Letztes Update am Di, 27.08.2019 09:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen

Trump verwandelte sich in „Lamm mit Löwenmähne“: Presse zu G7

Der G7-Gipfel ist mit überraschenden Wendungen und weniger Konflikten als erwartet verlaufen. Die Presse mutmaßt am Tag danach, dass dies am Geschick von Gastgeber Emmanuel Macron gelegen sein könnte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (r.) und US-Präsident Donald Trump.

© AFPFrankreichs Präsident Emmanuel Macron (r.) und US-Präsident Donald Trump.



Biarritz – Mit Fortschritten im Irankonflikt und in globalen Handelsfragen ist der G-7-Gipfel in Biarritz zu Ende gegangen. Nach der Vermittlung des französischen Staatschefs Emmanuel Macron sah US-Präsident Donald Trump eine „sehr gute Chance“ für ein Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Hassan Rouhani.

Es wäre ein historisches Ereignis, denn die USA sehen Iran als Feind und pflegen seit langem keine diplomatischen Beziehungen mit Teheran.

Zum Abschluss der dreitägigen Beratungen in dem französischen Seebad kündigte Trump auch an, dass die USA und China in ihrem Handelskrieg „sehr bald“ neue Verhandlungen aufnehmen werden. Er äußerte auch die Hoffnung auf ein „faires Handelsabkommen“ mit der Europäischen Union.

Die Zeitungen kommentieren am Dienstag den G7-Gipfel in Biarritz:

De Standaard (Brüssel):

„Ob Macron mit seinem Vermittlungsversuch Erfolg hat, ist noch eine sehr große Frage. Trump wiederholte die Forderung, dass der Iran bei einem neuen Abkommen auch seine ballistischen Raketen aufgeben müsse. Vorläufig gibt es keinerlei Hinweise, dass das islamische Regime dazu bereit ist – oder was es im Gegenzug fordern könnte. Der iranische Präsident Hassan Rouhani und sein Außenminister Mohammad Javad Zarif mögen dem reformfreudigeren Flügel angehören, der das Abkommen retten und so die Wirtschaft des Landes wiederbeleben will. Aber da sind auch noch der ‚Oberste Führer‘ Ayatollah Ali Kamenei – die höchste politische und religiöse Autorität im Iran – und die berüchtigten Revolutionsgarden. Die gute Nachricht ist, wenigstens vorläufig, dass auf hoher Ebene miteinander geredet wird.“

Liberation (Paris):

„Jedenfalls haben Emmanuel Macrons Aktivismus, seine Allgegenwart, sein Sinn für Theater, seine unerschöpfliche Sprache, das Ergebnis des Gipfels verändert. Der amerikanische Präsident (Donald Trump) verwandelte sich in ein Lamm mit Löwenmähne, um die hartnäckigen Bemühungen seines Gastgebers abzusegnen. Infolgedessen sind vier Themen vorangekommen: die Iran-Krise, Amazonien, das internationale Steuerwesen und Handelsverhandlungen. All dies ist zerbrechlich, unsicher, und der kleinste Ausbruch von Unmut von dem Einen oder Anderen kann alles ruinieren. Aber Frankreich hat auf der internationalen Bühne einen Punkt erzielt. Umso besser.“

El Pais (Madrid):

„Das Treffen der G7 ist nicht gescheitert. Das ist die Nachricht. Das Spannungsklima im Vorfeld des Gipfels mit den jüngsten Strafzöllen der USA gegen China und der Kontroverse mit dem Iran ließ keinen Raum für Optimismus. Auch das Scheitern des letzten Gipfels in Kanada, der wegen der Unnachgiebigkeit von (Donald) Trump und den Verbalattacken des US-Präsidenten einen schlechten Ausgang genommen hatte, verhieß nichts Gutes. Aber Trump verhielt sich diesmal erstaunlich ruhig. Er hat niemanden beleidigt und er hat auch keine Debatte blockiert. Vielleicht lag es an der Geschicklichkeit von Macron, der die Inszenierung der Meinungsverschiedenheiten zu verhindern wusste (...) Es war besser als erwartet.“

Hospodarske noviny (Prag):

„Die regelmäßigen Treffen der am meisten entwickelten Industriestaaten kämpfen jedes Jahr mit einem schwierigen Dilemma. Das ursprüngliche Format, bei dem sich seit der Mitte der 1970er Jahre ein halbes Dutzend Präsidenten und Regierungschefs trafen, sollte inoffiziellen Gesprächen über den Zustand der Welt dienen. Doch mit der Zeit ist nicht nur die Teilnehmerzahl explodiert, auch die Erwartungen haben Ausmaße angenommen, die kaum zu erfüllen sind. (...) Die G7-Treffen sind ein Spiegel der Beziehungen zwischen den am meisten entwickelten Staaten. Beim diesjährigen Treffen war es ein Erfolg, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump eine halbe Stunde Zeit gefunden haben, um miteinander zu reden. Denn Trump hat es selbst zweieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt im Weißen Haus nicht geschafft, das europäische Schlüsselland Deutschland zu besuchen.“

NRC Handelsblad (Düsseldorf):

„In der heiklen Iran-Frage hat Emmanuel Macron seinen Spielraum als Vorsitzender optimal genutzt. Er ging ein erhebliches Risiko ein, als er den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in den zu einer Festung umgestalteten Badeort einfliegen ließ. US-Präsident Donald Trump sprach zwar nicht mit dem Iraner, sagte aber, Macron habe ihn vorab um Zustimmung gebeten. Die Gespräche über den Iran deuteten an, dass es möglicherweise doch eine diplomatische Lösung für den Konflikt zwischen den USA und dem Iran geben könnte, der entstanden ist durch den Rückzug der USA aus den Vereinbarungen, die der Iran mit der internationalen Gemeinschaft getroffen hatte. (...)

Das wichtigste Ergebnis ist freilich, dass die G7-Treffen als Gesprächsforum erhalten bleiben. Frankreich wollte zu einer Verbesserung des internationalen Dialogs beitragen. Das ist gelungen, auch wenn die transatlantischen Unstimmigkeiten bestehen bleiben.“


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