Letztes Update am So, 30.06.2019 12:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Korea-Konflikt

Trump betrat als erster amtierender US-Präsident Nordkorea

Es war ein Handschlag von großer Symbolkraft: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un haben sich bei ihrem Treffen an der innerkoreanischen Grenze darauf verständigt, die Gespräche beider Länder wieder aufzunehmen.

An der innerkoreanischen Grenze vollzog Trump am Sonntag einen historischen Handschlag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un.

© AFPAn der innerkoreanischen Grenze vollzog Trump am Sonntag einen historischen Handschlag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un.



Panmunjom – Als erster amtierender US-Präsident hat Donald Trump nordkoreanischen Boden betreten. An der innerkoreanischen Grenze vollzog er am Sonntag einen historischen Handschlag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Bei dem Treffen am Grenzort Panmunjom sagte Trump laut Nachrichtenagentur AFP außerdem, er wolle Kim nun auch ins Weiße Haus nach Washington einladen.

Kim sagte, er hätte nicht erwartet, Trump jemals an der innerkoreanischen Grenze zu treffen. Trump betonte mehrmals sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim, dem er zuvor bereits zweimal bei Gipfeltreffen in Singapur und Hanoi begegnet war. „Wir mochten uns vom ersten Tag an“, sagte Trump.

Trump hatte das Treffen angeblich in einer spontanen Einladung erst am Vortag via Twitter initiiert. In der Folge gab es eine hektische Last-Minute-Diplomatie, die offenbar zur Akzeptierung der Einladung seitens Nordkoreas geführt hat.

 Trump trat über die Grenze und ging ein paar Schritte auf nordkoreanischem Boden.
Trump trat über die Grenze und ging ein paar Schritte auf nordkoreanischem Boden.
- AFP

„Gestern habe ich mir so gedacht: Hey, wir sind hier, lasst uns treffen“, hatte Trump kurz vor dem Treffen gesagt. Dann habe er seine Twitter-Nachricht herausgegeben. „Nur Händeschütteln und Hallo sagen“, sagte Trump.

Im Anschluss an das rund einstündige Treffen sagte er, sie hätten sich darauf verständigt, die Gespräche beider Länder wieder aufzunehmen. Der nordkoreanische Machthaber könne ihn besuchen, „wann immer er will“, sagte der US-Präsident beim Treffen. „Eines Tages“ werde es zu einem Besuch Kims in den USA kommen.

Donald Trump und Kim Jong-un an der innerkoreanischen Grenzlinie.
Donald Trump und Kim Jong-un an der innerkoreanischen Grenzlinie.
- AFP

In den nächsten Wochen sollen Arbeitsgruppen auf beiden Seiten für die Wiederaufnahme der Gespräche gebildet werden. Die US-Gruppe werde von Außenminister Mike Pompeo zusammengesetzt. Die USA streben die vollkommene Atomabrüstung Nordkoreas an. Außerdem wird von den USA und auch von Südkorea ein offizieller Friedensschluss in Korea angestrebt. Über welche Einzelheiten die Arbeitsgruppe zuerst sprechen sollen, sagte Trump zunächst nicht. Er machte deutlich, dass die umfangreichen Sanktionen gegen Nordkorea weiter in Kraft bleiben.

Der US-Präsident bezeichnete sein Treffen mit Kim an der Grenze als „legendären Moment“. Trump hatte als erster US-Präsident im Amt nordkoreanischen Boden betreten und war anschließend zu einer knapp einstündigen Unterredung mit Kim zusammengekommen.

Moon: Ereignis von großer Symbolkraft

Südkoreas Präsident Moon Jae-in, der Trump in die entmilitarisierte Zone, nicht aber zum Handschlag mit Kim begleitete, hatte die Pläne für ein kurzes Treffen („zwei Minuten“) mit Kim zuvor als Ereignis von hoher Symbolkraft begrüßt. Ein Treffen zwischen Trump und Kim wäre ein „bedeutender Meilenstein“, hatte Moon gesagt. Er könne fühlen, „dass die Blume des Friedens auf der koreanischen Halbinsel“ blühe.

Die entmilitarisierte Zone (DMZ) trennt Süd- und Nordkorea seit ihrem Bruderkrieg (1950-53) auf vier Kilometern Breite und etwa 250 Kilometern Länge. Trump und Moon wollen Angaben des Weißen Hauses zufolge ihre Anstrengungen fortsetzen, eine vollkommen überprüfbare atomare Abrüstung Nordkoreas zu erreichen. Außerdem sollen die Beziehungen zwischen den USA und Südkorea gestärkt werden.

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim im Februar in Vietnam gibt es keine Fortschritte im Atomstreit mit Nordkorea. Beide Seiten konnten in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Pjöngjangs und Gegenleistungen der USA keine Einigung erzielen. Von ihrem ersten Gipfel in Singapur im Jahr 2018 waren hoffnungsvolle Signale ausgegangen. Kim hatte seine Bereitschaft zu einer „kompletten Denuklearisierung“ bekräftigt. Doch gibt es bisher keine konkreten Zusagen, bis wann die kommunistische Führung in Pjöngjang ihr Atomwaffenarsenal abrüsten will.

