Letztes Update am So, 25.08.2019 12:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verheerende Brände

Soldaten bekämpfen Flammen im brasilianischen Regenwald

Sechs von den Feuern betroffene Bundesstaaten haben bereits um Unterstützung der Streitkräfte gebeten. Auf Videos war zu sehen, wie Löschflugzeuge über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwarfen.

Im brasilianischen Amazonasgebiet wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren - Demonstranten fordern Bolsonaro auf, zu reagieren.

© AFPIm brasilianischen Amazonasgebiet wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren - Demonstranten fordern Bolsonaro auf, zu reagieren.



Brasilia – Nach der internationalen Kritik am Zögern der brasilianischen Regierung im Kampf gegen die verheerenden Feuer im Amazonasgebiet greift nun das Militär ein. Sechs von den Bränden betroffene Bundesstaaten haben bereits um Unterstützung der Streitkräfte gebeten, wie die brasilianische Regierung bekanntgab.

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Zwei Löschflugzeuge vom Typ Hercules starteten am Samstag von Porto Velho im Bundesstaat Rondônia aus zu ihren Einsätzen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Auf Videos war zu sehen, wie die Piloten über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwarfen. Darüber hinaus stehen Zehntausende Soldaten zur Unterstützung bereit.

Insgesamt wurden seit Jänner mehr als 70.000 Brände im Amazonas-Gebiet registriert.
Insgesamt wurden seit Jänner mehr als 70.000 Brände im Amazonas-Gebiet registriert.
- Reuters

Die Soldaten können ab sofort in Rondônia, Roraima, Pará, Tocantins, Acre und Mato Grosso bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern helfen. Insgesamt stünden in der Region rund 44.000 Soldaten zur Verfügung, sagte Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva. Präsident Jair Bolsonaro hatte den Einsatz des Militärs zuvor per Dekret erlaubt. Es wurde jedoch nicht verlautbart, wie viele Soldaten zunächst eingesetzt würden.

Zahlreiche Menschen gingen in den Großstädten Brasiliens auf die Straße.
Zahlreiche Menschen gingen in den Großstädten Brasiliens auf die Straße.
- AFP/Lima

„Der Einsatz wird vor allem in der Verhütung und Verfolgung von Umweltverbrechen sowie der Unterstützung bei den Löscharbeiten bestehen“, sagte Azevedo. Umweltminister Ricardo Salles bat die Bundesstaaten um Hilfe: „Wir wissen, dass viele nur begrenzte Kapazitäten haben, aber wir können diese Aktion ohne die örtliche Unterstützung nicht durchführen.“

Heuer bereits 72.000 Brände registriert

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu. Insgesamt wurden über 72.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Viele Menschen auf der ganzen Welt sind fassungslos.
Viele Menschen auf der ganzen Welt sind fassungslos.
- AFP/Lima

EU-Staaten stellen Handelspakt mit Mercosur in Frage

Umweltschützer werfen dem rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Wegen seiner umstrittenen Umweltpolitik geriet Bolsonaro zuletzt international in die Kritik. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte das Thema wegen der globalen Bedeutung des Regenwaldes für den Klimaschutz auf die Tagesordnung beim G-7-Gipfel in Biarritz und nahm die ganze Welt in die Pflicht. „Das Amazonasgebiet ist unser Gemeingut“, sagte er. Einige europäische Länder stellten die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur und der EU in Frage. Erst Ende Juni war nach jahrelangen Verhandlungen eine politische Einigung über den Aufbau der größte Freihandelszone der Welt erzielt worden.

Brände auch in Bolivien, Peru und Paraguay

Auch in den Nachbarländern Bolivien, Peru und Paraguay wüten zahlreiche Brände, wie auf Satellitenbildern der US-Raumfahrtbehörde NASA zu sehen war. Die bolivianische Regierung setzte am Wochenende einen sogenannten Supertanker im Kampf gegen die Flammen ein. Die umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens unterstütze die Löscharbeiten in der Region Chiquitanía im Osten des Landes, teilte Präsident Evo Morales mit. Das Flugzeug kann rund 75.000 Liter Wasser abwerfen.

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen.
Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen.
- AFP

„Wir planen vier Löscheinsätze pro Tag“, sagte Boliviens Verteidigungsminister Javier Zavaleta der Zeitung „La Razón“. „Wir werden den Kampf gegen das Feuer gewinnen.“ In Bolivien sollen über 700 000 Hektar Land betroffen sein. „So etwas gab es hier noch nie“, sagte Martín Carrillo vom Bürgerkomitee der Ortschaft Roboré. „Seit 40 Tagen kämpfen wir schon gegen die Brände.“ (APA/dpa/AFP)