Letztes Update am Fr, 03.08.2012 10:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bürgerkrieg in Syrien

„Iran vs. Russland“ - Machtkampf in Assads innerem Zirkel

Während in Aleppo die „entscheidende Schlacht“ um Syrien tobt, zerfällt der innere Zirkel des syrischen Machthabers immer stärker.

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Istanbul - Während sich die Truppen des syrischen Regimes in Aleppo erbitterte Kämpfe mit den Aufständischen liefern, zerfällt der innere Zirkel der Macht immer mehr. In Damaskus spricht man inzwischen von einem „russischen Flügel“, der zu kleinen Zugeständnissen bereit ist, und einem „iranischen Flügel“, der alleine auf militärische Gewalt setzt.

Wie die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag aus Oppositionskreisen mit Beziehungen zu unzufriedenen Funktionären des Regimes erfuhr, soll der sogenannte russische Flügel jedoch bei dem Attentat auf die Mitglieder des Krisenstabs in Damaskus Mitte Juli stark dezimiert worden sein.

Bei dem mysteriösen Anschlag war unter anderem Asef Shawkat, der Schwager von Präsident Bashar al-Assad, ums Leben gekommen. Er soll etwa zwei Wochen vor dem Attentat „einen eigenen Gesprächskanal“ mit der russischen Führung eröffnet haben. Russland und der Iran sind seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 dessen wichtigste Unterstützer.

Heftige Diskussion in Oppositionskreisen nach Morden

In Oppositionskreisen ist unterdessen eine heftige Diskussion über Kriegsrecht und Menschenrechtsverletzungen durch bewaffnete Revolutionäre entbrannt. Nach der Ermordung von gefangenen Unterstützern des Regimes in Aleppo warnten Oppositionelle davor, „Gefangene ohne irgendeine Form von Prozess einfach zu erschießen, denn damit begehen wir genauso Verbrechen wie das Regime“.

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Aktivisten berichten von neuerlichem Massaker

Den Rebellen zufolge sollen syrische Regierungstruppen am Mittwoch nahe der Hauptstadt Damaskus erneut ein Blutbad angerichtet haben. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag in London mitteilte, nahmen die Sicherheitskräfte bei einer Razzia in der Ortschaft Jdaidet Artus südwestlich von Damaskus am Mittwoch rund hundert junge Menschen fest. Sie seien zu einer Schule gebracht und dort gefoltert worden. Am Donnerstagmorgen seien dann die Leichen von 43 Menschen gefunden worden, einige von ihnen seien hingerichtet worden, hieß es in der Mitteilung der Beobachtungsstelle.

Sie hatte zunächst von 28 Toten bei der Razzia gesprochen. Eine unabhängige Bestätigung des Berichts gab es zunächst nicht. Insgesamt wurden nach Angaben der in London ansässigen Organisation am Mittwoch in Syrien 163 Menschen getötet, darunter 98 Zivilisten, 20 Rebellen und 45 Soldaten.

Kampf um Aleppo tobt

Unterdessen griffen die Rebellen einen Militärflughafen bei Aleppo an. Nach Angaben der Beobachtungsstelle beschossen die Rebellen am Donnerstagmorgen den Flughafen von Menagh, 30 Kilometer nordwestlich der umkämpften Metropole, mit einem Panzer, den sie zuvor erobert hatten. Von dem Flughafen starten Helikopter und Flugzeuge für Angriffe auf Rebellenstellungen in Aleppo. Seit Tagen toben heftige Kämpfe um die Kontrolle der strategisch wichtigen Stadt. (APA/dpa)




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