Letztes Update am Di, 24.09.2019 07:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UNO-Klimagipfel

Greta Thunberg: „Wie könnt ihr es wagen, meine Kindheit zu stehlen“

Die 16-jährige Klima-Aktivistin Greta Thunberg redete beim Klimagipfel der Vereinten Nationen den Staats- und Regierungschefs ins Gewissen.

Mit Tränen in den Augen: Greta Thunberg bei ihrem eindringlichen Appell auf dem UNO-Klimagipfel in New York.

© AFPMit Tränen in den Augen: Greta Thunberg bei ihrem eindringlichen Appell auf dem UNO-Klimagipfel in New York.



New York – New York – Rund 60 Staats- und Regierungschefs kamen gestern beim UNO-Klimagipfel in New York zusammen, um über den Kllimaschutz zu beraten. Unter dem Motto „Taten statt Worte“ will UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, der den Kampf gegen den Klimawandel zu seinem Hauptthema gemacht hat, die Forderungen der Straßenproteste in größtmöglichen Druck auf die Mitgliedsstaaten umwandeln. Dafür suchte er auch den Schulterschluss mit der 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, welche die Jugend in Massen auf die Straßen brachte. Sie forderte beim Gipfel die Staats- und Regierungschefs der Welt gestern mit einem emotionalen und eindringlichen Appell zu mehr Engagement beim Klimaschutz auf. „Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten?“, sagte sie mit Tränen in den Augen. „Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum – wie könnt ihr es wagen?“

Kurz vor Beginn des Klimagipfels verpflichteten sich 66 Länder, bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität zu erreichen. Auch zehn Regionen, 102 Städte und 93 Unternehmen schlossen sich der Selbstverpflichtung an. „Die Klimakrise ist ein Wettlauf, den wir im Moment zu verlieren drohen. Aber es ist auch ein Wettlauf, den wir gewinnen können“, erklärte der UNO-Generalsekretär aus Portugal.

Wer am Klimagipfel teilnahm und was in einigen Ländern getan wird

Ihre Klimaschutzprogramme präsentierten etwa die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Großbritanniens Premier Boris Johnson, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der indische Premier Narendra Modi. Auf der Rednerliste standen aber auch Vertreter kleiner Staaten wie der Marshallinseln, die wenig für den Klimawandel können, aber besonders stark darunter leiden. Große CO2-Produzenten wie China und Russland schickten mit Außenminister Wang Yi und Vize-Ministerpräsident Alexei Gordejew zwar nur ihre zweite Garde. Für Österreich war Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Umweltministerin Maria Patek mit dabei.

Macron hat sich dafür ausgesprochen, über Einschränkungen beim Handel stärkeren Druck auf Klimasünder auszuüben. „Ich denke, wir sollten eine Handelsagenda haben, die der Klimaagenda dient“, sagte der französische Präsident. In Deutschland hatten sich die Spitzen der Großen Koalition am Freitag auf ein milliardenschweres Klimaschutzpaket geeinigt. Als zentrales Element bekommt CO2 einen Preis. Opposition, Umweltschützer und Wirtschaftsverbände lassen freilich kaum ein gutes Haar an den Plänen. Die Maßnahmen würden nur die Hälfte der versprochenen Reduktion von Emissionen bis 2030 bringen, kritisierte etwa Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. Beim Klimagipfel forderte Merkel die Industrienationen trotzdem eindringlich auf, gegen die globale Herausforderung der Erderwärmung aktiv zu werden. „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört“, erklärte sie. Engagiert zeigt sich der britische Premierminister Boris Johnson. Er will eine Milliarde Pfund (1,13 Mrd. Euro) in die Erforschung neuer Technologien zum Klimaschutz stecken. China ist als bevölkerungsreichstes Land der Erde auch der größte Klimasünder und der größte Verbraucher von Kohle. Aber gleichzeitig treibt das Riesenreich auch die Nutzung erneuerbarer Energien voran. Nirgendwo sonst in der Welt wird so viel Energie aus Wasser- und Windkraft oder aus Solaranlagen gewonnen.

Die Gegenspieler der Klimaschutzpolitik

Der große Abwesende beim Klimagipfel sollte US-Präsident Donald Trump sein. Entgegen seiner Planungen schaute er dann aber doch vorbei. Allerdings nur für wenige Minuten. Trump gilt als mächtigster Bremser beim Kampf für Klimaschutz, er zog sich aus dem Pariser Klimaschutzabkommen zurück. Die USA sind mit einem Ausstoß von rund 6,5 Milliarden Tonnen CO2 hinter China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro blieb dem Gipfel fern. Umweltschützer geben ihm Mitschuld an den verheerenden Bränden im Amazonas-Regenwald. Andere Klimasünder-Länder bekamen kein Rederecht: etwa Südkorea, Japan, Saudi-Arabien und Australien.

Wie weit ist die Welt bei der Erfüllung der Kli­maziele?

Da sieht es noch düster aus. Das Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf „deutlich unter 2 Grad“ zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund 3 Grad mehr zu – mit katastrophalen Folgen. Und nicht mal für diese Ziele sind die Staaten bisher auf Kurs.

Gibt es konkrete Beschlüsse beim Klimagipfel?

Anders als bei anderen Klimakonferenzen wird es in New York kein Abschlussdokument geben. Die Konferenz wird sich an den angekündigten Maßnahmen messen lassen müssen. Neue Ankündigungen sollen Aufbruchsstimmung vor dem Klimagipfel in Chile im Dezember erzeugen. (jec, dpa)