Letztes Update am Mi, 18.07.2012 12:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ikaria will Abspaltung

Eine Insel für Österreich? Laut griechischer Botschaft undenkbar

Auf der 9000-Einwohner-Insel Ikaria wird eine Volksabstimmung angedacht, bei der über eine Abspaltung von Griechenland entschieden werden soll. Die Zentralregierung hat an solchen Plänen aber wenig Interesse.

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Wien/Athen - Es wird wohl doch nichts mit einem österreichischen Inselparadies inmitten der Ägäis. Nachdem die italienische Zeitung „Libero“ darüber berichtete, dass sich die Insel Ikaria von Griechenland loslösen will und die Angliederung an Österreich anstrebt, meldete sich nun die griechische Botschaft in Wien zu Wort.

Dort hieß es am Dienstagnachmittag, dass Ikaria ein untrennbarer Teil des griechischen Staatsgebiets sei. „Griechenland wird nicht föderalistisch, sondern einheitlich verwaltet.“ Es bestehe somit „kein auslaufendes Abkommen zwischen der griechischen Regierung und der Insel“.

„Am 17. Juli 2012 wird das 100-jährige Jubiläum der Revolution gefeiert, mit der die ostägäische Insel Ikaria ihre Selbstständigkeit vom Osmanischen Reich erlangt hat. Der Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 bestätigt in Artikel 12, dass die Inseln der Ostägäis, darunter auch Ikaria, zu Griechenland gehören“, so die Botschaft.

Einige Einwohner der Insel, die an der Feier anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Revolution teilnahmen, hätten ihre persönlichen Ansichten ausgesprochen. Weder der Bürgermeister von Ikaria noch irgendein Sprecher des Bürgermeisters seien in der italienischen Zeitung zitiert worden, meinte die Botschaft.

Volksabstimmung angekündigt

Die Zeitung „Libero“ hatte berichtet, dass auf der Insel über eine Volksabstimmung nachgedacht werde, um zu entscheiden, ob die 9000 Einwohner weiter von Athen regiert oder unabhängig werden wollen. „Die Regierung hat uns schon vor Jahren vergessen. Wenn man uns jetzt keine neuen Straßen und kein Krankenhaus zusichern kann, können wir die Loslösung von Athen beschließen“, drohten die Insulaner. „Unabhängig zu bleiben, ist für uns schwierig. Wir könnten aber den Anschluss zu einem anderen Staat fordern. Natürlich nicht zur Türkei, lieber zu Österreich“, sagten die Bewohner bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum ihrer Unabhängigkeit.

Für Völkerrechtler Franz Leidenmühler von der Uni Linz wäre das kein Problem: „Österreich müsste natürlich zustimmen. Und der Bundespräsident müsste einen völkerrechtlichen Vertrag mit der Insel unterzeichnen“, sagte er laut einem Vorab-Bericht von „Heute“. Doch die Ägäis-Insel habe ihren Preis: „Wien müsste auch die Schulden übernehmen, die Ikaria anteilig an den griechischen Gesamtschulden tragen muss.“ Bei rund 350 Milliarden Euro Schulden wären das knapp 250 Millionen Euro, rechnete Leidenmühler vor.

Ehemalige Strafkolonie

Ikaria trennte sich vom türkischen Reich nach einer Revolte. Die türkische Besatzung auf der Insel wurde 1917 vom Lokalhelden Georgios Spanos verjagt. Fünf Monate lang blieb Ikaria unabhängig, danach schloss sich die Insel Griechenland an, das in jenem Jahr in den Balkan-Krieg verwickelt war. Während der griechischen Militärdiktatur von 1967 bis 1974 diente Ikaria als Strafinsel für kommunistische Dissidenten, die hier Unterstützung fanden. Griechenlands Kommunistische Partei vereinnahmt auf der Insel immer noch rund 30 Prozent der Wählerstimmen.

Die separatistischen Drohungen Ikarias belasten Athen. Das Meer um die Insel ist für die Fischerei besonders wichtig, und Ikarias Fischer beliefern einen Großteil des Athener Fischmarkts. Die Loslösung der Insel könnte für die griechische Wirtschaft gravierende Folgen haben, berichtete „Libero“. (tt.com, APA)




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