Letztes Update am Fr, 18.11.2011 10:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltpolitik

Zwei syrische „Dinosaurier“ melden sich zurück

Ex-Vizepräsident Khaddam und Bashar al-Assads Onkel Rifaat al-Assad gründen jeweils „Demokratie“-Bewegungen.

© APRifaat al-Assad organisierte 1982 das Massaker in Hama zur Niederschlagung der Muslimbrüder.



Paris – Zwei vor Jahren in Ungnade gefallene Urgesteine des syrischen Baath-Regimes haben sich zurückgemeldet und im Exil Oppositionsbewegungen gegründet: Ex-Vizepräsident Abdelhalim Khaddam (79) gab in Paris die Gründung eines „Nationalkomitees zur Unterstützung der Syrischen Revolution“ bekannt, während Ex-Vizepräsident Rifaat al-Assad (74), der Onkel von Staatschef Bashar al-Assad, in der französischen Hauptstadt einen „Demokratischen Nationalrat“ ins Leben gerufen hat. Beide gehören zur „alten Garde“ der Baath-Partei und sollen über beträchtliche Geldmittel verfügen.

Westliche Geheimdienste könnten auf Rifaat al-Assad setzen, um eine Revolte alawitischer Teile der syrischen Streitkräfte zu fördern, sagte der französische Experte Joseph Bahout vom Pariser „Institut d‘études politiques“ (IEP). Für das Regime in Damaskus sei es von Vorteil, derart „diskreditierte“ Personen zu Gegnern zu haben, für die Oppositionsbewegung aber eine „Peinlichkeit“.

Khaddam als Interimschef vorgeschlagen

Khaddam hatte bereits im Mai eine Intervention wie in Libyen und Luftangriffe auf militärische Ziele in Syrien gefordert. Er war von 1984 bis 2005 Vizepräsident. Nach dem Tod von Präsident Hafez al-Assad im Jahr 2000 hatte er das Amt des Übergangspräsidenten übernommen, bis Präsidentensohn Bashar Staatschef wurde. Laut WikiLeaks-Enthüllungen soll der seinerzeitige libanesische Premier Saad Hariri den USA Khaddam als Führer einer Übergangsregierung in Damaskus vorgeschlagen haben. Khaddam hatte Bashar al-Assad beschuldigt, persönlich die Ermordung von Hariris Vater, Ex-Premier Rafik Hariri, 2005 angeordnet zu haben.

Rifaat al-Assad, jüngerer Bruder von Hafez, organisierte 1982 mit seinen Sonderheiten das Massaker in der Stadt Hama zur Niederschlagung der Muslimbrüder mit schätzungsweise 30.000 Todesopfern. Nach einem angeblichen Putschversuch ging er ins Exil. (APA/AFP)




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