Die USA verlangen von Nordkorea den Verzicht auf Atomwaffen, Nordkorea will die Aufhebung von Sanktionen. Noch vor wenigen Tagen hatte Nordkorea im Atomstreit mehr Entgegenkommen von den USA gefordert. Das Zeitfenster für neue Gespräche schrumpfe.

Experten: „Begegnung nur für Kameras“

Experten sind skeptisch, ob das kurze Treffen an der Grenze dazu beigetragenen kann, die Verhandlungen über Nordkoreas Atomprogramm voranzutreiben. Es handle sich um „eine Begegnung für die Kameras und ohne Tagesordnung“, sagte der US-Politikwissenschaftler Joshua Pollack. Um Bewegung in den Konflikt zu bringen, sei mehr nötig als ein weiterer Handschlag und die kurzen Briefe, die sich Trump und Kim regelmäßig schreiben.

In der entmilitarisierten Zone hatten sich der südkoreanische Präsident Moon und Kim im April vergangenen Jahres zu einem ersten Gipfel getroffen, was als weiteres Zeichen des diplomatischen Tauwetters zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten gewertet wurde. Ob es einen weiteren Gipfel zwischen Trump und Kim geben werde, hänge von dem Treffen am Sonntag ab, sagte Moon bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Trump zu Mittag in Seoul. Es gebe beträchtliche Fortschritte mit Nordkorea, sagte Trump. „Ich denke, ich verstehe Kim und das kann manchmal zu etwas Gutem führen.“ Trump war am Samstagabend vom G-20-Gipfel in Osaka zu Gesprächen mit Moon nach Südkorea geflogen. Er habe viel Zeit und sei nicht in Eile ein Abkommen mit Nordkorea zu erzielen, sagte Trump.

Vor der Zusammenkunft mit Kim hatte Moon Trump die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea gezeigt. Von einem Wachposten aus blickten sie vom Süden in den Norden. Sie kamen auch mit dort stationierten Soldaten zusammen. Trump hatte die Grenze schon 2017 besuchen wollen, damals hatte Nebel die Reise jedoch verhindert.

Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag auf der geteilten koreanischen Halbinsel. Im Juni 1950 hatten nordkoreanische Truppen die nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA und der Sowjetunion festgelegte Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrades überschritten. Der Weltsicherheitsrat beschloss damals auf Initiative der USA, Südkorea mit UNO-Truppen zu Hilfe zu kommen. Die Sowjetunion boykottierte die Sitzung; so war kein Vertreter Moskaus zugegen, um ein Veto dagegen einlegen zu können. Die USA stellten das weitaus größte Truppenkontingent der UNO-Streitmacht. China unterstützte Nordkorea mit einer großen „Freiwilligen“-Armee. Der verheerende Krieg wurde durch einen bis heute gültigen Waffenstillstand beendet; dieser wurde von einem US-General im Namen der Vereinten Nationen unterzeichnet. Das Atomwaffen- und Raketenprogramm Nordkoreas hat den Konflikt seit Anfang der 90er Jahre verstärkt angeheizt. (APA/dpa/Reuters)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

Trump stachelt Hass-Chöre an, US-Marine schoss Drohne Irans ab

US-Präsident Donald Trump hat mehrere Politikerinnen der oppositionellen Demokraten zur Rückkehr in die Herkunftsländer ihrer Familien aufgefordert - und dam ...

SymbolfotoKonflikte
Konflikte

Iran setzt ausländischen Tanker fest: Crew verhaftet

Das Schiff soll an „Ölschmuggel“ in Straße von Hormus beteiligt gewesen sein. 12 Crew-Mitglieder wurden verhaftet. Leichte Entspannung gibt es beim Streit um ...

Security am Tatort.Irak
Irak

Dritter Toter nach Angriff auf türkische Diplomaten im irakischen Erbil

Mindestens ein Angreifer feuerte am Mittwochnachmittag auf mehrere türkische Konsulatsmitarbeiter, die in einem Restaurant in Erbil versammelt waren. Ankara ...

Lieblingsgegnerinnen von US-Präsident Donald Trump: Die demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ayanna Pressley (von links) werden in US-Medien „the Squad“ genannt. Für Trump gehören sie nicht nach Amerika.Weltpolitik
Weltpolitik

Rassismus-Debatte in der US-Politik: Vier Frauen gegen Trump

Mit dem Streit über Rassismus schärfen beide Lager ihr Profil und schließen die Reihen.

Donald Trump und Jeffrey Epstein wirken auf den Aufnahmen sehr vertraut.USA
USA

Video zeigt Trump bei Feier mit Epstein in Mar-a-Lago

Die am Mittwoch veröffentlichten Aufnahmen zeigen Jeffrey Epstein auf einer Party mit Donald Trump, offenbar über anwesende Cheerleader sprechend. Bisher hat ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »