Letztes Update am Fr, 06.09.2019 15:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1924 - 2019

Simbabwes Langzeitpräsident Mugabe ist tot: Würdigungen und Kritik

Robert Mugabe führte Simbabwe 1980 in die Unabhängigkeit. In den Jahren darauf litt die Bevölkerung zunehmend an seinem autoritären Regierungsstil und der Misswirtschaft, vor zwei Jahren wurde er zum Rücktritt gezwungen. Nun starb Mugabe im Alter von 95 Jahren.

Robert Mugabe im Jahr 2008.

© REUTERSRobert Mugabe im Jahr 2008.



Harare – Simbabwes langjähriger Machthaber Robert Mugabe ist tot. Der einstige Freiheitskämpfer, der das südafrikanische Land von 1980 bis 2017 mit harter Hand regierte, starb im Alter von 95 Jahren, wie Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa am Freitag mitteilte. „Mit größter Traurigkeit gebe ich den Tod des Gründungsvaters Simbabwes und ehemaligen Präsidenten Robert Mugabe bekannt“, schrieb Mnangagwa im Onlinedienst Twitter.

Mnangagwa würdigte Mugabe als „Unabhängigkeitsikone“ und als „Panafrikaner“, der sein Leben der Befreiung seines Volkes gewidmet habe. „Sein Beitrag zur Geschichte unseres Landes und unseres Kontinents wird niemals vergessen werden“, fügte Mnangagwa hinzu. „Möge seine Seele in Frieden ruhen.“

Der ehemalige Präsident verstarb in einem Krankenhaus in Singapur, wie es aus Regierungskreisen hieß. Mugabe war aus medizinischen Gründen regelmäßig in Singapur.

Autoritärer Regierungsstil und Misswirtschaft

Mugabe hatte das ehemalige Rhodesien 1980 in die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien geführt. Er war zunächst Regierungschef, bevor er 1987 Präsident wurde. Seine Gegner warfen ihm einen autoritären Regierungsstil vor und machten ihn für jahrzehntelange Misswirtschaft verantwortlich. Nach fast vier Jahrzehnten an der Macht wurde er im November 2017 vom Militär zum Rücktritt gezwungen.

Oppositionsführer Nelson Chamisa schrieb zu dem Tod des ebenso exzentrisch wie autokratisch auftretenden Langzeitherrschers auf Twitter: „Obwohl ich und unsere Partei, die MDC, und das simbabwische Volk große politische Differenzen mit dem verstorbenen Ex-Präsidenten während seiner Amtszeit hatten – und jahrzehntelang unterschiedlicher Meinung waren – erkennen wir seinen Beitrag zu Lebzeiten als Gründerpräsident an.“

Würdigungen aus Afrika, Russland und China

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa erinnerte sich an den langjährigen Machthaber als „Verfechter der Sache Afrikas gegen den Kolonialismus“. „Unter der Führung von Präsident Mugabe inspirierte Simbabwes anhaltender und mutiger Kampf gegen den Kolonialismus unseren eigenen Kampf gegen die Apartheid und begründete in uns die Hoffnung, dass auch Südafrika eines Tages frei sein würde“, erklärte Ramaphosa. Kenias Präsident Uhuru Kenyatta würdigte Mugabe als Mann, der seinem Land „mit Engagement und Hingabe“ gedient habe.

Die einstige Kolonialmacht Großbritannien sprach „denen, die um Robert Mugabe trauern“, ihr Beileid aus. „Die Simbabwer haben jedoch zu lange unter der autokratischen Herrschaft von Mugabe gelitten“, erklärte das Außenministerium in London.

Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen würdigte Mugabes „großen persönlichen Beitrag“ zur Unabhängigkeit Simbabwes. „Viele wichtige Ereignisse in der modernen Geschichte Simbabwes sind mit dem Namen Robert Mugabe verbunden.“ Er sei ein Verfechter einer „freundschaftlichen Beziehung“ zu Russland gewesen, fügte Putin hinzu. Simbabwe war eines der wenigen Länder, das Moskau bei der Annexion der Krim unterstützte.

Auch China lobte Mugabe als „herausragenden Führer und Politiker der nationalen Befreiungsbewegung“. „Sein ganzes Leben lang verteidigte er entschieden die Souveränität seines Landes, widersetzte sich der Einmischung von außen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Gewalt gegen politische Gegner

Robert Mugabe war in den ersten Jahren seiner Präsidentschaft international anerkannt. Er wurde für seine Politik der Versöhnung und den verbesserten Zugang für die schwarze Bevölkerungsmehrheit zum Bildungs- und Gesundheitssystem anerkannt. Doch das Bild bekam Risse, als er mit aller Gewalt gegen seine politischen Gegner vorging und Tausende von ihnen töten ließ. Die gewaltsame Besetzung weißer Farmen machte Mugabe endgültig international zu einem Außenseiter.

Das Thema seiner Nachfolge war während Mugabes jahrzehntelanger Herrschaft tabu. Als sich seine Gesundheit zunehmend verschlechterte, intervenierte das Militär schließlich und hob Mnangagwa, Mugabes Vizepräsidenten, ins Amt. Dieser übernahm die Regierungsgeschäfte im November 2017.

Vom Befreier zum Zerstörer

„Mugabe hinterlässt ein durchwachsenes Vermächtnis“, sagte der simbabwische Wissenschaftler Austin Chakaodza der Nachrichtenagentur AFP. „Er war ein Befreier, der in seinen späteren Jahren zum Zerstörer des Landes wurde.“ Wäre er in seiner Blütezeit gegangen, wäre er als großer Staatsmann gestorben, sagte Chakaodza. (APA/AFP/dpa)