Letztes Update am Mi, 26.08.2015 20:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erste Liga

Geisterspiel statt Absage: Westderby in Schwanenstadt

Nachdem die Behörden die Austragung des Westderbys zwischen Austria Salzburg und dem FC Wacker wegen Sicherheitsbedenken untersagt hatten, findet das Match nun doch statt – allerdings ohne Zuschauer.

25. Oktober 2012: Beim Geisterspiel von Austria Salzburg in Kufstein fanden sich zahlreiche Gäste-Fans ein.

© Mühlanger25. Oktober 2012: Beim Geisterspiel von Austria Salzburg in Kufstein fanden sich zahlreiche Gäste-Fans ein.



Von Florian Madl und Tobias Waidhofer

Innsbruck – Noch am Dienstagabend schien es so, als würde das für Freitag (20.30 Uhr) in Schwanenstadt (OÖ) angesetzte Westderby endgültig abgesagt werden. Wie berichtet, war die Salzburger Austria den Behördenauflagen nicht nachgekommen, die Sicherheit schien angesichts von 4000 teils gewaltbereiten Fans nicht gewährleistet.

Am Mittwochvormittag wurde in Salzburg noch eine politische Debatte über ein Verlegen des Spiels in die Red-Bull-Arena nach Siezenheim geführt, ehe man sich schließlich auf ein Geisterspiel im ursprünglich angesetzten Spielort Schwanenstadt einigte. Die Bestätigung erfolgte um 18 Uhr: „Für die Österreichische Fußball-Bundesliga steht im Sinne der Wettbewerbssicherheit außer Frage, dass sämtliche Entscheidungen in der Meisterschaft so weit wie möglich auf rein sportlichem Wege erfolgen sollen. Aus diesem Grund ist die Durchführung des Spiels unter Ausschluss der Öffentlichkeit insbesondere aufgrund der Kurzfristigkeit der Untersagung die beste Lösung“, meinte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer. Die Fernseh-Übertragung ist nach Aussagen von ORF-Sportchef Hans Peter Trost zudem gewährleistet: „Wir übertragen!“

„Wir wollen eine sportliche Entscheidung“

Auch für Wacker-Präsident Josef Gunsch stellte das angesichts der Ungewissheit die beste Lösung dar: „Wir wollen eine sportliche Entscheidung.“ Damit spielte der Milser auf eine mögliche Strafverifizierung des Spiels zugunsten der Tiroler an, wovor auch Bundesliga-Präsident Hans Rinner im TT-Interview warnte. Die Kritik Rinners am FC Wacker, man habe dem personalisierten Ticketverkauf nicht zugestimmt und damit die Situation erschwert, ließ Gunsch indes nicht gelten: „Das Stadion in Schwanenstadt ist für dieses Spiel nicht geeignet, da geht die Sicherheit vor und das sollte auch das Anliegen der Bundesliga sein.“ Man hätte aus diesem Grund keinen Kartenverkauf übernehmen wollen. Eine Kritik konnte sich der FC Wacker nicht verkneifen: „Es ist zu bedauern, dass Fans, Klubs und schlussendlich der Fußball im Allgemeinen als großer Verlierer dastehen“, hieß es in der Aussendung des Vereins.

Wattener sehen sich als Verlierer

Als Verlierer sehen sich allerdings auch die Wattener: „Es ist verwunderlich, dass Austria Salzburg für das Stadion in Schwanenstadt eine Lizenz bekommt, wenn es dann offensichtlich doch zu Problemen kommt“, meinte deren sportlicher Leiter Stefan Köck. Hintergrund: Die Werkssportgemeinschaft war vergangene Saison als Vizemeister der Regionalliga West am Bundesliga-Aufstieg vorbeigeschrammt, hätte im Fall einer Lizenzverweigerung für Salzburg aber den Weg nach oben antreten können.

Wacker-Trainer Klaus Schmidt hätte ein Derby vor Fans bevorzugt, atmet aber dennoch auf: „Ein Spiel vor unseren Fans wäre mir lieber gewesen, aber wenigstens bleiben wir im Rhythmus.“

Nach der Entscheidung zum Geisterspiel kam es bei den Fans zur befürchteten „Jetzt erst Recht!“-Mentalität. Auf tivoli12.at machte die „organisierte Fanszene des FC Wacker“ ihrem Unmut Luft und beklagte, dass man schon im Sommer mit den Planungen für das Westderby gegen Austria Salzburg begonnen habe. „Diesem Wahnsinn werden wir uns nicht beugen und werden trotz aller Hindernisse, die uns in den Weg gelegt werden, zum Derby fahren!“, hieß es im offiziellen Aufruf zur Anreise nach Schwanenstadt. An Austria-Anhängern wird es dort nicht fehlen, wenn es nach der Aussendung der Fangruppierung „Curva Viola“ geht: „Die Öffentlichkeit kann man aussperren – uns nicht!“