Letztes Update am Di, 01.03.2016 13:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erste Liga

Austria jubelt: Gläubiger stimmen Salzburger Sanierungsplan zu

Nach 120 Minuten Verhandlung stand fest: Der Erste-Liga-Club kann den Spielbetrieb fortsetzen.

Andreas Bammer und seine Austria-Teamkollegen dürfen jubeln. Der Spielbetrieb der Salzburger wird fortgesetzt.

© GEPA pictures/ Florian ErtlAndreas Bammer und seine Austria-Teamkollegen dürfen jubeln. Der Spielbetrieb der Salzburger wird fortgesetzt.



Salzburg – Über die Zukunft des mit rund 1,4 Millionen Euro verschuldeten Fußball-Zweitligisten Austria Salzburg ist am Dienstag entschieden worden. „Eine schlussendlich große Mehrheit der Gläubiger stimmte heute nach über 120 Minuten Verhandlung am Landesgericht Salzburg dem vorgelegten Sanierungsplan zu“, informierte die Austria Salzburg zu Mittag auf ihrer offiziellen Homepage.

„Hurra, wir leben“, titelte der Verein auf seiner Internetseite. Der Salzburger Erste-Liga-Club kann nun den Spielbetrieb fortsetzen. Die Austria Salzburg hatte im November 2015 einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Eine Mehrheit der rund 100 Gläubiger musste dem Ausgleich zustimmen und auch die Summenmehrheit bilden.

Bei der ersten Tagsatzung am 16. Februar am Landesgericht Salzburg war eine Summenmehrheit nicht zustande gekommen. Die Großgläubiger, vor allem Baufirmen, forderten eine Quote von 40 Prozent. Der Verein hatte zwei Wochen Zeit, um das Angebot nachzubessern.

Insolvenz durch Mehrkosten bei Stadionumbau

Als Insolvenzursache wurden Mehrkosten im Zusammenhang mit dem Stadionumbau in Maxglan angeführt. Den Gläubigern war im Zuge des Sanierungsplans zunächst eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren angeboten worden.

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„Es ist auch heute im Gerichtssaal bis zuletzt ums Überleben gekämpft worden“, erklärte der Pressesprecher von Austria Salzburg, Alexander Hütter, im APA-Gespräch. „Am Ende haben wir noch die Großgläubiger rüber ziehen können.“ Vereinbart wurde eine Ausgleichsquote von 25 Prozent auf zwei Jahre sowie eine Barquote von fünf Prozent - die rund 70.000 Euro sind binnen vier Wochen zu zahlen.

Am Ende der Saison geht es in die Regionalliga

Der Spielbetrieb gehe nun ganz normal weiter, zeigte sich Hütter erleichtert. Nach der Saison steigt der Verein aber automatisch, also unabhängig vom Spielergebnis, in die drittklassige Regionalliga ab, weil bei einem anhängigen Sanierungsverfahren keine Lizenz im Profifußball erteilt wird. Das sehen die Statuten der Bundesliga vor.

„Die Wettbewerbskontinuität ist wesentlicher Bestandteil jeder Meisterschaft. Deswegen ist es trotz aller Schwierigkeiten wichtig, dass die Meisterschaft der Sky Go Ersten Liga nicht nur mit zehn Clubs begonnen hat, sondern auch mit ebenso vielen endet“, sagte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer in einer Aussendung der Liga.

Kampf ums Geld geht weiter

Der Kampf ums Geld ist für die Austria, die sich nach der Übernahme der „alten“ Austria durch Red Bull als eigentlicher Nachfolger des einstigen Traditionsclubs sieht, aber noch nicht vorbei. In zwei Jahren muss man wieder auf finanziell gesunden Beinen stehen. Sonst droht das endgültige Aus für die „Violetten“.

„Die Gläubiger glauben noch einmal an die Salzburger Austria“, hieß es in einer Aussendung des Kreditschutzverbandes von 1870. „Der Ball für die Erfüllung liegt nun beim Verein.“ Die Insolvenzgläubiger erhalten laut KSV1870 eine Quote von 25 Prozent, zahlbar in fünf Raten zu je fünf Prozent, und zwar: fünfprozentige Barquote binnen vier Wochen ab Annahme, nicht jedoch vor Rechtskraft der Bestätigung, sowie weitere je fünf Prozent fällig am 15. Dezember 2016, 15. Mai 2017, 15. Oktober 2017 und 28. Februar 2018.

Die Mittel für die fünfprozentige Barquote werden aus der Masse finanziert, „welche auch durch Spenden seitens der Fans erheblich gemehrt wurde“, konstatierte der Kreditschutzverband. „Für die 2. und 3. Quote von je fünf Prozent wurden Sicherheiten von Schuldnerseite beigebracht.“

Dem Ausgleichsangebot haben 89 Gläubiger mit einem Forderungsvolumen von rund 1,068 Mio. Euro zugestimmt, wie der KSV1870 informierte. Sieben Gläubiger stimmten gegen die Annahme. Insgesamt wurden Forderungen von rund 1,4 Mio. Euro angemeldet. Das Erfüllungserfordernis für die 25-prozentige Quote errechnet sich laut Kreditschutzverband mit rund 350.000 Euro zuzüglich Verfahrenskosten. (APA)