Letztes Update am Do, 06.02.2014 13:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vatikanstadt

UN-Ausschuss wirft Vatikan Mängel beim Kinderschutz vor

Die UNO kritisiert das Verhalten des Vatikans bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen. Der Heilige Stuhl klagt über den Eingriff in seine Lehre.



Vatikanstadt/New York – Der UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes in Genf hat den Vatikan wegen seines Umgangs mit pädophilen Priestern heftig kritisiert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht rief der Ausschuss den Vatikan auf, alle wegen Kindesmissbrauchs bekannten und verdächtigten Geistlichen ihrer Ämter zu entheben und der Justiz zu übergeben.

In dem Bericht heißt es, die katholische Kirche unternehme trotz entsprechender Zusagen nach wie vor nicht genug gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche und Kirchenmitarbeiter, unter anderem in Schulen. Der Ausschuss erklärte sich zutiefst besorgt, dass der Heilige Stuhl das „Ausmaß der begangenen Verbrechen nicht anerkannt“ und die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen habe, um die Kinder zu schützen. Stattdessen habe der Vatikan eine Politik und Praktiken verfolgt, die dazu führten, dass die Missbrauchsfälle andauerten und die Täter straflos ausgingen.

Die Mitglieder des UN-Ausschusses, denen die Vatikan-Gesandten bei den Vereinten Nationen Mitte Jänner Bericht erstatteten, forderten den Heiligen Stuhl auf, seine Archive zu öffnen. Damit sollen pädophile Priester und diejenigen, die pädophile Verbrechen verheimlichten, gezwungen werden, sich vor der Justiz zu verantworten.

Unzulängliche Maßnahmen seien zur Bewältigung der Missbrauchsfälle und zum Schutz der Minderjährigen ergriffen worden. Der Vatikan habe Initiativen unternommen, dank derer pädophile Priester weiterhin ungestraft geblieben seien, kritisierte der Ausschuss. Der Vatikan weigere sich nach wie vor, die von der UNO geforderten genauen Angaben zu Umfang des Skandals und zu Tätern zu machen, wird bemängelt.

Der Vatikan reagierte scharf auf den kritischen Bericht der UN-Kinderrechtsexperten und klagte über einen „versuchten Eingriff“ in seine Lehre. Das betreffe einige Punkte, in denen es um die Lehre der katholischen Kirche zur Würde des Menschen und zur Ausübung der Religionsfreiheit gehe, teilte der Vatikan am Mittwoch mit.

Die römisch-katholische Kirche halte an ihrer Verpflichtung fest, „die Rechte des Kindes zu verteidigen und zu schützen“. Dies erfolge im Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention. Papst Franziskus hatte die Missbrauchsskandale Mitte Jänner als „Schande für die Kirche“ angeprangert. (APA)




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