Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.09.2015


Fußball

Wacker-Coach muss gehen: Dicke Luft im Tabellenkeller

Im Lager der Wacker-Fußballerinnen trennt man sich nach fünf Jahren vom Trainer.

© gepaAbschied von den Wacker-Damen: Trainer Stephan Glöckner.Foto: gepa



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Knalleffekt bei den Wacker-Damen – zumindest nach außen hin. „Wir haben uns einvernehmlich getrennt“, sagt Trainer Stephan Glöckner, der im August in seine sechste Saison mit den Bundesligaspielerinnen gestartet war. Der sportliche Direktor Horst Braun bestätigt: „Ja, das stimmt. Wir gehen friedlich auseinander.“

War wirklich alles so friedlich? Oder hatte Glöckner plötzlich genug von Schwarzgrün? Oder zog gar Wacker Innsbruck die Reißleine? Fakt ist, dass die Wacker-Damen nach nur einem Saisonsieg und vier Niederlagen – zuletzt ein unglückliches 0:1 – als Vorletzte im Tabellenkeller stehen. Geknallt haben dürfte es am Montag dennoch nur mäßig, selbst wenn noch in der Nacht eine SMS in der TT-Redaktion über Glöckners Abgang eingelangt war.

Die Situation hatte sich über Wochen zugespitzt. In der Vorsaison noch Vierter, jetzt als Vorletzter im Tabellenkeller – ein Nährboden für Unzufriedenheit. Der Unmut wuchs, war zu hören. in den Kreisen der Verantwortlichen, zuletzt auch in der Mannschaft selbst: Die Chemie stimme nicht mehr. Das letzte Wort sprachen schlussendlich die Wacker-Damen selbst.

„Der Tabellen- und Punktestand hat sicher etwas damit zu tun“, bestätigte der sportliche Direktor Horst Braun. Es sei eben auch für die Damen eine ungewohnte Situation, plötzlich um die rote Laterne zu spielen. „Klar, dass die Unzufriedenheit wächst, wenn es sportlich nicht läuft “, weiß der Oberperfer.

„Es ist ein gutes Team, aber mit den Jahren schliffen sich sicher auch gewisse Sachen ein“, gibt Glöckner zu. Es sei wohl Zeit für einen neuen Trainer, zudem werde er in vier Wochen Vater: „Es war eine schöne Zeit und ein tolles letztes Jahr.“

Dass Glöckners zuletzt geübte Kritik an der Personalpolitik bei den Wacker-Damen ausschlaggebend gewesen sei, dementierte Braun: „Solche Differenzen kann man reparieren.“ Wenn Spielerinnen mit Geld weggelockt werden, wie etwa zu Sturm Graz, St. Pölten, Neulengbach oder Union Landhaus (in Verbindung mit Austria Wien), dann könne man nichts machen: „Wenn kein Geld da ist, um Spielerinnen zu halten, dann bleibt der Wacker ein Ausbildungsverein.“

Interimistisch leiten nun die zwei Trainerinnen der zweiten Mannschaft die Übungseinheiten. Das kommende Wochenende sei spielfrei, schon am Montag will man einen neuen Trainer präsentieren. „Wir haben bereits jemanden im Auge“, hält sich Braun aber noch bedeckt. Kurz darauf wartet im ÖFB-Ladies-Cup Tiroler-Ligist Haiming – eine Gelegenheit, mit neuem Coach neues Selbstvertrauen zu tanken.