge auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Mursi sei wegen einer Tumorerkrankung fortlaufend behandelt worden, berichtete das Staatsfernsehen am Dienstag unter Berufung auf Ärzte. Mursi war am Montag bei einer Anhörung vor Gericht ohnmächtig zusammengebrochen und später gestorben.

Eine Autopsie habe keine Anzeichen für jüngere Verletzungen ergeben, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maksud sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der 67-Jährige sei während seiner Haft in schlechter gesundheitlicher Verfassung gewesen. „Wir haben mehrere Anträge auf Behandlung gestellt“, sagte er. „Einige wurden genehmigt, andere nicht.“

Beisetzung in Kairo

Mursi wurde bereits Dienstagfrüh in Kairo beigesetzt. Der 67-Jährige sei im Stadtteil Medinat Nasr im Osten der ägyptischen Hauptstadt im Beisein seiner Familie bestattet worden, sagte Anwalt Abdelmoneim Abdel Maksud der Nachrichtenagentur AFP. Das Totengebet sei zuvor im Krankenhaus des Tora-Gefängnisses gesprochen worden, in dem Mursi am Montag für tot erklärt worden war.

Mursis Freiheits- und Gerechtigkeitspartei – der politische Arm der Muslimbruderschaft – sprach von einem „Mord“. Die schlechten Haftbedingungen Mursis hätten das Ziel gehabt, den Ex-Präsidenten langsam zu töten. Auch Menschenrechtsaktivisten übten Kritik an den Haftbedingungen und forderten eine Untersuchung.

Mursi wurde 2012 erster frei gewählter Präsident des Landes. Kritiker warfen ihm vor, seine Macht ausbauen und religiösen Ansichten der Brüder durchdrücken zu wollen sowie mit seiner Wirtschaftspolitik gescheitert zu sein. Mursi hatte dies zurückgewiesen. Nach Massenprotesten gegen ihn wurde er 2013 von der Armee gestürzt. Mursi verbüßte im Gefängnis unter anderem eine lebenslange Strafe wegen Spionage. Bei der Anhörung am Montag ging es ebenfalls um Vorwürfe der Spionage, diesmal im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verbindungen zur radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas. (APA/Reuters/AFP, TT.com)


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