Letztes Update am Sa, 30.11.2019 08:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Fridays For Future“

Weltweite Klimademos, Lichtermeer fürs Klima in Innsbruck

Weltweit waren am Freitag wieder Proteste für mehr Klimaschutz angesetzt. Auch Innsbruck war mit von der Partie. Ab 17 Uhr startete vor der Hauptuni ein Lichtermeer durch die Stadt. Insgesamt nahmen rund 2000 Menschen an dem Umzug teil.

Unter dem Motto „Lichtermeer fürs Klima – Die Zeit (b)rennt!“ zogen laut Veranstalter um die 2000 Menschen mit Laternen und Kerzen durch die Innenstadt.

© Michael KristenUnter dem Motto „Lichtermeer fürs Klima – Die Zeit (b)rennt!“ zogen laut Veranstalter um die 2000 Menschen mit Laternen und Kerzen durch die Innenstadt.



Innsbruck, Wien — Drei Tage vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid sind am Freitag erneut Abertausende Menschen in aller Welt für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Die Umweltbewegung FridaysForFuture setzte die Demo am „Black Friday", dem vor allem in den USA für seine Rabatte bekannten Schnäppchentag, unter dem Motto „Raus aus Fossilen, rein in die Zukunft!" an. In Österreich demonstrierten tausende vor allem junge Leute. In Wien waren es laut Veranstaltern 20.000 Menschen, die Polizei verzeichnete bei einer internen Schätzung rund 4.000 Personen. Auch in Graz und Linz war der Andrang am Freitag groß.

In Innsbruck, in der Ende September bis zu 18.000 Aktivisten demonstriert hatten, startete die Klima-Demo erst um 17 Uhr. Am gut gefüllten Christoph-Probst-Platz vor der Universität Innsbruck stimmten sich die Demonstranten auf den Weg zum Landhausplatz ein. Unter dem Motto „Lichtermeer fürs Klima — Die Zeit (b)rennt!" zogen laut Veranstalter um die 2000 Menschen mit Laternen und Kerzen durch die Innenstadt. Gemeinsam wurde protestiert und gesungen, zum Beispiel Textzeilen wie: „Ich geh' mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir. Politiker hört unser Fordern, setzt Klimaschutz endlich vor Gier."

BLOG-NACHLESE zum Klimastreik:

In Wien trafen die Aktivisten einander um 12 Uhr bei der U2-Station Krieau, gegenüber der OMV-Zentrale. Hier bekundeten die Demonstranten ihren Unmut über die Ölkonzerne. "Ölkonzerne pumpen in der Ferne, zerstören unsere Umwelt, nur für einen Batzen Geld", skandierten sie in Richtung des Gebäudes. Den Mitarbeitern beschieden sie: "You deserve a green job" (Du hast dir einen grünen Job verdient, Anm.). Zentrale Forderung war "Raus aus fossilen Energien, rein in die Zukunft".

Die Demo zog gegen 12.30 Uhr zur Zwischenkundgebung vor die Wirtschaftskammer Wien (WKW). Durch den Demozug kam es dem ÖAMTC zufolge auf der Route immer wieder zu auch längeren Staus. Hotspots waren die Schüttelstraße von der Franzensbrücke zur Rotundenbrücke, die 2er-Linie beim Stadtpark vom Hotel Intercontinental bis zum Donaukanal sowie der Franz-Josefs-Kai bis zur Rossauer Lände.

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Tausende in Graz und Linz, weniger in Klagenfurt und St. Pölten

Tausende Demonstranten setzten sich auch in Graz für mehr Klimaschutz ein. In der steirischen Landeshauptstadt hatten sich die Aktivisten um 11.59 Uhr vor der Oper getroffen, um loszumarschieren. Sie forderten "Verkehrswende statt Weltende"und plakatierten: "Advent, Advent, die Erde brennt". Die Menschen sollten "mehr Liebe und weniger CO2 machen", hieß es aus den Lautsprechern.

In Linz gingen am Freitag laut Schätzung der Polizei 2.500 Demonstranten für den Klimaschutz auf die Straße. Diesmal führte die Route vom Hauptbahnhof zur Tabakfabrik. Die FridaysForFuture-Kundgebung verlief friedlich und ohne Zwischenfälle, informierte die Polizei.

Bewusst hatten die Umweltaktivisten im Gegensatz zu den Demos im Sommer Freitagnachmittag einen anderen Weg durch die Stadt gewählt. Der Streckenverlauf entsprach jener seit Jahren geplanten zweiten Straßenbahnachse. Auf deren Notwendigkeit machte auch ein junger Mann mit seinem Plakat aufmerksam: "Linz braucht mehr Linien", hieß es darauf. Ansonsten war sich die Teilnehmer - Schüler, junge Familien und Pensionisten - einig. "Was wollen wir? Klimaschutz jetzt sofort", riefen sie lautstark.

Auch für Freitag ist ein Demonstrationszug durch die Stadt geplant.
Auch für Freitag ist ein Demonstrationszug durch die Stadt geplant.
- Thomas Boehm / TT

Weniger groß war der Andrang in St. Pölten und Klagenfurt. Hier kamen jeweils rund 100 Personen zu den Protesten. Auch im Burgenland hielt sich der Andrang in Grenzen.

Thunberg mobilisierte für neue Proteste

Thunberg hatte am Donnerstag via Twitter für den Protesttag geworben: „Im September sind 7,5 Millionen Menschen rund um den Globus auf die Straße gegangen. Morgen machen wir das nochmal." Jeder werde gebraucht, jeder sei willkommen.

Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Zu den fatalen Folge zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch verheerende Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Zwei aktuelle Untersuchungen weisen auf die Dringlichkeit eines entschiedeneren Vorgehens gegen die drohende Klimakatastrophe hin. So warnte das UN-Umweltprogramm Unep am Dienstag, alle Länder müssten ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollten. Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie derzeit, drohe die Temperatur bis 2100 um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen. (TT.com/APA/dpa)