Letztes Update am Di, 04.02.2014 20:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Außenminister Zarif in Berlin

Iran wirbt um Vertrauen: „Werden niemals einen Krieg beginnen“

Bei seinem Besuch in Berlin bekundete der iranische Außenminister Javad Zarif das Interesse seines Landes an einer friedlichen Kooperation in der Region.



Berlin - Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif hat um Verständnis für die Haltung seines Landes geworben und dessen Interesse an einer friedlichen Kooperation in der Region betont. „Der Iran ist ein revolutionärer Staat im Innern, doch außenpolitisch ist er ein Status-Quo-Land“, sagte Zarif am Montag bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (dgap) in Berlin.

Der Iran sei zufrieden mit seiner regionalen Position und wolle Stabilität und Ruhe. „Wir werden niemals gegen irgendjemand einen Krieg beginnen“, versicherte Zarif.

Der Minister warb mit Nachdruck um Vertrauen im Konflikt um das iranische Atomprogramm. Allzu lange sei die Sicht auf sein Land von der Vorstellung geprägt gewesen, dass die internationale Politik ein „Null-Summen-Spiel“ sei, in dem notwendigerweise einer verlieren müsse, damit der andere gewinnt, sagte Zarif. Es bedürfe nun eines Dialogs, damit nicht jede Seite weiter „im eigenen Narrativ“ verharre. Es sei notwendig, „sich selbst aus der Sicht des anderen zu betrachten“, um das Misstrauen zu überwinden, sagte Zarif.

Atomkonflikt „unnötig“

Den Atomkonflikt bezeichnete er als „unnötige Krise“. Der Iran sei nicht nur überzeugt, das seine Sicherheit nicht durch Atomwaffen gestärkt werde, sondern auch dass bereits der Eindruck, er strebe nach Atomwaffen, seine Sicherheit nicht stärke. „Atomwaffen werden unsere Nachbarn dazu bringen, von außen Unterstützung zu suchen“, sagte Zarif. Dies würde aber dazu führen, dass der Iran seine strategische Position der Stärke verlieren würde, die auf der Größe des Landes und auf seinen konventionellen Waffen beruht.

Mit Blick auf das Ende November unterzeichnete Interimsabkommen zum Atomprogramm sagte Zarif, Ziel sei für den Iran nicht „eine sechsmonatige Atempause“, sondern „ein anderes Verhältnis mit der Welt“. Die sechs Monate müssten nun genutzt werden, „sonst schwingt das Momentum in die andere Richtung“. Bei den Verhandlungen sei das Geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei voll eingebunden, versicherte Zarif. Er bestimme die Richtlinien und werde über „jedes einzelne Detail“ informiert.

Der Iran hatte am 24. November in Genf ein sechsmonatiges Interimsabkommen mit der 5+1-Gruppe der UNO-Vetomächte und Deutschland erreicht. Dieses sieht vor, dass der Iran im Gegenzug für die Aussetzung gewisser Sanktionen die Urananreicherung einfriert, seine Bestände höher angereicherten Urans reduziert und verschärfte Kontrollen zulässt. Binnen sechs Monaten soll nun ein langfristiges Abkommen erreicht werden, das die Zweifel des Westens an der friedlichen Zielsetzung des Atomprogramms beseitigt. (APA/AFP)




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