Letztes Update am Mi, 17.07.2019 12:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Ex-Supreme-Court-Richter John Paul Stevens 99-jährig gestorben

John Paul Stevens war Jahrzehnte lang Richter am US-Höchstgericht. Der vom Republikaner Gerald Ford nominierte Jurist wich besonders oft mit seiner Meinung ab.

Barack Obama verlieh Stevens 2012 die "Presidential Medal of Freedom", die höchste zivile Auszeichnung der USA.

© AFPBarack Obama verlieh Stevens 2012 die "Presidential Medal of Freedom", die höchste zivile Auszeichnung der USA.



Washington – Der langjährige US-Supreme-Court-Richter John Paul Stevens ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Wie der Oberste Gerichtshof mitteilte, erlag Stevens am Dienstag (Ortszeit) in einem Krankenhaus in Fort Lauderdale im Bundesstaat Florida den Folgen eines Schlaganfalls.

Der damalige US-Präsident Gerald Ford nominierte den republikanischen Juristen 1975 für den Richterposten am Obersten Gerichtshof. Der Senat befürwortete die Ernennung einstimmig. Nach 35 Jahren schied Stevens 2010 aus dem Richteramt aus.

Höchstgericht wird laut Stevens immer konservativer

Nachdem Stevens mit dem Ruf eines moderaten und auf Ausgleich bedachten Juristen ins Amt gelangt war, stellte er sich mit den Jahren immer häufiger gegen die Mehrheitsmeinung seiner Kollegen. Er gab mehr abweichende Voten ab als irgendein Richter am Obersten Gerichtshof je zuvor. In einem Interview mit der New York Times führte Stevens dies 2007 darauf zurück, dass der Oberste Gerichtshof in den zurückliegenden Jahrzehnten immer konservativer geworden sei.

Eine Frage, mit der Stevens sich immer aufs Neue auseinandersetzte, war die Zulässigkeit von Hinrichtungen. Schon in jungen Jahren hatte er dazu Veranlassung, weil er zu dem Einsatzkommando gehörte, das im Zweiten Weltkrieg den japanischen Admiral Isoroku Yamamoto tötete. Yamamoto hatte den Angriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor kommandiert.

Stevens erhielt für seinen Einsatz eine militärische Auszeichnung, sagte aber noch 2010, er habe es damals als „befremdlich“ empfunden, eine Mission zu erfüllen, die „auf den Mord an einem einzelnen Menschen abzielt“.

2008 erkannte Stevens als Richter den Einsatz einer Todesspritze als legal an, schrieb aber zugleich, die Verhängung der Todesstrafe laufe auf die „sinnlose und überflüssige Auslöschung von Leben“ hinaus und habe nur „geringe Auswirkungen“ auf gesellschaftliche und öffentliche Anliegen. (APA, AFP)

Vor dem Supreme Court weht die Fahne nun auf Halbmast.
Vor dem Supreme Court weht die Fahne nun auf Halbmast.
- AFP