Letztes Update am Mi, 10.07.2019 14:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Atompolitik

IAEA: Iran reichert Uran auf 4,5 Prozent an

Diplomaten aus 35 Ländern werden im Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Mittwoch in Wien beraten.

© APADiplomaten aus 35 Ländern werden im Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Mittwoch in Wien beraten.



Der Iran reichert Uran auf 4,5 Prozent an, habe die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) den Mitgliedsstaaten in Wien mitgeteilt, sagten mit den Zahlen vertraute Diplomaten am Mittwoch. Gemäß dem Atomabkommen darf Teheran Uran nur noch auf 3,67 Prozent anreichern. Zuvor hatte die IAEA nur mitgeteilt, dass der Iran über der 3,67-Prozent-Grenze liege.

Außerdem teilte die IAEA am Mittwoch mit, dass der Iran nun über 213,5 Kilogramm an angereichertem Uran verfüge. Laut Atomdeal seien aber nur 202,8 Kilogramm erlaubt. Am 1. Juli habe der Iran erst über 205 Kilogramm angereichertes Uran verfügt. Diese Daten seien am Dienstag bestätigt worden, sagten drei Diplomaten. (APA/Reuters)

Reduzierung der Urananreicherung und verschärfte Kontrollen

Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich der Iran und die Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland im Juli 2015 auf ein umfassendes Atomabkommen. Es soll sicherstellen, dass der Iran nicht die Fähigkeiten zur Entwicklung von Atomwaffen erlangt. US-Präsident Donald Trump kündigte das Abkommen im Mai 2018 jedoch auf und verhängte neue Sanktionen.
Ein Jahr später setzt Teheran seinerseits Teile des Abkommens aus. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte der Vereinbarung:
1. URANBESTÄNDE
Gemäß dem Abkommen darf Teheran Uran nur noch auf 3,67 Prozent anreichern. Höher angereichertes Uran wurde verdünnt und die Bestände niedrig angereicherten Urans auf 300 Kilogramm begrenzt. An diese beiden Verpflichtungen fühlt sich Teheran jetzt nicht mehr gebunden. Am 1. Juli wurde erstmals die 300-Kilogramm-Grenze überschritten, und am Montag wurde auch erstmals wieder Uran auf 4,5 Prozent angereichert.
2. ZENTRIFUGEN
In der Folge des Abkommens wurde die Anzahl der Zentrifugen in den unterirdischen Urananreicherungsanlagen Fordo und Natans um mehr als zwei Drittel auf 5.060 reduziert. Der Iran sagte außerdem zu, die Entwicklung neuer leistungsfähigerer Zentrifugen zu begrenzen, um eine rasche Erhöhung seiner Anreicherungskapazität auszuschließen. Erst ab 2025 darf der Iran gemäß dem Abkommen die Urananreicherung wieder ausbauen.
3. SCHWERWASSERREAKTOR

Der Schwerwasserreaktor von Arak wurde unter Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) so modifiziert, dass er weniger Plutonium produziert. Weitere Schwerwasserreaktoren darf der Iran nicht errichten. Auch verpflichtete er sich, keine Wiederaufbereitungsanlage zu bauen, die für die Gewinnung von Plutonium notwendig wäre. Neben hochangereichertem Uran kann auch Plutonium zur Entwicklung von Atomwaffen verwendet werden.

4. INSPEKTIONEN

Sämtliche iranischen Atomanlagen einschließlich der Forschungs-und Produktionsstätten sind gemäß dem Abkommen bis zu 25 Jahre umfassenden Kontrollen unterworfen. Die IAEA hat auch das Recht zu kurzfristig angekündigten Inspektionen - selbst auf Militäranlagen. Zwar kann Teheran Einspruch gegen einzelne Inspektionen erheben, doch entscheidet letztlich eine gemeinsame Kommission, in der die Vertragspartner die Mehrheit haben.

5. ÜBERPRÜFUNG
Die Umsetzung der Vereinbarung wird durch die gemeinsame Kommission aus Vertretern des Iran und der Vertragspartner überwacht und gesteuert. Die Einhaltung des Abkommens wird von den IAEA-Experten überprüft. Diese bescheinigten dem Iran seit 2015 immer wieder die vollständige Umsetzung des Abkommens. Für diesen Mittwoch hat die IAEA auf Antrag der USA eine Dringlichkeitssitzung einberufen.
6. SANKTIONEN
Nachdem der Iran allen Verpflichtungen nachgekommen war, wurden im Jänner 2016 die von UNO, USA und EU im Atomstreit verhängten Finanz- und Handelssanktionen aufgehoben. Im Mai 2018 kündigte US-Präsident Trump jedoch das von seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelte Abkommen einseitig auf, weil er die Vereinbarung für unzulänglich hielt. In der Folge verhängte er neue Sanktionen, die er immer weiter verschärfte.
Von den US-Sanktionen sind auch Unternehmen aus Drittstaaten betroffen, die mit dem Iran Geschäfte machen. Die anderen Vertragspartner halten zwar weiter an dem Abkommen fest, haben jedoch nicht verhindern können, dass sich der Großteil ihrer Firmen aus dem Iran zurückgezogen hat. Teheran erhöht mit seinen Ultimaten nun den Druck auf die verbliebenen Vertragspartner, die Wirtschaftsbeziehungen aufrechtzuerhalten.




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