Letztes Update am Di, 23.08.2016 16:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erste Liga

Höchste Zeit für Wacker-Wende

Hinten offen und fehleranfällig, vorne harm- und glücklos, Zuschauerschwund sowie hartnäckiges Verletzungspech – die Momentaufnahme des FC Wacker fällt krass negativ aus.

Thomas Pichlmann ist nicht nur die Stammplatzgarantie abhandengekommen, dem Torjäger klebt auch das Pech am Schuh.

© gepaThomas Pichlmann ist nicht nur die Stammplatzgarantie abhandengekommen, dem Torjäger klebt auch das Pech am Schuh.



Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Der Blick auf die Tabelle der zweitklassigen Sky Go Ersten Liga schreit aus Sicht des FC Wacker förmlich nach einer Trendumkehr. Die Zeit ist überreif für die Wende. Es ist zwar erst ein Sechstel der Meisterschaft gespielt, doch wenn am Freitag im Nachzügler-Duell bei BW Linz wieder nichts Zählbares herausschaut, dann muss man sich um den Dauer-Patienten FC Wacker ernsthaft Sorgen machen.

So trist die Momentaufnahme aus schwarz-grüner Sicht auch ist, die Meisterschaft des letzten Jahres verdeutlich, dass wie immer am Schluss abgerechnet wird. Ewig wird das Beispiel St. Pölten aber auch nicht herhalten können, um die Hoffnung am Leben zu erhalten. Präsident Josef Gunsch, von Abstürzen und zwischenzeitlichen Höhenflügen in seiner Amtszeit schon abgehärtet, sieht die Lage noch pragmatisch: „Ich bin kein Freund von Diskussionen, ich setze auf Aktionen und akribisches Arbeiten. Freilich bin ich enttäuscht, aber auch überzeugt, dass wir Qualität im Kader haben und die sportliche Leitung den Umschwung schafft.“

Fakt ist, dass nach sechs Runden das Negative klar überwiegt und sich der notorische Optimist verdammt schwertut, etwas Positives herauszukitzeln.

Das läuft bei Wacker schief

Defensive: Das Dilemma der fatalen Eigenfehler begann beim blamablen Cup-Ausscheiden in Mannsdorf und setzte sich nahtlos in der Meisterschaft fort. Von Stabilität ist man weit entfernt, kein Spiel wurde bislang ohne Gegentreffer überstanden.

Spielaufbau: Ein Pfeiler im neuen System von Trainer Jacobacci. Mit den Negativerlebnissen schrumpften Selbstvertrauen und Sicherheit. Das Herausspielen aus der Verteidigung funktioniert zu selten bis gar nicht.

Erschreckend viele Sitze blieben bei den letzten beiden Heimspielen der Schwarz-Grünen leer.
Erschreckend viele Sitze blieben bei den letzten beiden Heimspielen der Schwarz-Grünen leer.
- gepa

Offensive: Nur fünf Tore in sechs Spielen sind ein Beleg, dass der Sturm des proklamierten Titel- aspiranten nicht viel mehr als ein laues Lüftchen ist. Es fehlt generell an Chancen im Sechzehner, zudem am letzten Pass, und wenn der einmal ankommt, auch am Glück – Pichlmann! – im Abschluss.

Verletzungen: Wie verhext, die Serie von verletzungsbedingten Ausfällen reißt einfach nicht ab. Zurzeit sind Andi Hölzl, Alex Hauser und Tormann Pascal Grünwald angeschlagen, Roman Kerschbaum erwischte es am Freitag gegen Lustenau, Alexander Riemann im Training. Mittelfeldstratege Christoph Freitag, den ein Muskelbündelriss wochenlang außer Gefecht setzte, ist dafür für das nächste Spiel ein Comeback-Thema.

Zuschauer: In den beiden letzten Heimspielen gegen Tabellenführer Liefering und gegen Lustenau kamen weniger Fans ins Tivoli (4300) als beim Westschlager vor genau einem Jahr. Damals bejubelten 4500 Fans einen 1:0-Sieg durch ein Freitag-Tor gegen Lustenau. Die Derby-Watschn gegen Wattens (9000 Zuschauer) haben offensichtlich weder Fans noch FCW-Profikicker richtig verdaut.

Darauf kann Wacker bauen

Hoffnung: Die stirbt bekanntlich zuletzt. Der Wacker-Kader muss in der Lage sein, in dieser zweitklassigen Liga oben mitzuspielen. Es braucht halt dringend ein Erfolgserlebnis, um den Knoten zu lösen und den schwarz-grünen Motor zum Laufen zu bringen. Zieht sich das weiter wie ein Strudelteig, dann wir man wohl oder übel die Reißleine ziehen müssen, um den Fall ins Bodenlose zu verhindern.